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Bildhauerplenair
In Stein gehauene Begegnung

Doris Steinkraus / 26.07.2019, 07:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) Die Boxer begegnen sich in einer typischen Clinch-Position. Regelwidrig wird der Gegner umklammert.

Bei mehrfacher Wiederholung bricht der Ringrichter den Kampf ab. Jan-Peter Manz hat einen Clinch in Sandstein gehauen. "Es ist Bewegung in zwei Richtungen, Anziehung und Abstoßung", sagt der 44-jährige Bildhauer aus Heilbronn. Manz ist einer von sieben Teilnehmern des dritten deutsch-polnischen Plenairs für figürliche Plastik, zu dem die Gustav-Seitz-Stiftung nach Trebnitz (Märkisch-Oderland) eingeladen hat.  40 Bewerbungen hatte es gegeben. Es sei eine tolle Atmosphäre, die befreites Arbeiten ermöglicht, sagt Manz.  Seine Befürchtungen, dass man in harter Konkurrenz arbeiten werde, seien völlig unnötig gewesen.

Inspiration durch den Meister

Sahra Hillebrecht (47) aus Bremen wusste schon bei ihrer Bewerbung, was sie erwartet. 2014 konnte sie bereits teilnehmen. Ihr "Sternengucker" ziert noch immer das Foyer des Schlosses. Dieses Mal hat sie die Figur "Die Lauschende" von Gustav Seitz als Inspiration für ihre Arbeit gewählt. Das Motto des Plenairs – "Begegnung" – sieht sie als Gelegenheit, dem Werk von Gustav Seitz (1906–1969) zu begegnen, sich ausführlich damit auseinanderzusetzen. Mit Kettensäge, Klüpfel und Schnitzeisen formt sie aus dem Stamm eine Figur. Die Künstlerin versetzt ihre Lauschende in die heutige Zeit – mit Kopfhörern.

Nebenan arbeitet Martyna Pajak. Die 27-Jährige kommt von der Kunstakademie Posen, ist begeistert vom Plenairort. Sie fertigt aus einem Eichenstamm in der Tradition antiker Stelen eine weibliche Form. Dass der Stamm von einer im Park umgestürzten Eiche kommt, empfindet sie als großes Geschenk. Ihre Figur ist von hinten geöffnet, ausgebrannt. Das lässt Raum für die unterschiedlichsten  Interpretationen.

Inia Steinbach (29) arbeitet mit einem ganz anderem Material. Die Berlinerin biegt zwei Meter langen Rundstahl zu einer Art metallenes Strichmännchen. Sechs Schriftzeichen entstehen. Aneinandergereiht ergeben sie das Wort Heureka (Ich habe es gefunden). In die Figuren schweißt sie Details wie angedeutete Arme und Gesichter. Die Kunststudentin genießt den Austausch und die Vielfalt des Wirkens der Teilnehmer.

Ulf Püschel (57) aus Schöneiche geht es nicht anders. Im vergangenen Jahr sei er in Trebnitz gewesen, um das Gustav-Seitz-Museum zu besuchen. "Ein echter Schatz nicht nur für das Dorf", sagt er. Um so mehr habe er sich gefreut, dass seine Bewerbung für das Pleinair Erfolg hatte. Er arbeitet  in allen klassischen Materialien, sowohl Holz als auch Metall, Stein und Bronze, erklärt er. In Trebnitz fertigt er aus Holzstücken zwei Figuren, die er gegenüber stellt, die sich begegnen. Beide erhalten eine Bleimaske. So bleibt es dem Betrachter überlassen, sich das Gesicht und dessen Ausdrucksform hinter der Maske vorzustellen.

"Rebecca" als Schreitende

Izabela Jadach (50) aus Stettin hat in der Bronzefigur "Schreitende" von Seitz ihre Herausforderung gefunden. Stück für Stück formt sie am Eisengestell aus Ton ihre "Rebecca". Ist sie fertig "gebaut", gießt sie sie in Gips. Sie findet es spannend, wie Seitz seinen starren Bronzefiguren immer das Besondere und Bewegung gegeben hat. Ob ihr das mit ihrer "Rebecca" auch gelingt, wird sich erst zeigen, wenn der Gips gegossen und fest ist und sie den Tonmantel sorgsam abschlägt.

Mariusz Kosibas (38) "Eva" hingegen wird so bleiben, wie der promovierte Dozent der Breslauer Kunstakademie sie geformt hat. Der Ton wird trocknen, reißen und damit der Figur ihr ganz unverwechselbares Aussehen geben. Kosiba will das ursprüngliche Material wirken lassen. Er schwärmt von den Künstlerkollegen und dem besonderen Flair des Pleinairs, das für das eigene Schaffen viel Inspiration gebe.

Info: Präsentation der Arbeiten und Verleihung des Gustav-Seitz-Preises am Sonntag, 15 Uhr, im Schloss Trebnitz

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