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Galerie Bernau zeigt in der Ausstellung "Jagt in Öl" Bilder des Künstlers Osmar Osten

Ausstellung
Absurde Dialoge

Kuratorin Anke Paula Böttcher
Galerie Bernau
Kuratorin Anke Paula Böttcher Galerie Bernau © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 23.10.2017, 22:42 Uhr
Bernau (MOZ) Ein Hase auf einer grauen Mauer. So niedlich und unschuldig sein Blick, so frech sein Tun: Eine dicke Wurst läuft da die Mauer herunter. "Das Braune in uns!" steht in Großbuchstaben auf dem Ölbild. Selbst im harmlosesten Individuum scheint sich etwas Braunes zu verbergen.

Unter dem Titel "Jagt in Öl" sind derzeit in der Galerie Bernau Malerei und Grafiken des Chemnitzer Künstlers Osmar Osten zu sehen. Manche seiner ironischen Kommentare zu Politik und Gesellschaft geben mehr Rätsel auf als der Hase. Ein Jäger etwa, der auf ein Reh zielt, das ruft: "Du bist zu schwach!" Der Jäger hingegen antwortet: "Ich mach nur Krach." Oder sagt er etwa: "Ich mach nur Salat?"

Kindlich und teilweise absurd wirken die Motive, von denen vielen in satten Grüntönen daherkommen und um das Thema Jagd kreisen. Dabei stellen sie nicht nur inhaltlich ernste Gesellschaftskommentare dar, sondern verraten auch malerisches Können. "Ich halte ihn für einen der besten zeitgenössischen Maler", unterstreicht Kuratorin Anke Paula Böttcher, die beim Rundgang durch die Galerie mit dem Blick an einzelnen Werken hängen bleibt, als würde sie immer wieder Neues entdecken. "Man könnte ja sagen: Das kann ich auch!", sagt sie lächelnd vor einem der bunten Bilder. In der ausgeklügelten Farbgebung etwa offenbare sich jedoch das Handwerk. "Er ist wirklich Maler durch und durch."

In Ostens Bildern treten Jäger und Gejagte in oftmals skurrile Dialoge. Manchmal dreht sich der Spieß auch um - etwa wenn ein Tier, auf einem Steg sitzend, die Angel in einen Teich hält, auf dessen Grund ein Jäger herumspaziert. Diese witzige Form mit absurdem, kritischem Text sei es, die den Zuschauer im ersten Moment fessele, meint Anke Paula Böttcher. "Manchmal bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken."

Der 1959 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geborene Osten ist ausgebildeter Landschaftsgärtner und hat nach seiner Lehre in Dresden Malerei und Grafik studiert. "Er ist jemand, der sich über alles Gedanken macht. Die Kunst ist sein Sprachrohr, um nicht verrückt zu werden angesichts der ganzen Probleme und Konflikte", sagt die Kuratorin. So ließe sich auch der Ausstellungstitel "Jagt in Öl" interpretieren: Osten jagt in Öl. Statt im Wald auf die Pirsch zu gehen, setzt er sich an die Staffelei. Vielleicht kann der Titel auch als Imperativ gelesen werden: Legt die Waffen weg und nehmt den Pinsel in die Hand!

Ob Osten sich für oder gegen die Jagd ausspricht, müssten die Betrachter selbst entscheiden, sagt Anke Paula Böttcher. Fest steht, dass der Chemnitzer Künstler nicht bei dem Thema stehen bleibt. Seine Figuren bekommen menschliche Züge und stehen für mehr. "Sie wirken als gesellschaftliche Wesen", erklärt die Kuratorin. Dabei wird der Akt des Schießens in andere Kontexte übertragen. Während einige Jagdszenen in der Schorfheide spielen könnten, scheinen andere in Kriegsgebiete zu entführen, wo statt klarer, flächiger Farben plötzlich chaotisch bunte Szenen entstehen.

Laut Anke Paula Böttcher ist Osten immer ein Störenfried gewesen, aber niemand, der sich selbst auf die große Bühne stelle. Diese Zurückhaltung zeigt sich auch in seinen Werken, die trotz der Ernsthaftigkeit ein versöhnliches Schmunzeln provozieren.

Zur Finissage am 11. November ist ein skurril-poetischer Abend geplant: "Kleine Naturkunde in vier Akten". Unter anderem wird Osten aus einem Gedichtband lesen und Burkhard Stöcker, Lehrbeauftragter an der Eberswalder Hochschule und selbst Jäger, von Jagdunfällen berichten.

Bis 11.11., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr, Galerie Bernau, Bürgermeisterstr. 4, Bernau, Finissage und Lesung mit dem Künstler am 11.11., 17 Uhr

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