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Schau
Pete Doherty stellt Bilder in Berlin aus

Boris Kruse / 27.09.2018, 09:00 Uhr
Berlin (MOZ) Kommt er oder kommt er nicht? Als Anfang September in Berlin-Mitte eine Ausstellung mit Bildern des Rocksängers Pete Doherty eröffnet wurde, war dies eine heiß diskutierte Frage. Zumindest unter den Fans und Fotografen, die sich durchaus zahlreich vor der Galerie in der Torstraße eingefunden hatten.

Er kam natürlich nicht. Sein Besuch war auch gar nicht angekündigt gewesen. Aber eine Extraportion Aufmerksamkeit gibt es eben doch, wenn diese skandalumwitterte Licht- und Schattengestalt des Musikgeschäfts etwas von dem weniger bekannten Teil ihrer Arbeit preisgibt, von der bildenden Kunst.

„Du, Venus und ich“ heißt die Schau, mit der die janinebeangallery einen Clou gelandet hat und in der neben Mischtechnik-Bildern und Installationen von Doherty noch Werke von drei weiteren Künstlern gezeigt werden. Da sind zunächst großformatige Ölbilder von Anna Borowy, Jahrgang 1985.  Es sind Frauenporträts in leuchtenden Farben, die durch die Posen und Bildhintergründe einen symbolhaften Charakter bekommen. Weiterhin beinhaltet die Schau zwei Mischtechniken von Jonathan Meese, geboren 1970. Einen Kontrast dazu schaffen die feingliedrigen Keramiken der nordrhein-westfälischen Künstlerin Beate Höing (1966), die subtil mit Darstellungsformen der Kitschkunst spielen.

Ursprünglich sei eine Einzelausstellung mit Dohertys Werken geplant gewesen, sagt die Galeristin Janie Bean, die eigentlich Biermann heißt. Doch dann sei die Idee entstanden, verschiedene künstlerische Positionen zu zeigen, die sich aufeinander beziehen lassen. Das Ergebnis sei „keine Gemeinschaftsausstellung, sondern eine Gegenüberstellung“, betont Janine Bean.

So viel zum Rahmen. Es mag unfair sein, aber das Interesse konzentriert sich natürlich vor allem auf die Bilder Dohertys. Als Frontmann der Libertines und der später gegründeten Babyshambles war der 1979 geborene Doherty fraglos eine der prägenden Gestalten der Rockmusik in den zurückliegenden 15 Jahren. Seit dem Debüt „Up The Bracket“ von 2002 waren die Libertines immer wieder für Skandale gut. Ungezählt sind die Exzesse, mit denen Doherty es in die Klatschpresse schaffte, unter anderem als damaliger Partner des kaum weniger skandalumwitterten Models Kate Moss und für einen drogenumnebelten Einbruch in die Wohnung von Bandkumpel Carl Barât.

Die Musik trat dabei oft in den Hintergrund; bis heute rätselt die Welt, ob Doherty eher ein Versprechen kommender Großtaten, ein verschwendetes Talent oder schlicht ein Blender ist. Unzählige Konzerte der Libertines mussten über die Jahre wegen seiner Drogensucht abgesagt werden, gerade einmal drei Alben hat die Band veröffentlicht.

Seine bildende Kunst ist aber keineswegs eine Eintagsfliege. Schon Ende der 90er-Jahre, als Doherty und Barât in einer WG lebten, flossen seine Ideen in Musik, Texte und Bilder gleichermaßen. 2007 hatte er eine erste Einzelausstellung in London. „Du, Venus und ich“ ist seine erste Ausstellung in Deutschland.

Zum Teil lassen seine Bilder entfernt an den früh gestorbenen New Yorker Zeichner und Maler Jean-Michel Basquiat (1960–1988) denken. Mit Kugelschreiber und Bleistift hat Doherty oft Sprüche über schemenhaft auf Leinwand gemalte Gestalten verteilt. Dohertys Berliner Galeristin aber weist in eine andere Richtung: „Er ist mehr inspiriert von der Literatur.“ Parallel zu neuen Songs, erklärt Janine Bean, entstehen immer auch künstlerische Arbeiten. Oft bieten sich autobiografische Deutungen an. „Those Forces“ (Jene Kräfte) heißt ein Mischtechnik-Bild, auf dem der Schattenriss eines Löffels zu sehen ist – Teil des üblichen Fixer-Bestecks von Heroinsüchtigen.

In seinen Installationen und Bildern platziert Doherty immer wieder den Union Jack, die Flagge des Vereinigten Königreiches – vergleichbar mit den Liedtexten der Libertines, in denen nationale Symbole Großbritanniens ebenfalls stark präsent sind. Im hinteren Raum der Galerie hat Doherty aus Flaggen, einer Basstrommel, einer alten Schreibmaschine und anderen Gegenständen Arrangements geschaffen, die in einer Mischung aus Konzentriertheit und Zufallsfund das künstlerische Schaffen Dohertys protokollieren.

Vielleicht lassen sich diese Werke als eine verschrobene Mischung aus autobiografischer Kunst im Stil Tracey Emins und einer Fetischisierung des Rockstarkultes beschreiben. Rund 6000 Euro kostet ein Doherty im Durchschnitt, viele Werke sind schon verkauft.

„Du, Venus und ich“, bis 13.10, Di–Sa 12–18 Uhr, janinebeangallery, Torstr. 154, Berlin-Mitte, www.janinebeangallery.com

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