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Oper Oder-Spree
Veitstänze zum Geburtstag

Ansingen gegen den Tod: Das macht auch der Neuzeller Jedermann (Reuben Scott Walker, Mitte).
Ansingen gegen den Tod: Das macht auch der Neuzeller Jedermann (Reuben Scott Walker, Mitte). © Foto: Bernd Geller
Stephanie Lubasch / 21.07.2018, 07:00 Uhr
Neuzelle (MOZ) In diesem Moment ist es das wohl beste Geschenk zum 20. Geburtstag: Bei der Premiere der Oper Oder-Spree am Donnerstagabend bleibt es trocken. Walter Ederer, dem Marketingdirektor der Stiftung Stift Neuzelle, ist die Freude anzusehen: Bis drei Stunden vor Vorstellungsbeginn, seufzt er, habe es noch geregnet. Nun aber kann er wie geplant im ausverkauften Kreuzhof des Klosters unter freiem Himmel stattfinden, dieser „Jedermann“ nach Hugo von Hofmannsthal, für den die Neuzeller sich extra eine kammermusikalische Version haben schreiben lassen.

Peter Lund, bekannt als Musicalautor und langjähriges Leitungsmitglied der Neuköllner Oper, hat dafür wieder einmal mit Komponist Wolfgang Böhmer zusammengearbeitet, der an diesem Abend auch im Publikum sitzt. Ein „Musical vom Sterbenlernen“ soll es sein, mit dem Tod als „größte Instanz“ im Leben, wie Regisseur Rainer Holzapfel es vorab formulierte. Was nimmt man mit auf seine letzte Reise? Was aus dem Leben hat über dessen Ende hinaus Bestand?

Zehn Sängerinnen und Sängern mit Wurzeln von Island bis Australien bringen das auf eine in T-Form angelegte Bühne, die wie ein Laufsteg weit in den Zuschauerraum hineinragt. Viel Platz zum Tanzen bietet sie: Ein guter Ort zum Singen aber ist sie leider nicht. Kaum zu verstehen ist für jeweils eine Hälfte des Publikums der Tod (Sophie Catherin), schwer nachvollziehbar auch der Auftritt von Jedermanns Mutter (Heather Lupton), die ihrem Sohn (Reuben Scott Walker) ob seines Lebenswandels die Leviten liest. Das Thema richtig zu erfassen, fällt daher schwer – zumal die Figurenzeichnung auch sonst recht blass bleibt: Bis auf wenige Ausnahmen (stimmlich und spielerisch sehr überzeugend: Kristina Jean Hays und Victor Petitjean als Schuldnerpaar), haben die einzelnen Charaktere kaum Kontur. Die sparsame Ausstattung ist da keine Unterstützung.

Das eigentliche theatrale Ereignis findet aber ohnehin nicht auf der Vorderbühne statt, sondern hinterm Dirigentenpult: Valentin Egel, Student an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar und noch keine 25 Jahre alt, vereint dort Gott, Tod und Teufel mühelos in einer Person. Der gebürtige Badener, der schon einige Orchestererfahrung mitbringt, hat nicht nur die Musiker – so gut es unter diesen Freiluftbedingungen geht – fest in der Hand. Gewandet in lilafarbenem Anzug und apfelgrünem Hemd, führt er regelrechte Veitstänze auf, singt stellenweise inbrünstig mit und mischt sich sogar mal unters Ensemble.

Auch wenn der Abend nicht der erhoffte große Wurf sein mag: Am Ende applaudiert man dennoch gern und anhaltend. Es ist nicht zuletzt ein Dank an die Organisatoren und Geldgeber für ihr Engagement, seit 20 Jahren Musiktheater in die Provinz zu bringen. Chapeau!

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