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Nachhilfe im Fach DDR

Ruth Buder / 27.04.2010, 20:33 Uhr
Beeskow (In House) Heute steigt Christian Klandt in den Flieger nach Südkorea, begleitet wird er von seiner Freundin und Kostümbildnerin Teresa Tober. Es ist nicht seine erste Reise nach Jeonju, dort ist bereits sein in Beeskow gedrehter Film „Weltstadt“ preisgekrönt worden. „Festivals sind ja nicht nur Veranstaltungen des Glitzers und Glamours“, sagt der 31-Jährige. „Sie sind in erster Linie Messen, auf denen man Kontakte knüpft, sich bekannt macht, um letztlich auch Filme verkaufen zu können.“

Der jetzt in Berlin lebende Regisseur und Student freut sich auf die tolle Atmosphäre und auf die Weltpremiere am 3. Mai. In einer Kurzfassung (29) Minuten war „Bundeskanzler Honecker“ bereits im RBB zu sehen. Aber Klandt selbst war damit nicht zufrieden. „Sie war einfach zu schnell, wurde meinen Ansprüchen nicht gerecht. Deshalb habe ich weiter an der Langfassung gearbeitet.“ Entstanden ist er im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes zwischen der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam und dem RBB.

„Bundeskanzler Honecker“ ist eine Tragikomödie, die sich im Einheits-Jubiläumsjahr kritisch-lustig mit der Verklärung der DDR-Vergangenheit auseinandersetzt. Klandt nervt die „nostalgische Wehmut“ vieler ostdeutscher Familien, dass früher alles einfacher gewesen sei. „Da wird schnell außer acht gelassen, dass die DDR eine Diktatur war, in der Andersdenkende verfolgt und eingesperrt wurden.“ Diese Sozialromantik, die sich zwischen Bananen und Trabis bewege, werde an die Kinder weitergegeben.

Auslöser für das Drehbuch sei eine erschreckende Studie der Freien Universität gewesen: Fast 90 Prozent der befragten Abiturienten hatten angegeben, nichts oder wenig über die DDR zu wissen, nur 30 Prozent hätten gewusst, wer die Berliner Mauer gebaut hat.

Eine Mauer gibt es auch heute noch zwischen Süd- und Nordkorea. Insofern bildet der Premierenort für Christian Klandt eine Klammer zu seinem Film, der wie „Weltstadt“ kontroverse Debatten erwarten lässt.

Mit dem Plakat zum Film hat der Beeskower Künstler Bernhard Ast eine sozialistische Karikatur abgeliefert, die jetzt DVD-Cover, Poster und Flyer ziert. „Ich bin sehr froh, dass so eine Verbindung nach Beeskow besteht“, lobt Klandt.

Der Filmstudent freut sich, dass er im Jubel-Einheitsjahr mit seinem Film „quer schießen“ kann. Er und sein Produzent Dieter Lischke wünschen sich, dass Schulen und Bildungsinstitute das Medium Kunst für eine Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit nutzen – damit manchem „das Lachen im Halse stecken bleibt.“

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