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Theater des Lachens
Vom Werden und Vergehen

Erinnerung an Auberginchen: Jeda, der Schneemann (Arkadiusz Porada) hat Sehnsucht nach seiner schon geschmolzenen Freundin.
Erinnerung an Auberginchen: Jeda, der Schneemann (Arkadiusz Porada) hat Sehnsucht nach seiner schon geschmolzenen Freundin. © Foto: Michael Benk
Stephanie Lubasch / 04.12.2018, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was für ein riesiger weißer Kissenberg! Dabei soll es hier gar nicht ums Schlafen gehen. Mitten in den Daunen ist Jeda, der Schneemann zu Hause, und die Kissen, ganz klar, das sind die Schneeberge. Genau besehen, sind es dann auch gar nicht mehr so viele: In der Mitte zum Beispiel hat sich schon der grüne Rasen hindurchgeschoben. Der Sommer kommt, und alle anderen Schneemänner sind geschmolzen und als kleine Tröpfchen in den Himmel aufgestiegen. Nur Jeda klammert sich noch ans kalte Sein: Unbedingt nämlich will er einmal den Sommer erleben.

Schon seit seiner Uraufführung  1986 in Zürich begeistert das von Mark Wetter und Paul Steinmann erdachte Theaterstück „Jeda, der Schneemann“ sein Publikum. Und Frankfurt (Oder), wo es das Theater des Lachens am Montagmorgen in Koproduktion mit dem Kleist Forum zur Premiere brachte, macht da keine Ausnahme.

Von der ersten Minute  an wird in der ausverkauften Studiobühne des Kleist Forums gelacht, gekichert und leidenschaftlich in Richtung Schneemann gerufen. Der Spaß hat schon mit dem Kostüm (Ausstattung: Anke Lenz) begonnen, das Arkadiusz Porada als Jeda trägt und dessen Möglichkeiten er mit allerlei Slapstick-Einlagen genüsslich ausschöpft. Unter einem langen weißen Bademantel versteckt er seinen Kugelbauch, den Kopf schützt eine weiße Badekappe.

Mitten in Jedas Gesicht prangt zudem eine orangefarbene Knubbelnase; Mohrrüben und Paprika von seinen schon geschmolzenen Kollegen – die ihn wegen seines Vorhabens übrigens alle für komplett verrückt erklärt haben – bewahrt er hingegen in einem riesigen Kühlschrank auf. Gleich neben dem tiefblauen Eistee, mit dem er sich „cool“ hält.

Stoppen kann Jeda den Verfallsprozess damit zwar nicht – aber hinauszögern. Und so geht er munter angeln, schwelgt in Erinnerungen an seine Freundin Auberginchen und träumt von einem geheimnisvollen Ei …

Dass es hier am Ende um nichts anderes geht, als das stete Werden und Vergehen, dem wir alle unterworfen sind, unsere Sehnsucht nach einem kleinen bisschen Ewigkeit, wird in der Inszenierung von Torsten Gesser für Kinder ab vier Jahren wohl eher dem großen Publikum bewusst. Dem kleinen bleibt die Freude an diesem Jeda, den Porada als charmanten Clown spielt, dem die Welt immer wieder aufs Neue ein Staunen abringt.

Vorstellungen: 4.–7.12., 9 Uhr, 4./5.12. auch 10.30 Uhr, alle Vorstellungen sind ausverkauft, evt. Restkarten an der Tageskasse, Kleist Forum, Frankfurt (Oder), Kartentel. 0335 4010120

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