In den Buchhandlungen stapeln sich vegane Kochbücher. Trotz vieler kritischer Stimmen bekennen sich immer mehr Menschen dazu, Nahrungsmittel und Erzeugnisse tierischen Ursprungs abzulehnen. Im Gegensatz zu Vegetariern, die vor allem Fleisch und Fisch meiden, verzichten Veganer auch auf Nahrungsmittel, die vom lebenden Tier stammen, wie Eier, Milch oder Honig.
Ein Trend? Nein, sagt Kristin Höhlig, die die Vebu-Regionalgruppe Barnim zusammen mit Katrin Brandt gegründet hat. Es sei eher eine gesellschaftliche Entwicklung, denn Trends kommen und gehen. Vegetarismus und Veganismus soll gesellschaftsfähiger werden. Dafür will sich die Gruppe einsetzen und mit Infoständen und Aktionen möglichst viele Menschen erreichen, aber nicht bekehren.
Beim Gründungstreffen in Eberswalde erzählt Sabrina Warmbier, die mit ihrem Freund aus Berlin nach Rüdnitz gezogen ist, dass sie sich in ihrer Umgebung bessere Einkaufsmöglichkeiten für Veganer wünscht. Fleisch ersetzt die 30-jährige Ärztin gerne durch Tofu oder Sojageschnetzeltes. Anstelle von Rührei isst sie Kala Namak. "In Berlin kriegt man alles, da ist das gar kein Problem", sagt die junge Frau, die seit drei Jahren vegan isst. Aber außerhalb der Großstädte sei das Angebot begrenzt. Begeistert erklärt sie, dass man von allen Gerichten auch eine vegane Version zubereiten kann. "Man muss ein bisschen üben, aber mit den richtigen Lebensmitteln ist das kein Problem." Beim Backen kann Ei zum Beispiel durch Bananen ersetzt werden.
Sabrina Warmbier hofft, über die Vebu-Gruppe auch an Schulen herantreten zu können, die in ihren Mensen noch nicht auf Veganer eingestellt sind. Besonders interessant findet sie auch die Frage, wie es mit veganer Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit aussieht. "Darüber können wir uns gleich mal unterhalten", kündigt eine Teilnehmerin an, die vor einem guten Jahr Mutter geworden ist.
Unter den zehn Veganern und Vegetariern, die beim Gründungstreffen zusammensitzen, sind Studenten, Berufstätige und Rentner. Der älteste Gast ist Alfons Wallrath aus Joachimsthal. Der 80-Jährige bezeichnet sich selbst als "Rohkostler". Seit zwei Jahren isst er nichts Gekochtes und nichts Tierisches. Seine Frau macht da nicht mit, jeder kümmert sich um seine eigene Ernährung. Die Umstellung im hohen Alter ist dem Mann überhaupt nicht schwergefallen. Er war einfach neugierig, wie das auf seinen Körper wirkt. "Nun geht es mir besser als mit 50", berichtet er stolz. Seine Geschichte beeindruckt die ganze Runde.
Heike Gleibs aus Bad Freienwalde erzählt, sie würde gerne ganz auf vegane Ernährung umstellen, aber das sei nicht so einfach. Sie hat das Buch "Artgerecht ist nur die Freiheit" von Hilal Sezgin gelesen und sich nach und nach immer mehr für vegetarische und vegane Ernährung interessiert.
Kristin Höhlig steht durch ihr Studium an der Eberswalder Hochschule im Fach Regionalentwicklung und Naturschutz schon länger in Kontakt mit dem Deutschen Vegetarierbund Vebu, der die Interessen der Vegetarier und der Veganer vertritt. Die 25-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, über vegane Ernährung, aber auch über Tierrechte zu informieren. Deshalb gründete sie 2013 die Tierrechtsinitiative Eberswalde und Region (T.i.E.R). Einige der Mitglieder waren gleich von der Idee der Vebu-Gruppe begeistert. Deutschlandweit gibt es schon über 200 dieser Regionalgruppen. Wenn Kristin Höhlig im Januar ihren Bundesfreiwilligendienst beim Vebu beginnt, wird sie viele Gruppen im ganzen Bundesgebiet betreuen.
Kontakt: Vebu.Barnim@aol.com