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Interview
Pianistin Danae Dörken: "Musik bringt alle zusammen"

Fühlt sich in mehreren Kulturen zu Hause: die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken.
Fühlt sich in mehreren Kulturen zu Hause: die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken. © Foto: Ervis Zika
Antje Rößler / 09.11.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 09.11.2019, 09:17
Berlin (freie Autorin) Danae Dörken kommt in ein Café am Alexanderplatz. Die Pianistin ist ungeschminkt, trägt Jeans, Turnschuhe und ein graues Sweatshirt. Bevor das Gespräch beginnt, wird erst einmal Kuchen geholt.

Die Musikerin ist mit dem Regionalzug aus Königs Wusterhausen gekommen, wo sie mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern lebt. "Als ich schwanger wurde, wollten wir lieber ein eigenes Haus ohne Nachbarn haben, wo ich auch mal nachts üben kann", begründet sie den Wegzug aus Berlin. "Nun sehe ich den See aus meinem Fenster; auf der anderen Seite gibt es einen großen Wald. In der Natur zu sein, verleiht mir Inspiration und Kraft."

Von Yehudi Menuhin gefördert

Viel Zeit verbringt die 28-jährige Pianistin nicht daheim. Regelmäßig musiziert sie in großen Konzertsälen und bei renommierten Festivals. Schon mit sieben Jahren lernte sie den berühmten Geiger Yehudi Menuhin (1916–1999) kennen, der die junge Musikerin fortan persönlich förderte. Später studierte sie in der Klavier-Klasse von Professor Karl-Heinz Kämmerling (1930–2012) in Hannover, aus der zahlreiche erfolgreiche Pianisten stammen. "Das Niveau war unglaublich hoch", erinnert sich Danae Dörken. "Aber so ein Druck ist ein Teil des Musiker-Jobs. Wer damit nicht umgehen kann, kommt nicht weit."

Nun haben die Festspiele Mark Brandenburg die Pianistin eingeladen, sich in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) an einer Gedenkveranstaltung zum Mauerfall zu beteiligen. Auf dem Funkerberg diskutieren heute Abend ortsansässige Zeitzeugen. Zwischendurch spielt Danae Dörken aus ihrer neuen CD "East and West". "Ich stelle hier östliche und westliche Kompositionen vor, die alle folkloristische Einflüsse haben", erklärt die Pianistin. Die Bandbreite reicht von Béla Bartóks rhythmisch raffinierten "Rumänischen Volkstänzen" bis zum andalusischen "Feuertanz" von Manuel de Falla. "Jedes Land hat seine einzigartigen Volksmelodien; gleichzeitig bringt die Musik uns alle zusammen", betont Danae Dörken, die 1991 als Tochter einer Griechin in Wuppertal zur Welt kam.

Um Verständigung mittels Musik geht es auch bei einem Festival, das sie zusammen mit ihrer ebenfalls Klavier spielenden jüngeren Schwester Kiveli auf der griechischen Insel Lesbos gegründet hat. Als Kinder verbrachten die Schwestern dort die Sommerferien bei der Großmutter. Nun veranstalten sie Konzerte in der byzantinischen Burgruine des malerischen Hafenstädtchen Molyvos.

Die Dörken-Schwestern gründeten das Molyvos Festival, um in der depressiven Stimmung nach der Finanzkrise etwas zu tun für die Insel ihrer Großmutter. Um Politik ging es dabei eigentlich nicht. Doch als 2015 die ersten Konzerte stattfanden, machte Lesbos Schlagzeilen als Ankunftsort für Zehntausende Flüchtlinge. "Inzwischen hat sich die Lage vor Ort beruhigt; doch der Tourismus hat sich noch nicht erholt", erzählt Danae Dörken, deren ansteckende Euphorie genau das ist, was die Menschen auf der Insel jetzt brauchen, um nach vorn zu schauen.

Auch heute Abend möchte Danae Dörken Optimismus verbreiten. "Für mich symbolisiert der Mauerfall eine Art Vereinigung verschiedener Kulturen", erklärt sie. "Ich bin zwar erst nach der Wende im ‚Westen‘ groß geworden. Aber durch meine deutsch-griechische Herkunft weiß ich schon seit meiner Kindheit, wie viel Stärke und Vorteile man gewinnt, wenn man sich in mehreren Kulturen zu Hause fühlt."

Infos: Festspiele Mark Brandenburg – Mauerfall in Königs Wusterhausen, Podiumsdiskussionen und Musik von Pianistin Danae Dörken, heute, 19 Uhr, Maschinensaal im Senderhaus 1, Funkerberg 20, Königs Wusterhausen

Die Festspiele Mark Brandenburg – mehr als nur klassische Konzerte

Die Festspiele Mark Brandenburg sind ein ganzjähriges Kulturfestival in, aus und für das Land Brandenburg. Der in Königs Wusterhausen ansässige Verein stellt die klassische Musik ins Zentrum, öffnet sich aber auch anderen Genres und entwickelt interdisziplinäre Konzepte. Zu den musikalischen Darstellungsformen fügen sich noch Multimedia-Projekte und Kunstausstellungen.

"Fontane.reloaded" lautet der Titel des Programmes am 16.11., 15 Uhr, im Schloss Wolfshagen sowie am 17.11., 16 Uhr, im Kavalierhaus Königs Wusterhausen. Burkhard von Puttkamer (Bariton) und Alina Pronina (Klavier) navigieren die Besucher vor einer projizierten digitalen Landkarte durch die Mark Brandenburg. Die verschiedenen Stationen, die zuvor das Publikum bestimmt, widmen sich kurzen literarischen Stücken von Theodor Fontane und verbinden diese mit romantischen Liedkompositionen von Schubert, Schumann und Wolf.⇥red

Infos und Programm:www.festspiele-mb.de

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