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Die Eröffnung der 15. Transvocale in Frankfurt (Oder) und Słubice gibt einen Vorgeschmack aufs Festivalprogramm

Transvocale
Rock, Reggae und Riesenandrang

Gibt auf der Bühne alles: Sängerin Daria Zawiałow bei der Eröffnung der 15. Transvocale
Gibt auf der Bühne alles: Sängerin Daria Zawiałow bei der Eröffnung der 15. Transvocale © Foto: Winfried Mausolf
Stephanie Lubasch / 24.11.2018, 09:00 Uhr - Aktualisiert 24.11.2018, 12:37
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die E-Gitarren schrammeln, das Schlagzeug wummert, der Bass brummt, das Keyboard jault: Was für ein Intro! Noch bevor Sängerin Daria Zawiałow an diesem Donnerstagabend die Bühne des Frankfurter Kleist Forums für das Eröffnungskonzert der diesjährigen Transvocale entert, zeigen ihre fünf Musiker schon mal, wo die Reise in der kommenden Stunde hingehen soll: Laut wird es, energetisch, rockig.

Zum 15. Mal kann man an diesem Wochenende auf beiden Seiten der Oder „Lied und Weltmusik“ hören, und schon zum Auftakt gibt es einen guten Vorgeschmack auf die große Vielfalt des Programms. Kein Wunder also, dass sich Frankfurts neuer Oberbürgermeister René Wilke (Linke), der das Festival mit seinem am selben Tag in sein Amt eingeführten Słubicer Kollegen Mariusz Olejniczak eröffnet, gern als Fan outet: Der Termin, verriet er vorab, stehe seit Langem schon in seinem Kalender.

Zum 15. Mal ist zum Festival Transvocale an die Oder eingeladen – in Frankfurt und Słubice. Es gibt zwar keine Preise zu gewinnen, dafür wunderbare Lebensmomente durch Weltmusik.
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Festival Transvocale lädt ein

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Wie wunderbar sich der Anspruch, das Festival in Frankfurt und Słubice gleichermaßen zu etablieren, mittlerweile eingelöst hat, davon kann man sich an diesem Abend überzeugen. Der Anteil polnischer Zuschauer im Publikum ist derart groß, dass der Auftritt für Daria Zawiałow nahezu ein Heimspiel wird. Schmal, blond, ganz in Schwarz gekleidet, hüpft sie wie ein Flummi im Kreis ihrer eher stoisch vor sich musizierenden Kollegen über die Bühne und beeindruckt mit einer Stimme, die einem Sound eben jenesi-Tüpfelchen aufsetzen kann, das ihn besonders macht. Das Publikum, das sie zum Schluss dann doch noch von den Sitzen reißt, applaudiert begeistert.

Einmal stehend, kann es im Foyer gleich weitertanzen, wo Mellow Mark seinen entspannten Reggae durch die Gänge wabern lässt. Zum eher konzentrierten Zuhören lädt zur selben Zeit dagegen Veras Kabinett im Studio ein. „Poetry Pop“, so nennt die Berlinerin ihre Musik, andere umschreiben sie als „Independent Kunstliedgut“. Fakt ist, dass Vera Mohrs an diesem Abend wohl am meisten für das steht, was einst die Chansontage der DDR ausmachte, die von 1973 bis 1992 in Frankfurt stattfanden und an die die Transvocale seit 2004 anknüpft.

Leicht, luftig, verspielt und mitunter überraschend instrumentiert sind ihre Lieder, versehen mit einem schrägen Charme, der nie verdeckt, dass es in den Songs der Jazzpianistin immer eine zweite Ebene gibt. Heiter-beschwingt singt sie so über das Drama der Küken in Legebatterien, über Eckkneipen, die 24 Stunden lang geöffnet haben, und Bordelle, in denen Männer auf einen warmen Körper hoffen.

Eine kunstvolle, intelligente Art von Singer-Songwriter-Pop ist das, was Mohrs und ihr musikalischer Begleiter Dominik Lamby, der neben dem Bass auch noch allerhand rätselhafte Effekte beisteuert, da abliefern. Ein Programm, dem man mehr Besucher und im Trubel dieses Eröffnungsabends ein wenig mehr Ruhe gewünscht hätte.

Dessen Finale bestreiten zu vorgerückter Stunde im großen Saal Gäste aus Sachsen: Die Schauspielbrigade Leipzig verspricht dort einen eigenen, frischen Blick auf Gerhard Gundermann, jenen Lausitzer Songpoeten, der vor mehr als 30 Jahren selbst den Hauptpreis der Chansontage gewann. Frank Raschke, Dozent im Fach Chanson und Liedgestaltung für Schauspieler an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, hatte Lieder des „singenden Baggerfahrers“ vor ein paar Jahren für seine Studenten ausgegraben – was als Unterricht begann, ist nun zu einem öffentlichen Projekt geworden.

„Alle oder keiner“, „Gras“, „Weisstunoch“, „Brigitta“, „Das war mein zweitbester Sommer“: Dass der Wiedererkennungswert groß ist, liegt beim Auftritt der Gruppe in Frankfurt dann aber doch eher an den Titeln. Die Brüchigkeit, der Schmerz, die Rotzigkeit, der Witz, die Sehnsucht – all das, was Gundermanns Lieder ausgemacht hat, wird hier leider allzu oft zugedeckt von einem umfangreichen Instrumentarium mit Schlagzeug, Streichern, Klavier und Keyboard. Wirklich anrührend, wahrhaftig, wird es nur in den wenigen Momenten, wenn ein Solist oder eine Solistin allein, begleitet höchstens von Klavier oder Akkordeon, am Mikrofon steht. Der Applaus ist dennoch überschwänglich. Verdient haben ihn die jungen Schauspielschüler wohl vor allem mit ihrem spürbaren Enthusiasmus.

Transvocale, noch bis Sonntag, www.transvocale.eu

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Riesenandrang Frank Raschke Ausgraben Vera Mohrs Applaudieren

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