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Schlossparktheater
Die Band Queen auf der Theaterbühne

Das Berliner Schlosspark Theater bringt mit "Ich bin nicht Mercury" eine Hommage an die Band Queen auf die Bühne.
Das Berliner Schlosspark Theater bringt mit "Ich bin nicht Mercury" eine Hommage an die Band Queen auf die Bühne. © Foto: Paul Zinken/dpa
Merle Hilbk / 13.01.2020, 08:00 Uhr
Berlin Ich bin nicht Mercury" ist nicht das, was es zu sein vorgibt: ein Theaterstück. Denn die Handlung, die in den wenigen Sprechszenen angedeutet wird, ist bloße Staffage für eine Aneinanderreihung von Songs der Band "Queen" und Solostücken ihres Leadsängers Freddie Mercury. Am Sonnabend hatte das Stück Premiere im Berliner Schlosspark Theater.

Was hier als Handlung verkauft wird, sind lediglich ein paar Dialoge in Schülersprache. Szenen werden zwar angedeutet, nicht aber ausgeführt. Sie sollen laut Programmheft von der letzten Probe einer Band vor der Studioaufnahme handeln. Kein Klischee wird ausgelassen: Da ist der schwule Leadsänger Chris (Thomas Borchert), der von seiner Freundin Lisa (Sophie Berner) geoutet wird – so weit, so Mercury. Der zweite Sänger Ken (Marco Billep) ist in diese Freundin verliebt, Frank, das dritte Bandmitglied, wiederum in Sänger Chris. Frank hat Aids, Ken eine Vorliebe für Kraftausdrücke und eine behinderte Tochter, für deren Liebesleben er sich engagiert.

Das alles geht nicht ohne Herrenwitz, der – peinlich genug – dann auch noch stets durch gespielt-empörten Widerspruch politisch korrekt gewendet werden soll – auf dass auch jeder Zuschauer verstehe, dass es hier nicht gegen Schwule geht, und sich hinter einer rauen Schale oft ein weicher Kern verbirgt.

Verfasst hat diesen peinlichen Text Thomas Schendel, der als Schauspieler im Berliner "Tatort" und im Mehrteiler "Hotel Adlon" glänzte und auch die Regie übernommen hat. Den vier "Bandmitgliedern" hätte es gut getan, wenn er sich auf die Musik konzentriert hätte. Denn musikalisch ist "Ich bin nicht Mercury" großartig. Das ist vor allem Harry Ermer zu verdanken, der die musikalische Leitung inne hat, und der realen Begleitband mit dem Namen "UnderPressured".

Popballade, Oper, Soul, Rock: Alles geht Philipp Schmitt, Sebastian Vogel und Benjamin Barritt leicht von der Hand. Die Arrangements sind schmissig und präzise, rocken und verlocken die Zuschauer im ausverkauften Saal zu begeistertem Zwischenapplaus. Der will bei "Love Of My Life", das der echte Freddie Mercury einst für seine Freundin Mary Austin schrieb, gar nicht mehr abebben.

Denn stimmlich und choreographisch bieten die Darsteller der vier fiktiven Bandmitglieder – allesamt große Namen des Musical-Fachs – alles auf, was man sich für einen Queen-Abend wünschen kann: Thomas Borschert schmettert die Mercury-Klassiker hymnisch-leidenschaftlich wie der mit nur 45 Jahren an Aids verstorbene britische Sänger. Dank seines außergewöhnlichen Bewegungsgespürs findet Borchert stets die richtige Geste, um seine Bühnenrolle als Bandleader mit übergroßem Ego glaubhaft zu füllen: Mal lässt er ironisch die Hüften kreisen, mal reckt er die Arme theatralisch gen Himmel, mal geht er demutsvoll in die Knie.

Sophie Berner, die sonst mit einem Chanson-Programm in der "Bar jeder Vernunft" zu sehen ist, überzeugt besonders im zweiten, rockigeren Teil des Abends. Ihre Stimme hat eine Energie, die Tote zum Leben erweckt – und den Gestus einer Rockdiva. Sie spielt die Rolle der Lisa alternierend mit Friederike Haas. Michael Ernst verkörpert den zweiten Sänger Frank mit einem kräftigen Schuss Pop in der Stimme, was den Rocksongs eine eigene Note gibt. Marco Billep, der den Grobian Ken gibt, überzeugt in den Quartetten und im Ausflug ins Opernfach, wirkt aber in seinen Bewegungen oft etwas hölzern.

Eine intelligentere Inszenierungsidee hätte diesen Werdegang einer fiktiven Rockband zu einem Theater-Höhepunkt machen können. So aber ist "Ich bin nicht Mercury" nicht mehr, aber auch nicht weniger als das, was man sich eigentlich angesichts dieses Namens auch erhofft: ein mitreißendes Konzert.

Nächste Vorstellungen: 14.01. bis 31.01, jeweils 20 Uhr, Schlosspark-Theater, Schloßstraße 48, 12165 Berlin; Kartentel. 030 7895667 100

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