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Mozarts Oper "Die falsche Gärtnerin" im Bode-Museum

Jelena Bankovic ist die schöne Gärtnerin, die sich vor dem Grafen Belfiore (Yury Rostotsky) versteckt.
Jelena Bankovic ist die schöne Gärtnerin, die sich vor dem Grafen Belfiore (Yury Rostotsky) versteckt. © Foto: Dirk Mathesius
Claudia Duda / 25.02.2016, 20:02 Uhr
Berlin (MOZ) Die große Mission von Christoph Hagel heißt: Junge Menschen zur klassischen Musik zu führen. Der Dirigent und Regisseur übertritt damit regelmäßig Grenzen. So inszeniert er große Opern an ungewöhnlichen Orten, um sie besonders interessant zu machen. Als er 2008 Mozarts Zauberflöte in die Berliner U-Bahn verlegte, wurde das zu einem Riesenerfolg. Ein Lieblingsspielort von Christoph Hagel ist das Bode-Museum auf der Museumsinsel. Dort lässt er jetzt eine Schar junger Sänger und die Musiker der Berliner Symphoniker die Oper "Die falsche Gärtnerin" zu Gehör bringen. Am Mittwochabend wurde die Premiere vom Publikum gefeiert.

Wolfgang Amadeus Mozart war 18 Jahre alt, als er mit diesem Werk bereits große musikalische Reife bewies. "Die falsche Gärtnerin" wird oft als "junge, wilde Schwester" von "Figaros Hochzeit" bezeichnet. Er komponierte sie auf Bestellung und lieferte eine Faschingsoper, in der die Akteure nicht einmal Masken brauchen, denn ihr Leben ist Verstellung genug. Und das Bode-Museum wird zur Bühne des Lebens, auf der die Wege mal auf, mal ab führen und nie wirklich geradlinig sind.

Von diesem Ort geht ein besonderer Zauber aus. Mit einer Videoinstallation, Licht und Rufen aus dem Hintergrund erzählt Hagel die Vorgeschichte bereits in der Eingangshalle, hier wird das ganze Liebes-Drama, das in einem angeblichen Mord endet, angedeutet. Dann werden die Zuhörer zum eigentlichen Aufführungsort geführt. Ein Laufsteg, an dem das Publikum rechts und links neben den Musikern Platz nimmt, wird zum Garten durch künstlichen Rasen und mit einem Baum, dessen Äste durch gift-grüne Neon-Stäbe angedeutet sind. Die Aufführung beschränkt sich auf wenig Worte. Gesungen wird im italienischen Original, die deutschen Dialoge dienen dazu, die Handlung zumindest anzudeuten.

Erzählt wird die Geschichte dreier Liebespaare, die sich in einem Reigen aus Lust, Leidenschaft und Eifersucht ein kriminalistisches Verwirrspiel liefern. Am Ende geht natürlich alles gut aus, bis dahin erklingt die wunderbare Mozart'sche Musik, die von den Darstellern mit viel Inbrunst vorgetragen wird.

Auch bei dieser Inszenierung ist Christoph Hagel seinem Grundsatz treu geblieben, jungen, begabten Sängerinnen und Sängern eine Chance zu geben. Der Kroate Bože Juric-Pešic ist in seiner Heimat wohlbekannt. In der Rolle des Don Anchise debütiert er in Berlin. Dabei gibt er den starken Macho mit freigelegtem Brusthaar, dessen Sing-Stimme raumfüllend erklingt, der jedoch in den wenigen gesprochenen Passagen ein wenig tuntig wirkt. Glücklicherweise wird nicht viel gesprochen. Auch die Serbin Jelena Bankovic hat als falsche Gärtnerin nur wenig zu sagen, aber mit ihrer Darstellung als naives Mädchen und ihrem klaren Sopran, verzaubert sie gleich mehrere Männer. Am Ende entscheidet sie sich für Graf Belfiore, der vom russischen Tenor Yury Rostotsky mit großen Gesten und viel Stimmkraft geben wird.

Dabei stehen alle Sängerinnen und Sänger, aber auch die Orchestermusiker in diesem Raum vor besonderen Herausforderungen, denn schnell verwischen die Töne und werden zu einem Einheitsbrei. Doch diese Hürde meistern die jungen Darsteller mit Präzision, sie überzeugen ganz besonders im Chor. Dagegen mogeln sich die Synphoniker über so manchen Ton hinweg.

Apropos Töne: Christoph Hagel führt in die Inszenierung eine neue Figur ein. Der Pantomine Elias Elastisch kommentiert das chaotische Geschehen, fast ohne zu reden - und sagt dabei ganz viel. Auch das wieder eine Grenzüberschreitung.

"Die falsche Gärtnerin" bis 22. 5., Bode-Museum, Berlin-Mitte, Karten: 01806 395300

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