Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kunst
Ausstellung zum Thema Arbeit in der DDR im Landtag

Die arbeitende Frau – im Osten selbstverständlich: Auch dieser Aspekt wird in der Schau thematisiert, diese Titelseite erschien 1979.
Die arbeitende Frau – im Osten selbstverständlich: Auch dieser Aspekt wird in der Schau thematisiert, diese Titelseite erschien 1979. © Foto: MOZ
Ulrich Thiessen / 30.01.2020, 07:45 Uhr - Aktualisiert 30.01.2020, 09:33
Potsdam (MOZ) Im Blaumann, mit oder ohne Schutzhelm, die Hände vor dem Bauch, so schauen die Arbeiter aus dem VEB Gießerei und Maschinenbau Torgelow in die weiße Lobby der Landtages. Auf den Porträts von Jürgen Parche aus dem Jahr 1988 sind Menschen mit düsteren Blick, mit Fragen auf den Gesichtszüge oder einem Schmunzeln zu sehen. Die Werke sind Teil der Ausstellung "Arbeit, Arbeit, Arbeit", mit dem das Kunstarchiv Beeskow und das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR erstmals eine große Ausstellung in Potsdam bestreiten.

Zu sehen sind 78 Kunstwerke sowie 186 Plakate und Seiten aus Zeitschriften. Florentine Nadolni, Leiterin der beiden Kunsteinrichtungen, erläuterte bei der Eröffnung am Mittwoch, dass die Arbeit und der Arbeitsplatz in der DDR einen besonderen Stellenwert hatten. Die Betriebe stellten ein soziales Gefüge dar, in dem Wohnungen oder Urlaubsplätze vergeben wurden, Sport und Kultur organisiert wurden. Eine Lebenserfahrung, die in Ostdeutschland bis heute nachwirke, so die Museumsleiterin.

Bei den ausgestellten Werken handelt es sich um Auftragswerke, wie die Fotoserie aus dem Jahr 1989 von Marion Wenzel, die Mitarbeiter des Halbleiterwerkes Frankfurt (Oder) in Schutzkleidung in der Pause oder vor riesigen Rechnern zeigt. Flankiert wird dies von Artikeln zu  arbeitender Frauen, von der Schäferin über die Binnenschifferin bis zur Professorin aus der Zeitschrift NBI.

Walter Womacka ist mit einer Reihe von Siebdrucken zu sehen, auf denen er Pop-Art-mäßig Porträtfotos von Erika Steinführer verarbeitet. Sie war eine "Heldin der sozialistischen Arbeit" aus dem NARVA-Glühlampenwerk.

Rund um die Pressetribüne und die Arbeitsräume der Journalisten in der zweiten Etage des Landtags sind frühere Titelblätter der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" zu sehen. Aus heutiger Sicht wird erstaunlich offen die Diskrepanz zwischen verordneter und gelebter Arbeitsmoral aufs Korn genommen. Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) betonte bei der Eröffnung, dass neben viel Dunkel und Grau in den Werken in einer zweiten Ebene der Zweifel der Künstler an der vom Staat verordneten Sicht auf die Helden der Arbeit zu erkennen sei. Im Rahmen der Auftragswerke sei so Kunst entstanden, die teilweise den Auftrag unterlaufe. Gerade im 30. Jahr der deutschen Einheit würden die Ausstellungsstücke zum Dialog einladen. Dazu wird es im Laufe des Jahres eine Reihe von Führungen durch die Ausstellung geben und am 10. März eine Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen in Arbeit".

Liedtke dankte ausdrücklich dem letzten DDR-Kulturminister und ersten Direktor der Sammlung auf der Beeskower Burg, Herbert Schirmer. Er sammelte nach der Wende die quasi herrenlose Kunst von Massenorganisationen, als keiner diese haben wollte. Heute verfügt das Kunstarchiv über 17 000 Kunstwerke aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Dokumentationszentrum Eisenhüttenstadt werden 170 000 Gegenstände der Alltagskultur aufbewahrt.

Wie streitbar die Ausstellung werden könnte, zeigte sich schon am Eröffnungstag. So sind vor den Fluren der AfD Plakate mit dem Slogan "Räum weg, was hemmt" und "Wer Fortschritt will, muss Leistung bringen" zu sehen. Im Bereich der CDU ist eine Sammlung von Plakaten zum 1. Mai zu sehen. Aus der Fraktion kam die Kritik, dass die sozialistische Propaganda die Besucher der Abgeordneten stören könnte. Von den Ausstellungsmachern hieß es dazu, dass die Hängung keinerlei politische Ziele verfolge, sondern sich allein nach den örtlichen Gegebenheiten gerichtet habe.

Die Ausstellung "Arbeit, Arbeit, Arbeit" ist im Landtag in Potsdamer wochentags von 8 bis 18 Uhr frei zugänglich. Bis zum 11. Dezember wird es sieben Kuratorinnen-Führungen geben. Termine und eine kostenlose Broschüre auf der Website des Landtages unter www.landtag.brandenburg.de

Zeugnisse einervergangenen Zeit

Mit 17 000 Werken der bildenden Künste sowie Werken der angewandten Kunst und von Laien beherbergt das Kunstarchiv Beeskow einen außergewöhnlichen Bestand aus 40 Jahren DDR. Die Arbeiten gehörten Parteien oder staatlichen Einrichtungen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG