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Mehr Rockstar als Gelehrter

Klassiker auf der Überholspur: Joseph Birke als aufgedrehter Faust in der Inszenierung von Frank Matthus
Klassiker auf der Überholspur: Joseph Birke als aufgedrehter Faust in der Inszenierung von Frank Matthus © Foto: Ingmar Hˆfgen
Mariana Lubasch / 05.08.2012, 19:05 Uhr
Neuruppin (MOZ) Sex, Drogen und Alkohol bestimmen das Leben des jungen Faust. Nicht wissend, wohin mit seinen überschäumenden Kräften, und wütend über sein umtriebiges Leben, ist er kurz davor Autos anzuzünden. Da steht plötzlich der Teufel neben ihm und flüstert ihm verführend ins Ohr: "Mach doch. Ich schütze dich. Deine Schuld bezahlst du im Jenseits." Und so beginnt ein teuflischer Pakt, das Spiel von Gut gegen Böse, das Faust schließlich ins Verderben stürzt.

Schrill, bunt, dramatisch und mitreißend feierte am Freitag die Aufführung Faust I und II beim Theatersommer in Netzeband Premiere. Das Himmelszelt und eine Wiesenbühne am Fuße der Temnitzkirche dienten als Naturkulisse für das frivole Spektakel aus Fantasterei und menschlichen Abgründen. Die von Jana Fahrbach und Mareike Porschka fantasievoll gestalteten Masken zogen den Zuschauer dabei in eine märchenhafte Welt.

Frank Matthus als künstlerischer Leiter hat, zusammen mit seinem Co-Regisseur Hermann Höcker, Goethes Faust-Stoff in Form eines Synchrontheaters in die Moderne geholt. Die Akteure spielen mimisch und gestisch, bleiben aber stumm. Denn die Stimmen kommen vom Tonband.

Dabei blieben Matthus und Höcker allerdings nah am ursprünglichen Werk. Zwar erinnert der hagere Faust - überzeugend gespielt von Joseph Birke - mit nacktem Oberkörper und dunkler Jeans eher an einen Rockstar als an einen Gelehrten, doch stammen die Texte überwiegend aus der Feder des großen Dichters. Entscheidender Unterschied zum Original: Faust ist jung - von Anfang an.

Corinna Harfouch, die für das Synchrontheater die Texte des Mephisto einsprach, war ebenfalls am Freitagabend bei der Premiere dabei. Gekonnt betont und ausdruckstark bereicherte sie das grandiose Gestik- und Mimenspiel von Judith Steinhäuser, die in der Rolle des zerstörerischen Mephisto das Publikum begeisterte. Harfouch erzählte, sie hätte mit den Darstellern mitgefiebert und wollte am liebsten selbst auf die Bühne springen.

Den Machern ist es gelungen, einen unterhaltsamen, verständlichen und modernen Faust zu inszenieren. Eine kurzweilige Deutschstunde.

Vorstellungen: 4., 10., 11., 17., 18., 24., 25. und am 31. August, jeweils um 20.30 Uhr, Karten unter www.theatersommer-netzeband.de

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