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Museum für Kommunikation
Ausstellung über Freundschaft

Antje Scherer / 28.11.2019, 08:30 Uhr
Berlin (MOZ) Heinz Rühmann hatte sicher einen – einen ABF ("Allerbester Freund") oder KwS ("Kumpel wie Sau").  Sonst hätte er in "Die drei von der Tankstelle" (1930) kaum so inbrünstig schmettern können: "Liebe vergeht, Liebe verweht, Freundschaft alleine besteht!". Auch 2raumwohnung ("Ich und Elaine"), Queen ("You‘re my best Friend"), Elton John  ("Friends never say Goodbye") und unzählige Kollegen aus Rock und Pop haben diese schillernde Beziehung schon besungen.

Wobei Hauptmerkmal die große Bandbreite ihrer Ausgestaltung ist – sie kann zwischen Fast-schon-Liebe, Familie, Therapeut, Kollege, Nachbar, Saufkumpan und vielen weiteren Facetten changieren; auch abwechselnd oder alles auf einmal.

In Berlin widmet sich jetzt die inhaltlich wie in der Form sehr gelungene Ausstellung "Like you!" den vielen Nuancen von Freundschaft. Klar wird schnell: Das Thema lässt kaum einen kalt. Wir suchen alle Gefährten, von der Krabbelgruppe bis zum Seniorenheim. Nicht immer klappt das leicht, davon zeugt schon eine Auswahl an Selbsthilfebüchern (etwa: "Freunde finden im 21. Jahrhundert") gleich zu Beginn. Auch die unerfüllte Sehnsucht nach (tiefer) Freundschaft oder die Trauer über deren Verlust wird thematisiert.

Lässig tänzelt die Schau zwischen Antike und Heute – wir erfahren, was Aristoteles und Hannah Arendt zum Thema zu sagen hatten oder Mark Zuckerberg ("Wer denkt, dass  jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, weiß nicht, was Freundschaft ist"). Auch verschiedene Medien stehen gleichberechtigt nebeneinander: Langjährige Brieffreundschaften werden ebenso liebevoll ins Bild gesetzt wie eine Mädchenclique aus Frankfurt am Main, die vor der Kamera erzählt, was man so macht, redet und textet, wenn man quasi rund um die Uhr in Kontakt steht. Das ist – zumindest für Ü25-Jährige – wirklich erhellend, genau wie eine Interview-Serie, in der Jugendliche Snapchat & Co. erklären  und oft recht reflektiert die Chancen und Risiken digitaler Freundschaftspflege abwägen.

Beim Schlendern durch die Räume staunt man, wie viele Facetten die Macher entdeckt haben: Gast- und (verordnete) Völkerfreundschaft, die (Un-)Möglichkeit von Freundschaft zwischen Generationen, Politikern und Geschlechtern, die zu einem Tier, bezahlte Freundschaftsdienste … Wissenschaftler ordnen unterschiedliche Freundschaftskonzepte ein und beleuchten auch Veränderungen – etwa einen Trend in Großbritannien und den USA, enge Freundschaften an Schulen zu unterbinden, um Kinder vor Enttäuschungen zu bewahren; dabei helfen die doch herauszufinden, wer man eigentlich ist – auch durch Reibung.

Weil das alles höchst abwechslungsreich umgesetzt ist, wird es nie langweilig: Auf‘s Ohr gibt es Playlisten, zum Anschauen Videos, ein pralles WG-Telefonbuch aus den 80er-Jahren oder eine Serie der Fotografin Tanja Hollander, die ihre 626 Facebook-"Freunde" besucht und fotografiert hat; schön auch die Postkarten zweier befreundeter Künstlerinnen, beide aus Berlin, die eine ganze Wand füllen – sie erzählen von der Lust, sich gegenseitig eine Alltagsfreude zu machen. So witzig wie berührend eine Fotoserie, die fünf Männer aus Kalifornien zeigt: Sie treffen und fotografieren sich alle fünf Jahre am selben Ort und altern gemeinsam.

Auch wenn nicht verschwiegen wird, dass diese spannende Beziehung nicht nur schöne Seiten hat – die Schau vermittelt doch ein Bild von Freundschaft als eine Art Superkleber, der die Welt besser macht und unsere fragilen  Existenzen immer wieder zusammenpappt. Wer nicht gleich mit dem Busenfreund hingehen kann, will danach unter Garantie möglichst schnell Kontakt aufnehmen.

Raten, kritzeln, schätzen – interaktive Angebote

Die Ausstellung "Like you! Freundschaft digital & analog" bietet viele Gelegenheiten zum Mitmachen: Es gibt Stationen zum Schätzen, Raten, Kleben, Hören, Schmökern sowie Karten zum Mitnehmen und eine Foto-Box. Überdies wird ein Begleitprogramm angeboten, etwa eine Kuratorinnen-Führung am 1.12. (14 Uhr). Die Ausstellung läuft bis 5. Juli 2020, Di 9–20 Uhr, Mi–Fr 9–17 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Museum für Kommunikation Berlin, Leipziger Str. 16, Berlin-Mitte, www.mfk-berlin.de

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