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Admiralspalast
John Cleese in Berlin - Ein Grandseigneur des schwarzen Humors

Der Schauspieler John Cleese gibt einem Fan vor dem BBC Broadcasting House Autogramme.
Der Schauspieler John Cleese gibt einem Fan vor dem BBC Broadcasting House Autogramme. © Foto: Isabel Infantes/PA Wire/dpa
Gitta Dietrich / 11.09.2019, 18:07 Uhr
Berlin (MOZ) "Was macht ein Engländer mitten in Preußen, werden Sie sich gefragt haben. Keine Sorge, es hat nichts mit dem Brexit zu", witzelt der britische Altmeister des schwarzen Humors, John Cleese, am Dienstagabend im Berliner Admiralspalast.

Gekonnt manövriert er die Massen bereits zum Auftakt mühelos in Richtung Lachkrampf. Sie huldigen ihrem Idol, stehende Ovationen für seine bloße Anwesenheit. Natürlich ist er alt geworden, das Poloshirt spannt etwas über dem Bauch des Hünen. Er spricht schnell, grummelt in sich hinein – man muss auf Zack sein.

Plötzlich ein Durchhänger. Ist das echt oder ein Gag à la Monty Python? Cleese setzt zum zehnten Mal für eine Anekdote an. Die Teleprompter versagen, er überbrückt. "Ich kann mit einem Eierlöffel Fledermäuse töten", der fast 80-Jährige lacht sich ins Fäustchen. Das sei also deutsche Wertarbeit, grübelt Cleese. Die Technik rotiert, ein Kabelwechsel steht an. Mehr als zwei Stunden schaffe er nicht, also gönnt er sich eine kurze Auszeit und startet nach zehn Minuten neu durch.

Cleese plaudert aus seinem Leben, berichtet von den Anfängen bei der BBC als cholerischer Hotelbesitzer Basil in "Fawlty Towers" und natürlich von den Pythons. Mit seinem Studienfreund Graham Chapman habe er völlig konzeptlos anfangs 13 Folgen bewilligt bekommen – von 1969 bis 1974 ein Dauerrenner. Die Geschichten um die Truppe sind der Höhepunkt. Einige Klassiker zeigt er auf einer Leinwand, wie "Der tote Papagei", den "Fish-Slapping-Dance" und Cleese als rabiates Rotkäppchen. "Das Leben des Brian" und "Ein Fisch namens Wanda" kommen auch nicht zu kurz.

"Last Time To See Me Before I Die" (Die letzte Chance mich zu sehen, bevor ich sterbe): Getreu dem Titel des Abends dreht sich vieles um den Tod. Gewalt, Religion, Sex und eben der Tod seien Erfolgsgaranten im Comedy-Business, gibt Cleese preis. Mit einer Statistik teilt er das Publikum kurzerhand in Todesarten ein – die linke Balkonseite sind Unfallopfer, und die letzten Reihen im Parkett sterben an falscher Medikation. Ein Teil begehe Selbstmord: "Ihr wisst, wer Ihr seid", meint er augenzwinkernd.

Rassistische Witze wären bedauerlicherweise heutzutage nicht mehr so angesagt. Ein Schwall von Kalauern über Franzosen, Spanier und Juden folgt. Und immer wieder gibt es Seitenhiebe auf US-Präsident Donald Trump. Übrigens: Der Komiker und Autor lebt selbst in vierter Ehe seit 20 Jahren in Kalifornien. Ob er noch einmal nach Berlin kommt? Wir können nur hoffen. Jedenfalls verabschiedet sich Cleese unter Gejohle gelenkig und standesgemäß mit einem "Silly Walk" (Seltsame Gangart) von der Bühne.

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