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Sammeln ist Glück
Maecenas-Ehrung für Kunstsammler Christoph Müller

Engagierter Kunsterklärer: Am liebsten führt Christoph Müller selbst durch seine Sammlung.
Engagierter Kunsterklärer: Am liebsten führt Christoph Müller selbst durch seine Sammlung. © Foto: Jens Büttner/dpa
Christina Tilmann / 20.11.2019, 08:30 Uhr - Aktualisiert 20.11.2019, 08:36
Berlin (MOZ) Seine Museumsführungen sind berüchtigt. "Mein Rekord ist dreieinhalb Stunden", bekennt Christoph Müller.

Auch Joachim von Zepelin berichtet in seiner Laudatio davon, dass der Sammler Lupen und Taschenlampen ausgab, damit das geduldige Publikum die Vögel und das andere Viehzeug auf den Bildern genau erkennen konnte. Den Kunsthistorikern und Museumsleuten möge rätselhaft bleiben, was die Besucher an den stundenlangen, sehr detaillierten und eloquenten Rundgängen so fasziniert, doch: "Ich bin sicher, kein Besucher wird diese Führungen vergessen."

Wohl wahr. Wer je das Glück hatte, sich von Christoph Müller durch die 375 Werke dänischer Kunst begleiten zu lassen, die er 2016 dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald schenkte, oder durch die 155 Altniederländer, die 2013 ins Staatliche Museum nach Schwerin gingen, hat von ihm gleichermaßen Geduld und Sehen gelernt. Und gleichzeitig begriffen, was für ein Glück Sammeln bedeuten kann: "Es mag nicht unbedingt mein wichtigstes Werk sein, aber es ist mein liebstes", sagt er zuverlässig über jede Neuerwerbung.

Als Sammler ohne Konkurrenz

Christoph Müller, der gern in Nischen geht, wo der offizielle Kanon der Kunstgeschichte nicht greift, ist auch in seiner Liebhaberei immer der Wahrheit verpflichtet. Er kauft Kunst, die ein realistisches Bild der Welt zeigt. Also Landschaften, Seestücke, Stillleben, wie sie das Goldene Zeitalter der Niederländer im 17. Jahrhundert oder die Dänen zwei Jahrhunderte später malten: unspektakulär, oft kleinformatig, genau hingeschaut und auf dem Kunstmarkt nicht sehr hoch gehandelt. "Als Dänensammler habe ich hierzulande keine Konkurrenz", bekennt der immer auch gut rechnende Schwabe. Für Greifswald, wo mit den Bildern Caspar David Friedrichs aus dem benachbarten Rügen nun eine veritable "Galerie der Romantik" entstanden ist, war das ein Glück. "Wir können keinen Vogel, keine Kuh, keine Felsen, keine Wasseroberflächen, keine Ansammlung von Gegenständen mehr sehen, ohne an dich und deine Bilder zu denken", macht ihm der Musiker Santiago Blaum beim Festakt das schönste Kompliment, das ein Sammler bekommen kann.

Doch der Clou ist: Das Sammeln ist nur das zweite Leben des Christoph Müller. 35 Jahre lang, von 1969 bis 2004, war er in Personalunion Verleger und Chefredakteur des "Schwäbischen Tagblatts" in Tübingen. Und machte "das Blättle", das auch "Neckar-Prawda" genannt wurde, so energisch wie meinungsstark zum Idealbild einer Regionalzeitung. "Es hat in Deutschland nie eine Zeitung gegeben, die so zuverlässig als Seismograf ihrer Region diente", lobt der Journalist Joachim von Zepelin Müllers "demokratisches Versuchslabor". Und feiert den Ex-Verleger als "wahrhaft freien Menschen", unbefangen, unberechenbar und in seiner immer der Wahrhaftigkeit verpflichteten Haltung durchaus für Politiker auch gefährlich: "Er stellt die einfachsten Fragen und bekommt die ehrlichsten Antworten".

Da solches Zeitungsmachen ebenso wie die Kunst der jeweiligen Region und ihrer Lebenswelt verpflichtet ist, ist Müller immer auch ein Sammler mit Mission. Einer, der politische Kultur und Bildende Kunst für gleich wichtig hält – und als Sammler wie als Verleger eine gesellschaftliche Verpflichtung fühlt, wenn er als Begründung für seine Schenkung sagt: "Bilder sind nie für nur zwei Augen gemacht".

Am Montagabend bekam er für sein mäzenatisches Handeln in der Akademie der Künste die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute.

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