Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Film
Kinos auf dem Land besser vernetzen

Es geht um Zeit und Geld: Nach Einschätzung eines Verbandschefs müssen sich Kinos heute mehr Gedanken darüber machen, wie sie Zuschauer gewinnen können.
Es geht um Zeit und Geld: Nach Einschätzung eines Verbandschefs müssen sich Kinos heute mehr Gedanken darüber machen, wie sie Zuschauer gewinnen können. © Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa
dpa / 19.02.2020, 11:39 Uhr - Aktualisiert 19.02.2020, 11:52
Berlin (dpa) Nach Einschätzung eines Verbandschefs müssen sich Kinos heute mehr Gedanken darüber machen, wie sie Zuschauer gewinnen können. Es gebe einen Wettbewerb um Budget und Zeit. "Es gibt eine Ausdifferenzierung an Freizeitangeboten", sagte Christian Bräuer von der AG Kino - Gilde deutscher Filmtheater in Berlin. "Youtube, Social Media - das kostet ja alles Zeit."

Dem Verband gehören rund 370 Programmkinos in Deutschland an - also eher kleinere Häuser, die zum Beispiel einen Schwerpunkt auf künstlerische Filme setzen. Den laufenden Betrieb können nach Bräuers Angaben viele Kinobetreiber finanziell stemmen. Schwierig werde es, wenn Räume und Technik modernisiert werden müssten.

"Kinos sind - wie Theater, wie Museen auch - kulturelle Räume, die in sich auch technisch sehr teuer sind, die sehr aufwändig sind, im Erhalt, in der Pflege", sagte Bräuer vor Beginn der Internationalen Filmfestspiele an diesem Donnerstag in Berlin. Kinobetreiber fordern bereits seit Längerem finanzielle Unterstützung.

Die Bundesregierung plant ein "Zukunftsprogramm Kino", Details sind noch nicht bekannt. "Wir werden alles daran setzen, das Kino als Kulturort weiter zu stärken, insbesondere auf dem Land", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters der Deutschen Presse-Agentur. "Nach einer 5-Millionen Euro-Soforthilfe im vergangenen Jahr starten wir gemeinsam mit dem Parlament ein großes "Zukunftsprogramm Kino"."

Der Arthouse-Kinoverband will die Filmtheater auf dem Land besser miteinander vernetzen, dafür soll es einen Landkino-Coach geben. Nach Ansicht Bräuers können Häuser davon profitieren, mehr auf Events zu setzen, etwa gastronomische Angebote oder besondere Filmreihen.

Man könne beobachten, wie innovativ und kreativ viele Kinos im ländlichen Raum und auch Arthouse-Kinos in den Städten ein buntes Programm zusammenstellten, sagte Bräuer. "Das kann eine Operneröffnung aus Bayreuth sein - und die Kinos sind auch bei 40 Grad ausverkauft", sagte Bräuer.

In seinen Berliner Kinos habe er auch gute Erfahrungen damit gemacht, eine Aufzeichnung des Theaterstücks "Fleabag" mit Phoebe Waller-Bridge zu zeigen. Viele kennen die passende Amazon-Serie. "Da sind wir Profiteure vom Streamingerfolg: Denn ohne "Fleabag"-Serie könnten wir jetzt nicht "Fleabag"-Theater im Kino zeigen."

Für die Filmkunstkinos sei das letzte Jahr erfreulich gewesen. Der deutsche Film "Systemsprenger" und der koreanische Film "Parasite" seien die größten Überraschungen gewesen, sagte Bräuer. Gut gelaufen sei aber zum Beispiel auch der Dokumentarfilm "Amazing Grace" über Sängerin Aretha Franklin.

Aus seiner Sicht haben es eher mittelmäßige Filme schwer. "Die Zeiten, wo man sich mit Mittelware, mit nicht so ganz Perfektem durchmogeln konnte, sind vorbei", sagte Bräuer. Es starte jede Woche eine Menge von Filmen. "Wenn der Film nicht wirklich gut ist, nicht wirklich ein Marketing hat, hat der in der Regel keine Chance."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG