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Kunstsammlung der 1920er Jahre
Panorama der Moderne in Chemnitz

Direktor der Kunstsammlungen: Frederic Bußmann steht vor den Arbeiten "Parkweg" (1917) von Emil Nolde und "Figurenbild (Bundesfeuer)" (1920/21) von Ernst Ludwig Kirchner.
Direktor der Kunstsammlungen: Frederic Bußmann steht vor den Arbeiten "Parkweg" (1917) von Emil Nolde und "Figurenbild (Bundesfeuer)" (1920/21) von Ernst Ludwig Kirchner. © Foto: Hendrik Schmidt/dpa
dpa / 27.07.2020, 04:30 Uhr
Chemnitz (dpa) Karl Schmidt-Rottluff und Otto Dix sind Markenzeichen der Kunstsammlungen Chemnitz. Von beiden Künstlern, dem Expressionisten und dem Vertreter der Neuen Sachlichkeit, werden in der sächsischen Stadt zahlreiche Werke bewahrt.

Doch zum 100-jährigen Bestehen der Kunstsammlungen in diesem Jahr darf es noch etwas mehr sein: Die Jubiläumsausstellung "Im Morgenlicht der Republik" zeigt jetzt einen breiten Querschnitt durch die Chemnitzer Sammlungen.

Neben Gemälden, Grafiken und Plastiken finden sich auch Plakate, Fotos, Textilkunst und Kunsthandwerk. Rund 400 Werke sind im Hauptgebäude am Theaterplatz zu sehen. "Wir haben tatsächlich das gesamte Museum erst einmal leergeräumt und neu eingerichtet", betont Generaldirektor Frederic Bußmann.

Die Kuratoren haben aus den Magazinen auch viele weniger bekannte Schätze herausgeholt, die zusammen mit den Highlights von Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Max Slevogt, Wilhelm Lehmbruck, Schmidt-Rottluff und Dix, präsentiert werden. Gäste tauchen ein in die Kunst der Romantik, des Impressionismus, der Klassischen Moderne und der DDR sowie der Gegenwart. In Vitrinen liegen sogar kunstvolle Damenstrümpfe, an den Wänden hängen auch Textilien aus dem Bauhaus.

Ein Kind der Weimarer Republik

Der Titel der Jubiläumsschau geht auf Friedrich Schreiber-Weigand (1879–1953), den Gründer und ersten Direktor, zurück. Er schrieb, dass die städtische Einrichtung am 1. April 1920 "im Morgenlichte der deutschen Republik" gegründet wurde.

Die Kunstsammlungen Chemnitz seien nicht nur das Ergebnis des bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt, sondern auch ein Kind der Weimarer Republik mit demokratischem Programm, erläutert Bußmann. Zudem seien sie schon immer ein Museum der Gegenwartskunst gewesen. Der besondere Wert der Sammlung liege neben herausragenden Einzelwerken in der Vielfalt des Bestandes mit insgesamt rund 65 000 Werken.

Aber ohne den Chemnitzer Kunstverein Kunsthütte, der vor 160 Jahren gegründet wurde, hätte es keine städtischen Kunstsammlungen gegeben. Der Verein sammelte, förderte und kaufte Kunst. Damit schuf er den Grundstock für das Museum.

Ein Höhepunkt der Jubiläumsschau ist die Rekonstruktion der Galerie der Moderne im Zustand von 1926, die Schmidt-Rottluff und Schreiber-Weigand entwickelten. Die Gäste erleben sie am authentischen Ort in komprimierter Form – wie damals mit Bildern des Expressionismus auf Wänden in kräftigem Rot, Blau und Grün. Virtuell ist sogar ein kompletter Rundgang durch die historische Galerie möglich, die Chemnitz damals überregional als wichtigen Standort von Gegenwartskunst bekannt machte.

"Chemnitz war anders als Leipzig und Dresden keine Kunststadt, es war immer einer Industriestadt, geprägt von Industriellen, die kosmopolitisch unterwegs waren und gute Kontakte hatten", sagt Bußmann. Sie haben es geschafft, Künstler in die Stadt zu holen, etwa Edvard Munch und Henry van de Velde.

An Letzteren erinnert in Chemnitz ein Museum in der Villa Esche. Der belgische Architekt und Designer Henry van de Velde hatte das Haus 1902 für den Textilunternehmer Herbert Esche entworfen. Zum Museumsverbund gehören heute zudem das Museum Gunzenhauser mit Kunst der Klassischen Moderne, das Schloßbergmuseum mit gotischen Skulpturen sowie das Carlfriedrich Claus Archiv.

Mit der Chemnitzer Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 rechnet Bußmann mit noch mehr Bekanntheit der Kunstsammlungen. Dafür sorgen könnte auch der Ankauf eines Bildes des Expressionisten Erich Heckel, das die Jubiläumsausstellung als Leihgabe schmückt. "Wir würden uns sehr wünschen, dieses Bild erwerben zu können", sagt Bußmann. Auch wenn der kommunale Ankaufsetat eher schlecht sei, ist sein Wunsch: "100 Jahre Kunstsammlungen – ein Heckel für Chemnitz."

Ausstellung bis 25.10., Di/Do–So11–18 Uhr, Mi 14–21 Uhr, Kunstsammlungen am Theaterplatz, Chemnitz,www.kunstsammlungen-chemnitz.de

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