Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Dark Spring"-Festival
Die Moskauer Band "Brandenburg" wollte in Berlin auftreten

Die Gründungsmitglieder lernten sich 2010 als russische Touristen in der Stadt Brandenburg an der Havel kennen. Darum nannten sie ihr Band-Projekt dann so.
Die Gründungsmitglieder lernten sich 2010 als russische Touristen in der Stadt Brandenburg an der Havel kennen. Darum nannten sie ihr Band-Projekt dann so. © Foto: Soeren Stache/dpa
Peggy Lohse / 28.03.2020, 04:30 Uhr
Moskau (MOZ) Zum diesjährigen Festival "Dark Spring"  am vergangenen Wochenende sollte die Moskauer Band "Brandenburg" in Berlin auftreten. Ihre Lieder erinnern an Dark-Wave-Stücke von Joy Division oder Siouxsie And The Banshees. Das Festival fand nun natürlich nicht statt. Doch Peggy Lohse sprach mit den fünf gar nicht düster-traurigen Musikern bei ihrer wöchentlichen Bandprobe über ihren Projektnamen, die zehnjährige Band-Geschichte und die unterschiedlichen Fan-Kulturen in Russland und Deutschland.

Liebe Brandenburger, gleich zu Beginn: Wie kommt denn eine Moskauer Rockband auf den Namen Brandenburg?

Denis Iwanow(muss überlegen): Ich bin heute am längsten in der Band, war aber auch kein Gründungsmitglied. Das Projekt Brandenburg entstand schon 2010. Darum ist diese Geschichte ein bisschen in Vergessenheit geraten. Aber der Grund ist: Die Gründungsmitglieder hatten sich damals als russische Touristen dort kennengelernt – in der Stadt Brandenburg in Deutschland. Darum nannten sie ihr Projekt dann so. Und so heißt es noch heute. Dabei waren wir selbst noch gar nicht dort. Aber vielleicht machen wir von Berlin dann einen Ausflug – zu unserem Ursprung! (lacht)

Wie hat sich das Projekt seitdem entwickelt?

Denis Iwanow: Wir kennen uns ja alle schon ewig, etwa seit Anfang der 2000er-Jahre. Wir spielten alle immer wieder in unterschiedlichen Projekten, mal miteinander, mal einzeln. Man kannte sich so innerhalb der Moskauer Musikszene. Brandenburg war ein Freundeskreis. Kommerzielle Interessen gab es da nicht, nur eine gemeinsame Idee. Das Konzept war: Wir wollten mit einer minimalistischen, vielleicht avantgardistischen Musik unsere Gefühle und Gedanken aufrichtig ausdrücken können. In Russland ist das momentan gar nicht so einfach. Es entstand eine Art Dark Wave oder auch Postpunk, irgendwo zwischen Independent und Techno. Je nach Stück.

Alexander Kondyr: Natürlich wollen wir gern ein größeres Publikum erreichen. Darum texten wir auf Englisch.

Denis Iwanow: Für uns ist der Prozess des Musikmachens selbst spannend. Diese Idee ist bis heute geblieben. Nur früher haben wir fröhlichere Lieder gemacht. Jetzt sind wir alle älter und erwachsen. Und schwermütiger. (Alle lachen)

Was verbindet ihr denn mit Brandenburg?

Denis Iwanow: Den Bären von Berlin. Passt ja zu uns Russen.

Konstantin Suslow: Das Brandenburger Tor.

Maxim Keller: Ich glaube, die Menschen da sind sehr ernst und zurückhaltend. Oder?

Denis Iwanow: Ja, und in Berlin waren wir auch schon einige Male für Konzerte.

Unterscheidet sich das deutsche – oder europäische – Publikum für Euch als Musiker sehr von russischen Fans?

Dmitrij Denisow: Ich habe den Eindruck, dass die Konzertbesucher in Europa viel offener ihre Emotionen zeigen. Sie sind sehr offen gegenüber uns Musikern und unserer Musik. Der Kontakt zum Publikum ist viel enger.

Denis Iwanow: Das Verhältnis zu Musik und Kunst ist ein anderes. Die Russen sind Traditionalisten, richten sich gleichzeitig aber blind nach Modetrends. Das ist widersprüchlich, stimmt aber.

Alexander Kondyr: Die Konzerte in Deutschland und Europa sind oft so gut besucht, und es kommen so unterschiedliche Leute – junge und alte, Fans und Neugierige, ganze Familien und Freundeskreise. Auch Grauhaarige in dunkler Gothic-Kluft, Ledermantel und so. Das gibt es bei uns in Russland nicht. Da kommen nur junge Leute, da ist unsere Musik total Underground.

Denis Iwanow: Seit zehn Jahren entwickelt sich die Underground-Szene in Russland, mit vielen Neugründungen und mehr Fans. Aber das ändert sich schnell mit dem Kommen und Gehen von Trends.

Maxim Keller: In Europa gab es diese Musikszene ja schon viel früher. Die Sowjetunion damals hatte ja ihre ganz eigene Musikwelt.

Alexander Kondyr: Bei uns mögen die Leute immer mehr das, was es umsonst gibt. Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis funktioniert bei uns gar nicht. Manchmal noch der T-Shirt-Verkauf. Die Europäer sind eher bereit, auch etwas für Musik und Konzerte zu bezahlen.

Denis Iwanow: Wenn uns das Coronavirus nicht weiter in die Quere kommt, kommen wir dieses Jahr auch noch mindestens zweimal nach Deutschland. Wir freuen uns sehr darauf. Die Deutschen scheinen uns zu mögen. Sie laden uns immer wieder ein. Manchmal weinen Menschen im Publikum, sie reagieren oft wirklich wild auf uns. (Alle fünf lachen stolz)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG