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Preisgekrönter Roman
Buchpreisträger Menasse in der Kritik

Robert Menasse sieht sich Vorwürfen ausgesetzt.
Robert Menasse sieht sich Vorwürfen ausgesetzt. © Foto: dpa/Arne Dedert
Von Peter Zschunke, dpa / 04.01.2019, 15:23 Uhr
Mainz (dpa) Die Einladungen für die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz am 18. Januar sind schon lange gedruckt - nun aber sind Zweifel an der Würdigung des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse aufgekommen.

Nach Vorwürfen zum Umgang mit Zitaten und historischen Daten überprüft die Landesregierung von Rheinland-Pfalz die geplante Ehrung am 18. Januar.

Es seien Gespräche mit allen Beteiligten im Gange, sagte am Freitag eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz. „Aufgrund der Debatte um umstrittene Äußerungen des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse suchen wir das Gespräch mit dem Autor und den Mitgliedern der Fachkommission, die ihn als Preisträger vorgeschlagen hatte, um den Sachverhalt zu prüfen.“

Bei den Vorwürfen geht es Medienberichten zufolge um die von Menasse vorgebrachte Behauptung, dass der erste Kommissionspräsident des EU-Vorläufers Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten haben soll, was aber nicht der Fall gewesen sein soll.

In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“ (Samstag) schreibt Menasse, diese Information zur Hallstein-Rede habe er bei seinen Recherchen für den Roman „Die Hauptstadt“ bekommen und ohne weitere Prüfung verwendet, „denn für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten. Falls dieses Detail als historisches Faktum missverstanden wurde, tut mir das leid.“ Er könne nicht ausschließen, dass er in Podiumsgesprächen nach Lesungen selbst zu einem solchen Missverständnis beigetragen habe. Der 64-jährige Wiener Autor hatte den Roman, in dem es um das Ansehen der EU geht, 2017 veröffentlicht. Das Werk wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Bereits Ende 2017 warf ein Historiker Menasse vor, Hallstein zu einer tatsächlich gehaltenen Rede falsch zitiert zu haben. Damals reagierte Menasse nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit dem Argument, dass ein Dichter andere Freiheiten im Umgang mit Quellen und Zitaten habe als ein Wissenschaftler oder ein Journalist.

Menasse räumte nun in dem Gastbeitrag für „Die Welt“ Fehler ein: „Die Anführungszeichen waren, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, ein Fehler. Dafür entschuldige ich mich, das tut mir leid.“ Er habe selbst verschiedentlich darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe. Die Kritik an seinem Umgang mit Zitaten bezeichnete Menasse als „künstliche Aufregung“.

Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf sprach von „einer Art Geschichtsfälschung, die nicht hingenommen und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille gewürdigt werden darf“. Menasse habe nachweislich „in Reden und Aufsätzen erdichtete Sätze als Fakten ausgegeben“. Der AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz forderte über Twitter, „Zitatfälscher Robert Menasse“ dürfe den Preis nicht erhalten, und fügte hinzu: „Wer zu Gunsten einer politischen Botschaft Zitate und Ereignisse fälscht, ist lediglich plumper politischer Stimmungsmacher!“

Die Carl-Zuckmayer-Medaille wurde 1978 zum Andenken an den Schriftsteller gestiftet, der 1896 in Nackenheim bei Mainz geboren wurde. Sie wird am Todestag Zuckmayers verliehen. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Drama „Der Hauptmann von Köpenick“ - in dem Stück geht es um einen entlassenen Sträfling, der eine Offiziersuniform erwirbt, sich als Hauptmann ausgibt, den Bürgermeister von Köpenick verhaftet und das Geld aus der Stadtkasse stiehlt. Später stellt er sich der Polizei.

Mit der Auszeichnung sollen besondere Verdienste um die deutsche Sprache gewürdigt werden. Sie wird jährlich von der Ministerpräsidentin verliehen. Ausgewählt wird der oder die Preisträgerin von einer Kommission unter Vorsitz von Kulturminister Konrad Wolf (SPD). Unter den 14 weiteren Mitgliedern der Kommission ist auch die Vorjahrespreisträgerin Yoko Tawada.

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