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Literatur
Neuerscheinungen von Krimi-Büchern

dpa / 10.02.2020, 04:15 Uhr
Berlin (dpa) Es scheint so, als ob sich der Mensch an Mord erfreut, so lange er nicht selbst Opfer ist" – die Erkenntnis von Suspense-Altmeister Alfred Hitchcock (1899–1980) ist so aktuell wie eh und je. Das noch junge Jahr 2020 hält denn auch wieder eine kaum überschaubare Schwemme an Spannungsunterhaltung bereit.

Was sich von Zeit zu Zeit ändert, sind die Trends: Standen unlängst noch Regionalkrimis hoch im Kurs, scheint momentan sogenannter True Crime, der auf wahren Kriminalfällen beruht, besonders beliebt zu sein. Das hat, so der Literaturwissenschaftler Thomas Wörtche, seine Ursache im Trost verheißenden Abschluss durch Autoritäten. "In Zeiten der großen sozialen Verunsicherung bietet True Crime eine einfache Botschaft: Wir kriegen euch alle!"

Mitunter sind die Autoren solcher Bücher Experten und berichten aus ihrer Berufspraxis. Wie der Gerichtsmediziner Michael Tsokos. Gerade ist "Abgefackelt", sein zweiter Band um den Rechtsmediziner Paul Herzfeld, bei Knaur herausgekommen. Darin geht es um ein abgebranntes Klinikum-Archiv, bei dem nicht nur Akten und Gewebeproben den Flammen zum Opfer fielen, sondern auch Herzfelds Vorgänger.

Im März bringt Droemer-Knaur Band zwei der Vanitas-Serie um die Wiener Blumenhändlerin Carolin heraus. Nach "Schwarz wie Erde" hat die Österreicherin Ursula Poznanski mit "Grau wie Asche" erneut ein schauriges Szenarium um die mysteriöse Carolin geschaffen – mit zünftigen Gruseleffekten. Der Brite Chris McGeorge hat in dem Thriller "Der Tunnel" (Mai) seiner Vorliebe für verwinkelte Plots freien Lauf gelassen und einen beklemmenden Schauplatz gefunden. Im Mai bringt Marc Hofmann bei Knaur Krimi-Freunde zum Schmunzeln. "Der Mathelehrer und der Tod" ist der erste Band einer humorigen Reihe. Hofmann, selbst Pädagoge, lässt den kauzigen Deutschlehrer Gregor Horvath seinen ersten Fall lösen. "Das Dezernat für heikle Fälle" (Juli) von Alexander McCall Smith gehört ebenfalls in die Kategorie Wohlfühlkrimis (Cosy Crime).

Cosy Crime liegt im Aufwind – weg von bluttriefenden Thrillern und grauenvollen Horrorszenarien. Im Unterschied zu diesen stolpern im Cosy Crime häufig "Normalos" über Verbrechen, wie Cathy Callaghan, Betreiberin eines kleinen Bed & Breakfast im südenglischen Plymouth. Sie findet eine Leiche in ihrem Garten und macht sich selbst auf Verbrecherjagd. Nachzulesen ab März im Krimi "Der Gin des Lebens" von Carsten Sebastian Henn bei DuMont. Klassische Cosy Crime à la Agatha Christie findet der Leser bei Goldmann und Martha Grimes 25. Fall ihres "Inspektor Jury und die Tote am Strand" (April).

Wirtschafts- und Wissenschaftsthriller kommen an der Digitalisierung natürlich nicht vorbei. Daher auch noch explizit ein Buchtipp zu diesem Komplex: Suhrkamp schickt im Juni Zoë Beck mit ihrem apokalyptischen Titel "Paradise City" ins Rennen. Darin geht es um den Handel mit Gesundheitsdaten und eine Gesellschaft, die immer mehr von Algorithmen geprägt wird, nicht zuletzt auch um fatale Auswirkungen des Klimawandels.

Unterhaltsame Krimikost bringt auch wieder der Diogenes Verlag heraus – natürlich mit Martin Walker und Donna Leon. Während Walkers Chef de Police Bruno seinen zwölften Fall in "Connaisseur" im April löst, geht Leons Commissario Brunetti ab Mai in "Geheime Quellen" auf seine 29. Verbrecherjagd.

Akustische Forensik und ein entführtes Baby sind die Zutaten zur rasanten Fortsetzung des Thrillers "Auris" von Vincent Kliesch, nach einer Idee von Sebastian Fitzek, mit dem Titel "Die Frequenz des Todes" (Droemer-Knaur). Hauptfiguren sind wie gehabt: der forensische Phonetiker Matthias Hegel und die Bloggerin Jula Ansorge, die den verzwickten Fall ab Mai lösen.

Längst aus der Nische heraus hat sich der historische Krimi mehr Raum verschafft. Bei Gmeiner bildet er einen Programmschwerpunkt: "Die Krypta des Satans" von Uwe Klausner ist der siebente Teil um einen detektivisch begabten Mönch, der hier im Februar erscheint. Mit "Eisenblut" von Axel Simon startet der Kindler Verlag im März eine historische Krimiserie aus der Kaiserzeit. Eine Mischung aus True Crime und historischem Thrill ist die Geschichte um den deutschen Serienmörder Fritz Haarmann (1879–1925) von Dirk Kurbjuweit. Penguin bringt den realen Kriminalfall aus den 1920er-Jahren im Februar heraus.

Zwei weitere Hochkaräter hat der Limes Verlag in petto: Die in den Staaten lebende Tess Gerritsen bringt im April mit "Das Schattenhaus" einen Krimi heraus, der die "New York Times" an Daphne du Maurier erinnert: "unheimlich, prickelnd, sinnlich!" Und der deutsche Autor Eric Berg stellt ab März seinen Roman "Die Mörderinsel" vor. Bei Blanvalet meldet sich Lee Child mit einem neuen Jack-Reacher-Abenteuer zurück: "Der Bluthund" (Juli). Um eine Mordserie, die die junge BRD erschüttert, dreht sich "1965". Autor ist der Sohn eines griechischen Gastarbeiters, Thomas Christos (März).

Der aufgeführten Titel sind natürlich nur ein Bruchteil dessen, was in den nächsten Monaten auf dem Krimimarkt zu erwarten ist, aber sie bestätigen eine weitere Hitchcock-Erkenntnis: "Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat."

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