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"Ich feiere die andere Literatur"
Sasa Stanisic erhält den Deutschen Buchpreis 2019

Kämpferisch: Sasa Stanisic in Frankfurt (Main)
Kämpferisch: Sasa Stanisic in Frankfurt (Main) © Foto: Andreas Arnold/dpa
Christina Tilmann / 14.10.2019, 21:30 Uhr
Frankfurt (Main) (MOZ) Politischer kann eine Preisverleihung nicht sein. Sasa Stanisic wird für seinen Roman "Herkunft" geehrt – und nutzt die Preisverleihung für eine Abrechnung mit Literaturnobelpreisträger Peter Handke.

Bis heute Morgen sei er bereit gewesen, sich auf diesen Preis zu freuen, wenn er ihn bekäme, erklärt ein sichtlich durch Krankheit angeschlagener Sasa Stanisic am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers. Doch dann sei etwas dazwischengekommen, ein anderer Preis, einer, der wichtiger sei: "Und den hat einer bekommen, der mir meine Freude vermiest hat".

So nutzt der 1978 in Visegrad geborene und heute in Hamburg lebende Stanisic die Stunde, um sich zu empören über Peter Handke, der vergangene Woche den Literaturnobelpreis erhalten hatte. Er stehe heute hier, "weil ich das Glück hatte, das zu überleben, was Peter Handke nicht beschreibt". Stanisic war mit seinen Eltern 1992 nach Heidelberg geflüchtet, nachdem serbische Truppen seine Heimatstadt besetzt hatten. Handke hingegen habe sich in seinen Texten über den Balkankonflikt die Wirklichkeit so zurechtgelegt, das am Ende nur Lüge geblieben sei, so Stanisic: "Und mich erschüttert, dass so etwas prämiert wird". Stattdessen, so der Preisträger des Deutschen Buchpreises 2019, feiere er "die anderen fünfzig Prozent": die polnische Autorin Olga Tokarczuk, die parallel zu Handke den Literaturnobelpreis 2018 erhalten hatte. Sie stehe "für eine andere Literatur", eine Literatur, die politischen Kampf mittels Sprache feiere.

Stanisic, der schon 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman "Vor dem Fest" erhielt, sei "ein so guter Erzähler, dass er sogar dem Erzählen misstraut", so die Jury in ihrer Begründung. Er adele die Leser mit seiner Fantasie, entlasse sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit und setze den "Narrativen der Geschichtsklitterer" seine eigene Erzählung entgegen. Der Deutsche Buchpreis wird traditionell am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse verliehen und ist mit 25 000 Euro dotiert.

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