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Ausstellungen und Installationen über jüdisches Landwerk in Neuendorf im Sande

Am historischen Ort: Robert Abts (l.) und Arnold Bischinger an einer Foto-Installation vor dem einstigen Schloss
Am historischen Ort: Robert Abts (l.) und Arnold Bischinger an einer Foto-Installation vor dem einstigen Schloss © Foto: MOZ
Stephanie Lubasch / 06.06.2017, 19:42 Uhr
Neuendorf im Sande (MOZ) Ein Ort wie aus der Zeit gefallen. Verborgen hinter einem Wäldchen auf der einen, von Feldern umschlossen auf der anderen Seite. So vergessen wirkt sie, diese Handvoll Häuser, dass es fast verwundert, hinter den mit Gardinen verhangenen Fenstern noch Licht zu sehen. Stallungen und Scheunen jedenfalls scheinen ihrer Aufgabe seit Langem schon beraubt. Wer dort vor mehr als 80 Jahren seine Arbeit verrichtet hat, daran erinnert seit 1988 eine Tafel: Von 1931 bis 1943 war das "Landwerk Neuendorf" (heute Landkreis Oder-Spree) jüdisches Hachschara-, später Zwangsarbeits- und Sammellager.

Eine Geschichte, an die der Verein Kulturscheune Neuendorf erinnern möchte. Schon im vergangenen Jahr hatte man dort eine Ausstellung zum Thema eröffnet; wiederholt gibt es Workshops für Jugendliche, wird immer wieder zu Zeitzeugengesprächen eingeladen. In diesem Sommer nun soll das Projekt ausgeweitet werden, will man neben der Kulturscheune unter anderem auch Dorfanger und Kirche bespielen.

Während Besucher sehr aufgeschlossen seien und dem Verein auch neue Impulse für den Umgang mit dem Thema lieferten, würden viele Menschen aus dem Dorf immer noch zurückhaltend reagieren, sagt Kulturscheunen-Hausherr Arnold Bischinger. "So hat sich uns die Frage gestellt, wie wir mit dem Landwerk mehr in den öffentlichen Raum gehen können."

Die Lösung liefern nun kleine Gewächshäuser in der Ortsmitte sowie am Hauptgraben, der bis heute vorhandenen (Flur-)Grenze zwischen Dorf und Gutshof. Gedacht als Sinnbild für die landwirtschaftlich-gärtnerische Ausbildung, die die jüdischen Jugendlichen im damaligen Hachschara-Lager als Vorbereitung für eine geplante Auswanderung nach Palästina bekamen, liefern sie den Rahmen für künstlerische Installationen. Die Berliner Grafikerin Ines Ebel zum Beispiel hat dort Landkarten montiert, die die Orte zeigen, in die überlebende Juden aus Neuendorf ausgewandert sind. Der im benachbarten Buchholz lebende Roberts Abts wiederum befasst sich erneut mit der Frage, wie sich Zeit künstlerisch darstellen lässt. In seinem Gewächshaus hat er dazu Auszüge aus Zeitzeugenbriefen arrangiert und zum Teil bestickt. Später, so seine Idee, sollen im Haus Pflanzen gedeihen, die sich bestenfalls mit den herunterhängenden Garnfäden verbinden.

Behutsam beleuchtet, werden die Gewächshäuser des Nachts Inseln gleichen, so wie das Landwerk für seine Bewohner anfangs noch ein Eiland war im Meer des anwachsenden Antisemitismus. 1941 wurden die Hachschara-Stätten geschlossen; von da an fungierte Neuendorf als Zwangsarbeits- und Sammellager.

1943 ging von dort der letzte Transport in Richtung Auschwitz, jenes Vernichtungslager, in dem auch Clara Grunwald(1977-1943), die als Lehrerin in Neuendorf gearbeitet hatte, ermordet wurde. Auszüge aus ihren Briefen kann man nun als Klanginstallation in der Dorfkirche hören, wo sie Holzschnitte der Bielefelder Künstlerin Magdalene Bischinger unterlegen.

Von dort ausgehend eröffnet sich - zusammen mit der Ausstellung in der Kulturscheune, die Lebensläufe ehemaliger Landwerker nachzeichnet, und den historischen Aufnahmen, die auf dem Gutshof in Szene gesetzt sind - ein Erinnerungsspaziergang, der weit mehr bietet als bloße Information über dieses Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte. Er liefert gleichsam einen sinnlichen Eindruck von jenem Ort, der, wie Szenografin Frauke Bischinger es ausdrückt, einst "voller Dramatik" steckte - aber auch "voller Hoffnung".

"zwischen / raum", Eröffnung Freitag, 19 Uhr, Dorfkirche Steinhöfel, OT Neuendorf im Sande, dann bis 10.9., Sa 11-17Uhr, werktags nach Anmeldung, kontakt@kulturerben.com

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