Nach der ersten „Europa-Matinee“ in Corona-Zeiten im August luden die „Freunde für Europa“ vorvergangene Woche zur Aufführung des Theaterstücks „Nach Europa“ in die Musikbrauerei ein. Am Montagvormittag hatten sich Schüler der Bürgel-Schüle und der Förderschule „Spektrum“ angemeldet.

Sehnsuchtsort Europa

„Dies ist kein Theaterstück, das Vergnügen bereitet. Es tut manchmal weh, beschreibt aber eindringlich die Situation, die Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten auf ihrer Flucht nach Europa machen. Dieses Stück hat mich zum Nachdenken gebracht“, so Felix Doepner, Mit-Organisator der Europa-Mtinees. „Wir wollen mit dem Stück deutlich machen, dass für viele Menschen außerhalb, Europa ein Sehnsuchtsort ist. Sicherheit, Schutz und Menschlichkeit ist das Mindeste, was Flüchtlinge hier erwarten sollten.“

Raum für Gedanken

Ein dunkler Raum empfängt die Zuschauer. Auf der Bühne steht lediglich ein hölzernes Bootsgerippe als reduziertes Bühnenbild. Nur vielseitiges Laserlicht durchdringt, von der Bühne her, den Raum mit den Zuschauern. So bleibt viel „Raum“ für die Gedanken, die das berührende und eindringliche Theaterstück, im Dialog der zwei Schauspieler, oder auch im Monolog gestaltet, hervorrufen.

Ursachen und Auswirkungen von Flucht

„Nach Europa“ ist ein Theaterstück, dass die Flucht von Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten nach Europa aus ihrer Perspektive, aus der Sicht zweier überlebender Boots-Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, aber auch Schleuser, zweier Staatspräsidenten oder fröhlich feiernder Passagiere auf der im Mittelmeer kreuzenden „MS Europa“, erzählt. Es beleuchtet so Ursachen und Auswirkungen von Flucht und geht dabei bis auf die Entstehung des Kontinents Europa zurück. Über Jahrtausende hat es Wanderungen von Menschen gegeben – angefangen von den ersten Menschen, die sich aus Afrika aufmachten, um alle Kontinente zu bevölkern.

Mit Beteiligten im Gespräch

Nach dem 65-minütigen Stück löste sich die angespannte Ruhe unter den Jugendlichen und Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach von „Eure Formation“ kamen mit den Schülern ins Gespräch. „Wir haben für dieses – fiktive – Stück auch mit Flüchtlingen gesprochen. Zu einer Vorstellung haben wir einen ehrenamtlichen Helfer der ‚Seawatch 3‘ eingeladen“, beantworten die Stuttgarter Schauspieler die Frage einer Schülerin zu ihren Stück.

Diskussion um Demokratie

„Frieden, Freiheit und Demokratie sind für uns Europäer seit 75 Jahren selbstverständlich. Es gibt eine relevante Zahl von Menschen gibt, die die Vorzüge der Demokratie, wie die Freiheit der Meinung, von Religion, Pressefreiheit, Schutz vor Verfolgung und freier Wahlen nicht mehr schätzen. Offensichtlich braucht es immer wieder neue Diskussionen, um die Demokratie mit Leben zu erfüllen.“ „Sehr beeindruckend und aufwühlend“, so die Reaktion eines Zuschauers.
Die Kino-Matinee am 4. Oktober im „Haveltor“-Kino findet zum Thema Deutsche Einheit statt. Für den 8. November ist die ehemalige Beauftragte der Stasi-Unterunterlagen, Marianne Birthler, eingeladen. Thema ist der europäische Weg der osteuropäischen Staaten. Und für Dezember ist eine Begegnung mit in der Region lebenden EU-Ausländern geplant.