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Gespräch mit dem Interimsintendanten des Cottbuser Staatstheaters, René Serge Mund, über die neue Spielzeit

René Serge Mund
„Stress bin ich gewöhnt“

Leitet transparent: René Serge Mund, Interimsintendant des Staatstheaters Cottbus
Leitet transparent: René Serge Mund, Interimsintendant des Staatstheaters Cottbus © Foto: Marlies Kross
Thomas Klatt / 08.09.2018, 11:00 Uhr
Cottbus (MOZ) Das Staatstheater Cottbus hat in den vergangenen Monaten seine Führungsmannschaft verloren: Die Verträge mit Generalmusikdirektor Evan Christ und dem Geschäftsführenden Direktor, Martin Roeder, wurden beendet. Intendant Martin Schüler ist aus freien Stücken gegangen. Neuer Chef ist nun René Serge Mund.Thomas Klatt sprach mit ihm über die Lage im Haus und die kommende Spielzeit.

Herr Serge Mund, Sie sind seit einigen Wochen Intendant eines Viersparten-Theaters. Darüber hinaus sind Sie Chef einer größeren mittelständischen Firma, des Brandenburgischen Staatstheaters. Außerdem sind Sie eines der beiden Vorstandsmitglieder der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder). Ist das nicht etwas viel für einen Menschen?

Das ist mir ja nicht neu, die Arbeit ist anstrengend, mit vielen Terminen und Entscheidungen, die zu treffen sind. Aber es macht Spaß, und ich schlafe gut.

Entspannen Sie, haben Sie ein Hobby, in dem Sie Ausgleich finden?

Nein, dafür fehlt die Zeit. Das wird auch noch längere Zeit so bleiben, aber das kenn’ ich aus vorherigen Jobs. Insgesamt kann ich mit Stress-Situationen gut umgehen.

Sie haben als Interimslösung die Intendanz übernommen. Wer ins Haus hineinhört, spürt, dass sich die Stimmung bereits verbessert hat, besonders im Orchester und bei den Sängern. Was haben Sie anders gemacht als Ihre Vorgänger?

Ich kann nur sagen, was ich gemacht habe. Ich versuchte zu verstehen, wo die Probleme tatsächlich waren. Und ich spreche sie offen und direkt an. Und ich versuche, Transparenz herzustellen. Das ist etwas, was meine Kolleginnen und Kollegen im Haus erwarteten. Und ich hatte einen gewissen Standortvorteil, da ich das Haus kannte. Auch wenn sich vieles verändert hat, kenne ich die Mentalität dieses Hauses. Und ich kenne auch viele Kollegen und Kolleginnen, da musste ich nicht bei Null anfangen.

Es ist eine Stelle ausgeschrieben eines Intendanten oder einer Intendantin, die auch zugleich die Operndirektion verantworten soll – eine Intention des Stiftungsrates und des Ministeriums. Könnten Sie sich auch eine andere Konstellation vorstellen?

Wir haben ganz offen im Haus darüber gesprochen. In allen Sparten des Theaters und in allen Bereichen gab es Versammlungen; mit den Personalräten und künstlerischen Vorständen des Hauses ist darüber gesprochen worden, welche Varianten es gäbe, ein Theater zu leiten. Die erste Variante: Ein Intendant und Geschäftsführender Direktor, in der Form, die ich jetzt ausfülle. Die zweite Variante wäre ein künstlerischer Intendant, wo dann die Verwaltung in anderen Händen läge. Die dritte Möglichkeit wäre, dass ein Spartenchef zugleich künstlerischer Leiter ist. In fast allen Gesprächen kamen wir zwangsläufig zu dem Ergebnis, einen Intendanten zu haben, der zugleich Musikdirektor ist. Die Ergebnisse dieser Gespräche habe ich dem Stiftungsrat mitgeteilt, der den Vorschlag übernommen hat. Zugleich suchen wir auch einen neuen Generalmusikdirektor.

An diesem Wochenende starten die Philharmonischen Konzerte. Nahezu jedes Konzert wird von einem anderen Gastdirigenten geleitet. Könnte es sein, dass sich aus den Dirigenten am Ende der Saison der neue Generalmusikdirektor abzeichnet?

Das ist unsere Absicht, dass wir aus den Kandidaten einen neuen GMD finden. Wenn wir nicht die geeignete Person finden, dann kann die Suche auch bis zur nächsten Spielzeit dauern. Je eher, desto besser. Aber wir wollen nicht den ersten Besten nehmen. Wir setzen uns da auch nicht unter Druck.

Werden in diesem Prozess die Orchestermusiker sowie die Sängerinnen und Sänger gehört?

Die Bewerbungen, die ich bekomme, lege ich dem Orchestervorstand und Vertretern der Sparte des Musiktheaters vor. Wir sprechen darüber. Dabei ist wichtig, dass der künftige GMD nicht nur die Belange des Orchesters erfüllt, sondern auch in der Lage ist, mit den Musikern, Sängern und dem Opernchor produktiv zu arbeiten.

Im nächsten Jahr ist mit Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst zu rechnen, wo das Staatstheater nachziehen wird. Auch in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen sind möglicherweise Abfindungen zu zahlen. Reicht das Geld?

Wir haben Rücklagen gebildet für Tarifsteigerungen. Die Problematik der Kosten, die möglicherweise  bei einer rechtlichen Auseinandersetzung entstehen, muss mit dem Stiftungsrat erörtert werden. Da gibt es noch keine endgültige Lösung.

Vor wenigen Tagen haben Sie eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Brandenburgischen Kulturstiftung, unter dessen Dach das Theater arbeitet, und der Branitzer Pückler Stiftung unterschrieben. Ist in der Zukunft eine Fusion geplant?

Nein, darum geht es nicht. Sondern wir wollen sehen, dass diese drei Institutionen, das Theater, das Landesmuseum und das Pückler-Schloss mit seinem Park, etwas Gemeinsames machen können, was das Publikum in Cottbus, aber auch darüber hinaus stärker anziehen kann.

Der künstlerische Leiter des Frankfurter Kleist Forums hat sich kürzlich besorgt gezeigt wegen der Entwicklung im Staatstheater. Können Sie seine Sorgen zerstreuen, auch was die Gastspiele in Frankfurt angeht?

Ich verstehe seine Sorgen nicht. Mit der Theaterkooperation und den Gastspielen im Verbund werden keine Abstriche gemacht. Die Gastspiele werden auf dem Niveau durchgeführt, wie es die Frankfurter gewohnt sind. Und wenn man sich Sorgen macht, kann man auch mal anrufen.

Das Staatstheater ist seit wenigen Tagen ein Vierspartenhaus. Das Ballett ist als eigene Sparte dazugekommen. Welcher Bereich ist denn Ihr liebster? Musik, Ballett, Tanz, Schauspiel?

Alle Sparten sind für mich gleichrangig. Sie sind zwar unterschiedlich zu behandeln, wegen unterschiedlicher Arbeits- und Denkweisen, aber dennoch gleichrangig.

Zur Person

René Serge Mund (70) wurde auf Malta geboren. Er absolvierte zunächst eine Banklehre. Nach dem Studium der Volks- und Betriebswirtschaften sowie der Theaterwissenschaften in Berlin, Kiel und Oxford promovierte er über Währungstheorien. Seit 1985 ist er an Theatern in wechselnden Funktionen engagiert, so am Berliner Ensemble und  am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Geschäftsführender Direktor in Cottbus war er bereits von 1992 bis 1996 sowie von 2005 bis 2012.

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