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Vereinsgründung
Raum für Gedanken beim Kartoffelschälen

Kartoffelschäl-Projekt: Andrea Werner (Verein), Initiatorin Kathrin Ollroge, Helke Baltz aus Döbberin, Karola Heidrich aus Letschin und Anja Henke (Verein, v. l.) jüngst in Trebnitz
Kartoffelschäl-Projekt: Andrea Werner (Verein), Initiatorin Kathrin Ollroge, Helke Baltz aus Döbberin, Karola Heidrich aus Letschin und Anja Henke (Verein, v. l.) jüngst in Trebnitz © Foto: Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 25.07.2020, 17:14 Uhr - Aktualisiert 25.07.2020, 18:48
Trebnitz (MOZ) Ein Riesenberg Kartoffeln liegt auf dem Tisch. Kathrin Ollroge und ihr Team laden zum gemeinsamen Kartoffelschälen ein. Das funktioniert etwas anders als üblich. Wer mitmacht, bekommt Kopfhörer aufgesetzt. Darüber sind kleine Geschichten von Menschen zu hören, die Kathrin Ollroge interviewt hat – zu ihrem Lebensweg, zu aktuellen Themen wie Flüchtlingsbetreuung, zu Wünschen und Problemen, die ihr ganz persönliches Umfeld betreffen.

"Raum für Gedanken" heißt ihr Projekt, das sie seit 2014 landesweit umsetzt. Mehr als 1000 Interviews hat sie bei Gesprächen mit Menschen aller Altersgruppen in Dörfern und ländlichen Stadtsiedlungen geführt. Einige dieser kurzen Protokolle sind mittlerweile in Broschüren zusammengefasst, stets bezogen auf bestimmte Regionen. Eine Broschüre umfasst die Orte Bad Freienwalde, Buckow, Julianenhof, Letschin, Wollup, Müncheberg, Neuhardenberg, Petershagen, Prädikow, Reichenberg und Zinndorf. Die Akteurin hat so die Gespräche aufgearbeitet und kehrte immer wieder in die Orte zurück. Sie wirbt für Beteiligung am kommunalen Leben, will Plattformen für Austausch bieten.

Kunst-Idee

Die Idee kam überall so gut an, dass sich jetzt der Verein "Gedanken-Räume" gründete, der das Projekt in einem neuen Format weiterführt – unter anderem mit der Kartoffelschäl-Aktion, die vor Kurzem bei der Zivilgesellschaftlichen Messe im Grünen vor Schloss Trebnitz vorgestellt wurde. "Die Kartoffel ist ein Alltagsobjekt, jeder kann damit etwas anfangen", sagt Kathrin Ollroge überzeugt.

Neben der sinnvollen Essensvorbereitung – nach dem Schälen wird gemeinsam Kartoffelsuppe gekocht und dann verspeist beziehungsweise bei Veranstaltungen Besuchern angeboten – nehmen die Akteure selbst Erkenntnisse mit. Immer wieder ging bei vielen, die sich in Trebnitz einladen ließen, ein Schmunzeln übers Gesicht, wenn sie via Kopfhörer so manch’ witzige Einlassung hörten oder in dem Erzählten ihre eigenen Erfahrungen wiederfanden.

Und immer gab es sofort eigene Einlassungen, wurde zum Beispiel über das einst übliche Kartoffel-Stoppeln berichtet, mit dem sich Vereine und Schulklassen eine Einnahme sicherten. Für die Akteurin war indes neu, dass man zu DDR-Zeiten die Schulferien im Oktober Kartoffel-Ferien nannte, weil eben viele in dieser Woche den Bauern halfen, die Erdäpfel vom Feld zu bekommen.

Gelungener Auftakt

Zur Kartoffelsuppe wird übrigens auch ein selbstgebrautes Getränk serviert – Wasser-Kefir-Limonade in verschiedenen Geschmacksrichtungen. So werde ein beinahe spielerischer Zugang zu einer Gemeinschaftsaktion gefunden, sieht es die Initiatorin. Selbst bis zu diesem Zeitpunkt Fremde kommen sich unkompliziert näher, werden motiviert, angespornt, sich einzubringen. Der Auftakt in Trebnitz kam bestens an. Der Verein ist gewappnet, um auf Wunsch in Kommunen zu kommen, um dort solch’ ein Gemeinschaftsprojekt umzusetzen.

Infos und Kontakt über die Internetseite www.gedanken-räume.org

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