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Cembalo & Laute
Festival in Bernau: Hotspot für Alte Musik

Antje Rößler / 20.08.2019, 18:21 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 18:37
Bernau (Freie Autorin) Seit 26 Jahren ist die Marienkirche in Bernau Austragungs­ort des Festivals Alter Musik – 2019 wird das Bau­werk 500 Jahre alt. Das künstlerische Profil des Jubiläums-Programms wird von Wolf­gang Katsch­ner geprägt, der mit seinem Ensemble Lautten Com­pagney Alte Musik meister­haft in die Neu­zeit übersetzt.

Herr Katschner, was ist das Besondere an der Bernauer Marienkirche?

Die Kirche ist einfach toll, ein wunderbar gestalteter Raum mit einer inspirierenden Atmosphäre; der Hochaltar stammt aus der Werkstatt von Lucas Cranach.

Wie sieht es mit der Akustik aus?

Da die Kirche nicht besonders hoch ist, bietet sie einen wunderbaren Klang auf allen Plätzen. Außerdem vereint sie eigentlich zwei Konzertsäle – das große Kirchenschiff und den intimen Chorraum vor dem Hochaltar, den wir am Freitag für das Nachtkonzert nutzen.

Was wird da geboten?

Das mit über 40 Minuten wohl längste Klavierstück des 16. Jahrhunderts. Es stammt von Hans Leo Hassler, der 31 Variationen über das damals europaweit verbreitete Lied "Ich ging einmal spazieren" schrieb. Im Nachtkonzert spielt Gösta Funck, ein Experte für historische Tasteninstrumente, auf dem Cembalo.

Wie spiegelt sich das 500. Kirchenjubiläum der Kirche im Programm wider?

Dem Jubiläum widmen wir uns am Sonnabendnachmittag, wenn die Puppenspielerin Gabriele Koch Geschichten rund um das alte Kirchengebäude erzählt. Dazu gibt es Beiträge von Musikern der Lautten Compagney sowie Schülern der Musikschule Barnim.

Gibt es einen roten Faden im Festivalprogramm?

Nicht direkt. Der rote Faden ist die Marienkirche, die wir auf verschiedene Weisen präsentieren wollen. Das ist ja auch die Grundidee des Fördervereins, der das Festival vor 26 Jahren gegründet hat: die Kirche als Konzertort zu nutzen und bekannt zu machen.

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Was erwartet das Publikum im Eröffnungskonzert am Freitag?

Da treffen verschiedene musikalische Welten des 18. Jahrhunderts aufeinander: Kunst- und Volksmusik, Klänge aus Südamerika und aus Süditalien. Beide Regionen unterstanden jahrhundertelang der spanischen Krone, die das Christentum rabiat durch-setzen wollte. Für dieses Programm tut sich der aus Neapel stammende Pianist Mario Sollazzo mit südamerikanischen Kollegen zusammen. In der Musik vereinen sich Gesang, Maultrommel und Flöten, Gitarren und Laute.

Ein weiteres Konzert trägt den Titel "Krieg und Frieden – 1618 und 1918". Diese Parallele zogen Sie schon 2018 beim Aequinox-Festival in Neuruppin.

Ich bin nach wie vor davon fasziniert, wie frappierend sich die Musik und vor allem die Texte aus beiden Epochen ähneln: Sie beschreiben das Grauen des Krieges und die Sehnsucht nach Frieden. Die Sopranistin Hanna Herfurtner singt zum Beispiel frühbarocke Lieder von Heinrich Schütz – thematisch sind die Songs von Friedrich Hollaender und Hanns Eisler gar nicht so weit entfernt.

Zum Abschluss des Festivals erklingt Händels Oratorium "Susanna". Ist das nicht ein großer Kraftakt für ein recht kleines Festival?

Es fügt sich gut, dass wir diese Produktion übernehmen können, die gerade im Naumburger Dom läuft. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt der Weimarer Musikhochschule und des Naumburger Theaters, an dem auch die Lautten Compagney beteiligt ist.

Wovon handelt das Oratorium?

Es erzählt die alttestamentarische Geschichte von Susanna im Bade: Eine junge Ehefrau wird von gesellschaftlich angesehenen Herren bedrängt und beinahe vergewaltigt. Anschließend unterstellt man ihr Ehebruch. Es gibt einen handfesten Skandal, was einem in Zeiten von "Me Too" durchaus bekannt vorkommt. Susanna ist ein selbstbewusster Frauen-charakter, wie man ihn in der Sakralmusik jener Zeit nur selten findet.

Zur Person: Der Lautenspieler Wolfgang Katschner (geboren 1961 in Kyritz) ist Gründer und Künstlerischer Leiter des Berliner Ensembles Lautten Compagney. Er hat das Festivalprogramm zusammenstellt.

Programm-Höhepunkte

Das Festival Alter Musik Bernau(23.-25.8.) wird am Freitag (19 Uhr) mit dem Programm "Marammè! Vicerè" des Ensembles Alraune eröffnet; am Sonnabend singt bei "Krieg & Frieden – 1618 und 1918" (19.30 Uhr) die Sopranistin Hanna Herfurtner, begleitet von der Lautten Compagney, über Lebenslust und Seelen­schmerz in Zeiten des Krieges. Den Abschluss macht am Sonntag das Oratorium "Susanna" (16 Uhr). Informationen unter www.altemusik-bernau.de, Tickets unter Tel. 01806 700 733 oder 03338 365 365.

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