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Adventlicher Stimmungszauber

Peter Buske / 19.12.2017, 15:23 Uhr - Aktualisiert 19.12.2017, 15:26
Frankfurt (Oder) (MOZ) Traditionen wollen gepflegt werden. Und so kommt alle Jahre nicht nur das Christkind wieder, sondern auch Johann Sebastian Bachs unverwüstliches, aus sechs Kantaten bestehendes "Weihnachtsoratorium" BWV 248 zum Klingen. Einen beträchtlichen Teil der musikalischen Einfälle dafür hat Bach jedoch nicht erfunden, sondern aus weltlichen Werken entnommen und mit neuen geistlichen Texten versehen. "Parodiert", wie der Fachmann sagt. Dazu gehören die machtvollen Einleitungschöre und viele Arien, die unter anderem Huldigungskantaten für die Königin und den Kurprinzen von Sachsen entstammen. So wird aus "Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten" nunmehr das "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage", mit dem die erste Kantate anhebt. In ihr findet sich auch die berühmte Bassarie mit dem sakralen Text "Großer Herr, o starker König", die im säkularen Original "Kron' und Preis gekrönter Damen" heißt.

Da die drei ersten Kantaten die klangprächtigeren sind, werden sie häufiger aufgeführt als die eher von dramatischen Betrachtungen geprägten anderen drei. Doch man kann sie natürlich auch in wechselnden Kombinationen zu Gehör bringen. Beispielsweise als Mix aus der jauchzend-frohlockenden ersten mit der fünften und sechsten Kantate.

Dafür hat sich Rudolf Tiersch, Chordirektor der Frankfurter Singakademie, entschieden und verbreitet mit dieser Paarung am dritten Adventssonntag in der Frankfurter Konzerthalle den erwünschten adventlichen Stimmungszauber. Als weitere Vermittler der Weihnachtsbotschaft stehen ihm Mitglieder des Brandenburgischen Staatsorchesters sowie vier Solisten zur Verfügung.

Obwohl von den Choristen und den Instrumentalisten schon oft musiziert, meidet Tiersch mit seiner ausgewogenen, konzentrierten, auf festlich-jubilierende Stimmungen angelegten Lesart erneut jegliche Routine. Leicht und locker, sehr sauber, kraftvoll akzentuiert, im stets ausbalancierten Stimmengefüge erklingen die Chöre. Schlicht und ausdrucksvoll gesungen, verbreiten die Choräle nachdenkliche Erhabenheit. Auch hierbei durch das schnörkellose, gefühlswarme Spiel der Musiker unterstützt. Da kommt nie Langeweile auf!

Die Rezitative des Evangelisten trägt Benjamin Glaubitz mit heller tenorlyrischer Rhetorik vor, wobei ihm die extreme Höhe einige Probleme bereitet. Bassbaritonale Direktheit bestimmt den Vortrag von Tobias Hagge, der die von drei Trompeten strahlend begleitete "Großer Herr"-Arie sehr zügig, aber mit merkwürdigen Vokalverfärbungen anstimmt. Im Lyrischen dagegen fühlt er sich hörbar wohler. In der Altarie "Bereite dich, Zion" und den Rezitativen bevorzugt Bettina Denner einen eher objektivierenden Vortragsstil, auf den auch die Sopranistin Maria Perlt vertraut. Trompetenfestlich und paukenwirbelnd schlägt der bekenntnishafte Schlusschoral der sechsten Kantate den Bogen zum jauchzend frohlockenden Beginn der ersten Kantate. Der Beifall gerät entsprechend.

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