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Agrarpolitik
Blühstreifen sind ein Anfang

Kirsten Tackmann (l.) und Anke Schwarzenberg besuchen auf ihrer agrapolitischer Tour Peter Kaim auf seinem Havellandhof Ribbeck.
Kirsten Tackmann (l.) und Anke Schwarzenberg besuchen auf ihrer agrapolitischer Tour Peter Kaim auf seinem Havellandhof Ribbeck. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 14.08.2019, 15:12 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 16:06
Ribbeck (Silvia Passow) Landwirte, sie versorgen uns mit Nahrung, ohne ihre tägliche Arbeit blieben die Regale im Supermarkt und unsere Teller leer. Kaum ein Beruf dessen wortwörtliche Früchte so lebenswichtig sind. Gleichzeitig steht die Landwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut da. Überdüngte oder ausgelaugt Böden, verspritzte Pestizide, industrielle Massentierhaltung. Trotz aller Kritik, am Ende des Tages greifen die Kunden eben doch zu Billigwaren. Discounter bieten sich regelrechte Preisschlachten. Wo der einzelne Artikel keinen Erlös bringt, muss es die Menge sein. Eine sich immer schneller drehende Spirale. Das F.R.A.N.Z. Projekt unterstützt Landwirte, damit es wieder Vielfalt auf dem Acker gibt, die Spirale an Tempo verliert.

Landwirt Peter Kaim ist seit 2017 dabei oder wie es fachlich richtig heißt, er ist jetzt in der dritten Vegetationsphase im Projekt. Kaim betreibt den Havellandhof Ribbeck, bewirtschaftet mehr als 700 Hektar Ackerland. Auf den Feldern werden Winterraps, Weizen, Gerste, Roggen und Mais angebaut. 150 Milchkühe stehen auf dem Hof. Kaim betreibt eine 380kw Biogasanlage, neben dem Hof gibt es Flächen mit Blumen zum selber Schneiden. Kaim sagt: "Ich will eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft." Das F.R.A.N.Z. Projekt unterstützt ihn dabei. Nicht nach starren Richtlinien, sondern nach den Gegebenheiten angepasst, wissenschaftlich begleitet und von zwei Bundesministerien gefördert. F.R.A.N.Z. steht: Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft. Kaims Havellandhof gilt als Demonstrationsbetrieb, für Thorsten Mohr vom Landesbauernverband ist der Hof ein Paradebeispiel.

Freitag vergangener Woche besuchten die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann und die Landtagsabgeordnete Anke Schwarzenberg (beide Die Linke), den Hof im havelländischen Ribbeck. Ein "Weiter so" in der Landwirtschaft, da sind sich die Agrarpolitischen Sprecherinnen sicher, wird es nicht geben. Es muss sich etwas ändern, allerdings geht das nur gemeinsam mit den Landwirten, sagt Tackmann und bezeichnet das Vorhaben als: "Eine Operation am offenen Herzen." Und schließlich, müssen die Landwirte von ihrer Hände Arbeit auch leben können, sagt sie weiter.  Tackmann und Schwarzenberg sind im Rahmen ihrer agrarpolitischen Tour auf den Hof gekommen. Tackmann besucht regelmäßig Landwirte aus ihrem Wahlkreis, um sich vor Ort zu informieren.

Auf dem Havellandhof informiert sie sich zum Stand des Projektes. Zu sehen sind bereits die Mischkulturen aus Mais und Stangenbohnen. Der "Blühstreifen" verdient den Namen "Kleiner Blüh-Dschungel", so hoch und dicht wie die Pflanzen wachsen, einige sind locker zwei Meter in die Höhe geschossen. Kaim erzählt von den wechselnden Pflanzen bei einem solchen Streifen. Und es summt schon recht ordentlich. Neben den Blühstreifen hat Kaim Feldlerchenfenster geschaffen. Extensivgetreide schafft Platz für Ackerwildkräuter, Insekten und Wildvögel. Altgrasstreifen dienen als Rückzugsort für Insekten und Vögel, Feldvogelinseln bieten bodenbrütenden Vögeln Nistmöglichkeiten.  Welche Maßnahmen für welchen Betrieb zielführend sein können, das ist oft ganz unterschiedlich, sagt Holger Pfeffer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege. "Wo nie eine Lerche war, muss nicht unbedingt ein Lerchenfenster hin", sagt er. Das ist die Besonderheit an F.R.A.N.Z., es können viele kleinere oder eben auch größere Maßnahmen dazu gehören.

Mit so einem Lerchenfenster im Acker, den Blühstreifen, verzichtet Kaim auf den Ertrag dieser Ackerfläche. Und hier kommt dann die Politik ins Spiel. "Die Politik muss den Rahmen schaffen", sagt Tackmann. Und sie rät zur sorgfältigen, langfristigen Beobachtung des Projektes. "Es werden gern schnell messbare Ergebnisse erwartet. Dies ist ein langfristiges Projekt. Hier sollten nicht die Ergebnisse, sondern die Prozesse bewertet werden", sagt sie weiter.

Doch es sind nicht nur die Politiker, auch das Handeln, der Verbraucher ist gefragt. Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Johannes Funke, sagt: "Die Bauern in der Region wollen kein Geld vom Staat. Die Bauern wollen mit ihren Produkten ihr Geld verdienen." Funke kennt ähnliche Projekte, F.R.A.N.Z. nennt er das Aushängeschild. Ein Schild das sichtbarer werden muss, Funke glaubt, es mache Sinn, wenn der Verbraucher wisse, warum er 10 Cent mehr für die Milch bezahlen soll. Zum Erfolg der Konzepte für die biologische Vielfalt auf dem Acker, gehört auch, dass Verbraucher Entscheidungen, wie die von Peter Kaim, an der Kasse im Supermarkt unterstützen.

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