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Anna Maria Mühe über ihre Rolle in der Bauhaus-Serie "Die neue Zeit"

Kurzes Haar und Hosen: Dörte (Anna Maria Mühe) beginnt sich am Bauhaus zu verändern.
Kurzes Haar und Hosen: Dörte (Anna Maria Mühe) beginnt sich am Bauhaus zu verändern. © Foto: ZDF und Anke Neugebauer
Christina Tilmann / 16.09.2019, 12:13 Uhr - Aktualisiert 16.09.2019, 14:21
Weimar (MOZ) Sie sitzt mit ihrem blonden Bubikopf und fescher Kurzjacke am See. Anna Maria Mühe, so heutig sie unlängst beim Filmfestival in Bad Saarow zur Filmpremiere der ZDF/arte-Produktion "Die neue Zeit" auftritt, hat keine Mühe, als junge Frau der Zwanzigerjahre durchzugehen.

Sie hätte von Billy Wilder in "Menschen am Sonntag" gecasted werden können oder von Lotte Laserstein gemalt. In der sechsteiligen Serie von Lars Kraume, die vom 15.-17.9. im ZDF läuft, spielt sie die Studentin Dörte Helm, die aus konservativem Elternhaus an die fortschrittliche Weimarer Schule kommt und sich in deren ehrgeizigen Direktor Walter Gropius verliebt.

3 Fragen an: Interview mit Anna Maria Mühe 

Es ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe von Veröffentlichungen, die sich im Jubiläumsjahr mit einem lange verdrängten Thema beschäftigen. Denn so fortschrittlich das Bauhaus und seine Gründer Gropius, Feininger und Breuer auftraten, so lange gerieten die Frauen in Vergessenheit. Anni Albers oder Gunda Stölzl haben in den vergangenen Jahren durch Ausstellungen oder Bücher einige Aufmerksamkeit erlangt. Es gab aber noch viel mehr. Das wird zum Jubiläum also nachgeholt. Ein Buch stellt 45 Bauhaus-Frauen vor (Patrick Rössler, Elizabeth Otto, "Frauen am Bauhaus", Knesebeck, 35 Euro). Jana Revedin widmet Ise Frank, die Gropius heiratet und als Sekretärin am Bauhaus arbeitet, einen biografischen Roman ("Jeder nennt mich hier Frau Bauhaus", Dumont, 22 Euro). Und das Angermuseum in Erfurt zeigte eine Ausstellung über "Bauhausmädels".

Dabei hatte es zunächst mehr weibliche als männliche Bewerber an der neuen Bauhaus-Akademie in Weimar gegeben, schreibt Ulrike Müller in ihrem zum Jubiläum überarbeiteten Buch "Bauhaus-Frauen" (Suhrkamp 2019, 35 Euro). Auch Gropius hatte in seiner Antrittsrede verkündet: "Keine Unterschiede zwischen dem schönen und starken Geschlecht. Absolute Gleichberechtigung, aber auch absolute gleiche Pflichten in der Arbeit aller Handwerker." Doch bald forderte er eine "scharfe Aussonderung gleich nach der Aufnahme, vor allem bei dem der Zahl nach zu stark vertretenen weiblichen Geschlecht". Die Zahl der Studentinnen sank daraufhin rapide.

So ist es eine überfällige Rehabilitation, wenn im Bauhaus-Jahr die Frauen in den Vordergrund rücken. Das findet auch Anna Maria Mühe: "Wenn ich früher ans Bauhaus gedacht habe, habe ich das vor allem mit den männlichen Größen wie Gropius, Kandinsky, Breuer und Schlemmer in Verbindung gesetzt. Die Frauen waren mir kaum ein Begriff. Gunda Stölzl vielleicht noch, aber Dörte Helm kannte ich nicht. Deshalb finde ich es absolut gerechtfertigt, dass wir ihr nun eine solche Plattform schenken."

Ihre Dörte Helm ist eine Kämpferin. Mit ihrer Freundin Gunda Stölzl (Valerie Pachner) feiert sie ausgelassen, badet nackt in der Ilm. Mühe bewundert ihren Mut: "Dörte Helm kommt aus einer erzkonservativen Familie. Die Geschichte beginnt damit, dass sie an ihre Uni zurück geht, die plötzlich unter der neuen Leitung von Walter Gropius steht. Und sie begreift schnell, dass sie etwas ändern muss, wenn sie bestehen will. Sie emanzipiert sich von ihrer Familie, und sie emanzipiert sich als Frau. Sie hat nicht für sich gekämpft, sondern für alle Frauen, die mit ihr dort studiert haben."

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