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Greifswalder Maler Maletzke bestätigt Stasi-Kontakte

08.10.2010, 12:40 Uhr
Greifswald (DDP) Der Greifswalder Maler und Grafiker Helmut Maletze war nach NDR-Informationen von 1961 bis 1989 Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit. Maletze, der sich bislang als „politisch unterdrückter Künstler in der DDR“ bezeichnete und am Freitag seinen 90. Geburtstag feierte, bestätigte der Nachrichtenagentur dapd entsprechende Kontakte. Die Gespräche hätten sich jedoch vor allem auf Missstände bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen bezogen, sagte er.

Nach Maletzkes dem NDR vorliegender, 800-seitiger IM-Akte soll der Jubilar als IM „Erwin Schreiber“ über den Verband der Bildenden Künstler im Raum Greifswald, über Kollegen, seine künstlerische Arbeit sowie seine Auslandsreisen berichtet haben. Demnach hatte er sich schon am 6. April 1961 handschriftlich zur Kooperation mit dem DDR-Geheimdienst bereiterklärt und seinen eigenen Decknamen gewählt.

Maletzke sagte am Freitag, die Stasi habe Anfang der 60er Jahre zu ihm Kontakt aufgenommen: „Es war Blödsinn von mir, mich darauf einzulassen. Ich hätte das gar nicht machen sollen!“ Zu jener Zeit habe er noch Ideale über die aufstrebende sozialistische Kunst gehabt, kaum etwas von der Stasi gewusst und sich verpflichtet, wahrheitsgemäß über die aktuelle Entwicklung bei der Vergabe baugebundener Auftragswerke zu informieren. Über eine Führung als IM und die Ausstattung mit einem Decknamen habe er nichts gewusst. Auch habe er niemals Personen bespitzelt oder beschuldigt. Das letzte Treffen mit seinem Führungsoffizier solle den Akten zufolge am 19. September 1989 stattgefunden haben, meldete der NDR.

Maletzke wurde am 8.Oktober 1920 in Neustettin (Szczecinek) geboren. Erste künstlerische Erfolge feierte er durch die Gestaltung zahlreicher Hausfassaden und öffentlicher Räume. Nach Konfrontationen mit Kulturfunktionären erhielt er ein mehrjähriges Berufsverbot. Seine in dieser Zeit entstandenen und nach der Wende international bekannt gewordenen zeitkritischen Bilder durften nur in kirchlichen Räumen ausgestellt werden.

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