Der Hersteller für Photovoltaik-Befestigungssysteme HatiCon hat erneut Mitarbeitern gekündigt. 20 Beschäftigte des Pinnower Werkes erhielten eine Änderungskündigung. Sie sollten zum Standort Güterfelde (Potsdam-Mittelmark) wechseln, lehnten das aber ab.
Auf der Weihnachtsfeier hieß es noch, im kommenden Jahr sollen bei HatiCon bis zu 40 neue Mitarbeiter eingestellt werden, erzählt die junge Frau. "Von Kündigungen war nicht die Rede." Mittlerweile hat sie ihre Anstellung bei dem Hersteller von Befestigungssystemen für Solarmodule verloren. Die Entlassung war "betriebsbedingt". Denn während es in Pinnow eine Überkapazität von Mitarbeitern gibt, ist der Standort Güterfelde unterbesetzt. Das teilte ihr HatiCon schriftlich mit, zusammen mit einem Angebot. 20 Mitarbeiter könnten zu neuen Konditionen am Standort Güterfelde weiterarbeiten.
Gido Genschorek, Chef des Unternehmens, nennt das "Änderungskündigungen". Diese seien mit einer Gehaltserhöhung, einer aktiven Umzugshilfe, einem Kleinkredit zur Überbrückung von finanziellen Engpässen sowie einer Unterstützung bei der Wohnungssuche verbunden. "Betroffen sind nur Mitarbeiter ohne Kinder im Haushalt und ohne Wohneigentum."
Dieser Darstellung des Unternehmens widerspricht eine Gekündigte. "Es wurden Leute mit eigenen Häusern entlassen." Darunter auch Verheiratete mit Kindern. Nicht einmal 400 Euro brutto mehr seien den Mitarbeitern von HatiCon angeboten worden. Zu wenig, um sich kurzfristig eine neue zweite Wohnung zu suchen, argumentieren die Betroffenen. Ihr Angebot, mit Dienstwagen nach Güterfelde zu pendeln, habe das Unternehmen abgelehnt.
Das Unternehmen selbst bezieht zu den Vorwürfen nur schriftlich Stellung. "Im Logistikzentrum der HatiCon GmbH in Güterfelde werden seit Monaten Mitarbeiter benötigt", teilt Gido Genschorek mit. Schon seit Monaten pendeln Mitarbeiter von Pinnow dorthin. Am Standort gebe es aber einen dauerhaften Bedarf an Personal. Die Gekündigten werden die Lücke nun aber nicht schließen. "Bisher hat keiner der 20 Betroffenen dieses Angebot angenommen", so der Unternehmer.
Die Betroffenen kritisieren die Kurzfristigkeit des Angebots. Zunächst blieben ihnen vier Tage Zeit für eine Entscheidung. Als keiner das Angebot annahm, verlängerte das Unternehmen die Frist mehrfach um wenige Tage, erzählt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will. Gestern verstrich der letzte Termin, den neuen Vertrag anzunehmen.
Acht Betroffene haben sich mittlerweile an den Schwedter Rechtsanwalt Torsten Behm gewandt. "In Sachen einer ausgesprochenen Kündigung", klärt der Jurist auf. Er habe schon im vergangenen Jahr mehr als zehn ehemalige Angestellte von HatiCon in einem Rechtsstreit gegen das Unternehmen vertreten. Über den Ausgang dieser Verhandlungen wurde aber Stillschweigen vereinbart.
Die jetzt gekündigten 20 Mitarbeiter waren in den Bereichen Lager, Montage und Verpackung tätig. Die Stimmung bei den Betroffenen sei schlecht, erzählt eine Entlassene. "Alle sind angeknackt."
Spekulationen über weitere Kündigungen am Standort Pinnow widerspricht HatiCon. Die Effizienz des Unternehmens solle jedoch gesteigert werden, kündigt Gido Genschorek an. "Das heißt, dass weiteres Umsatzwachstum zeitweise ohne Neueinstellungen realisiert wird."