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MOZ-Kunstpreis
„Das Wichtigste ist das Auge“

Inga Dreyer / 20.02.2019, 11:14 Uhr - Aktualisiert 20.02.2019, 11:28
Berlin (Freie Mitarbeiterin) Zwei Menschen im Wasser, den Kopf in den Nacken gelegt. Sie sind nackt, entspannt, ihre Augen geschlossen – als würden sie gemeinsam ihren Träumen nachhängen. Die Vertrautheit, die aus diesem Foto spricht, ist echt: Es zeigt die Partnerin und den Sohn des Fotografen Fred Hüning. Über viele Jahre hat er glückliche, erotische und schmerzvollen Momente seiner Beziehung und seines Familienlebens festgehalten.

Viel Zeit verbringt der 1966 in Schleswig-Holstein geborene, in Berlin lebende Fotograf in seinem Atelier in Kleinmenow bei Fürstenberg (Oberhavel). Stadtansichten findet man bei ihm nicht. „Ich brauche die Natur. Ich sehe in Berlin keine Bilder“, erklärt er. Hüning fotografiert im Privaten – oder im Brandenburgischen. „Je älter ich werde, desto mehr kommt der Junge vom Land durch“, sagt er lächelnd.

Die intimen Familienbilder sind der Teil seines Werkes, der bisher auch international am meisten Aufmerksamkeit erfahren hat. Geplant war die Serie nicht, sondern entwickelte sich aus der aufflammenden Liebe zu einer Frau, die gerade eine Fehlgeburt hinter sich hatte. In seiner Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule für Fotografie thematisierte er die Geschichte des Totgeborenen und den Wunsch der Mutter nach einem zweiten Kind. Damit gewann er 2007 den Lotto-Brandenburg-Kunstpreis für Fotografie und wurde zu der Fotoausstellung „Home Truths: Photography and Motherhood“ eingeladen, die in London, Chicago und Belfast gezeigt wurde.

Hüning erzählt, er habe sich erst spät getraut, sich mit dem Medium zu beschäftigen, das ihn schon lange faszinierte: „Mit 33 habe ich mein erstes Foto geschossen.“

Bis heute fotografiere er vor allem analog. Nicht aus Dogmatismus, sondern weil ihm die Ergebnisse besser gefielen. Technik sei nicht so sein Ding. „Das Wichtigste ist das Auge.“ Jahrelang arbeitete er autodidaktisch, bewarb sich an der renommierten Berliner Fotografie-Schule – und wurde angenommen. „Ich kam mit meinen Fotos aus dem Nichts“, sagt Hüning. Und doch sah die bekannte Fotografin Ute Mahler, bei der er dann studierte, etwas in seinen Bildern. Er übersprang eine Klasse und durfte an einem Reportage-Projekt in Polen teilnehmen.

Nach seinem Abschluss beschäftigte er sich weiter mit der Familien-Saga. Drei Fotobände erschienen – über die Fehlgeburt, den Beginn einer Liebe und die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem zweiten Kind. Inzwischen wurden diese Erzählungen im Band „one circle“ (2013) zusammengefasst. Die Fortsetzung findet sich im Werk „two mothers“ (2017), in dem Hüning den Familienalltag seiner Partnerin dem Leben seiner alleinstehenden Mutter gegenüberstellt.

Entstehen können solche Bilder nur, wenn Modelle solche intimen Einblicke in ihr Leben ermöglichen. Seine Partnerin Karoline Bofinger stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie ist die Tochter des Grafikers Manfred Bofinger und arbeitet selbst als Fotografin, Grafikerin und Comicredakteurin. „Sie fand es von Anfang an gut, dass ich ihre Geschichte erzähle“, sagt Hüning. Auch sein Sohn präsentiert sich natürlich und professionell vor der Linse seines Vaters. Er posiert mit ernstem Blick – obwohl er sich vorher rote Gummipfeile ins Gesicht geklebt oder sein Toastbrot zu einer Pistolenform zurechtgeknabbert hat. „Viele der Bildideen stammen von ihm“, erzählt Hüning. Den Prozess begreife er als Zusammenarbeit zwischen sich selbst und den Modellen.

Neben zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigen den Künstler auch historische und politische Themen. In seiner Serie „Ravensberg/Fürstenbrück“ stellt er der touristischen Seite des Ortes Fürstenberg/Havel Szenen aus dem nahegelegenen, ehemaligen NS-Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück gegenüber. Bilder der Serie wurden kürzlich im Packhof des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst in Frankfurt (Oder) gezeigt und sind noch bis Donnerstag in der Nachlese des Brandenburgischen Kunstpreises in der Rathaus Galerie Hoppegarten zu sehen. Dort präsentiert Hüning unter dem Titel „Horse With No Man“ ab April in einer Einzelausstellung Fotografien von Pferden.

Mit einer Pferde-Serie möchte er sich dieses Jahr auch für den Brandenburgischen Kunstpreis bewerben. Zuerst hätten ihn die Tiere als Modelle interessiert – ihre Eleganz, ihre Schönheit, ihre Augen. „Doch je tiefer ich in die Materie einsteige, desto interessanter finde ich Pferde.“

Ob er seine Familiengeschichte weitererzählt, hänge vor allem von seinem Sohn ab. Sinnvoll sei das erst beim nächsten großen Schritt: der Pubertät. Ob der Heranwachsende dann immer noch gerne für den Vater posiert, wird eine Überraschung.

Ausstellung „Horse With No Man“, 30.4.–4.7., Rathaus Galerie, Lindenallee 14, Hoppegarten, fredhuening.de

Ausschreibung

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden zur Beteiligung am Brandenburgischen Kunstpreis 2019 ein. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke. Prämiert werden Werke der Malerei, Grafik, (Klein-)Plastik sowie Fotografie. Den 2019 zum zweiten Mal vergebenen Preis für Fotografie stiftet die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten. Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das aus mehreren Teilen bestehen kann und in den vergangenen zwölf Monaten entstanden ist.

Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die die Arbeit in einer Qualität zeigt, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet ist (Auflösung mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei vorzugsweise als E-Mail oder CD). Eine unabhängige Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der dotierten Preise und eine damit verbundene Ausstellung inNeuhardenberg.

Die Künstlerinnen und Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Die Werke sollten die Maße von 200 mal 130 Zentimetern nicht überschreiten. Skulpturen müssen physisch von einer Person bewegt werden können. Im Bereich Fotografie sind maximal drei gerahmte Arbeiten, Maße maximal 100 mal 100 Zentimeter, einzureichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Deshalb gehören zu den Bewerbungsunterlagen eine Vita in digitalisierter Form und ein Porträtfoto (Auflösung mindestens 300 dpi) sowie Angaben zu dem eingereichten Werk inklusive Versicherungssumme. Die Preisverleihung mit anschließender Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, dem 23. Juni, 12 Uhr, auf Schloss Neuhardenberg statt.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung ist am 1. März 2019, per E-Mail unter kunstpreis@moz.de oder per Post, Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt (Oder); Infos unter 0335 5530511

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