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Berlinale-Programm noch politischer als in den Vorjahren / Jurymitglieder stehen fest

Apokalypse mit Humor

Der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Dieter Kosslick
Der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Dieter Kosslick © Foto: dpa
Mathias Puddig/dpa / 31.01.2017, 19:17 Uhr
Berlin (MOZ/dpa) "Du, lass dich nicht verbittern in dieser bitteren Zeit. Die Herrschenden erzittern, sitzt du erst hinter Gittern, doch nicht vor deinem Leid." Es ist ungewöhnlich, doch Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat die Vorstellung des diesjährigen Programms am Dienstag mit ein paar Versen begonnen. Die Zeilen aus Wolf Biermanns Lied "Ermutigung" sind programmatisch zu verstehen. Kosslick umriss so, was sein Festival sich vorgenommen hat - und machte klar: Die Berlinale, die sich von je her als politisches Filmfestival versteht, wird in diesem Jahr noch etwas politischer.

Viele Regisseure versuchten, die verunsichernde Gegenwart vor dem Hintergrund der Geschichte zu verstehen, sagte Kosslick. "Die Künstler beschreiben die alltägliche Apokalypse. Das tun sie jedoch nicht ohne Humor und nicht ohne Ausweg." Schon "Django", der das Festival am 9. Februar eröffnet, zeige dies. Etienne Comar erzählt darin das Schicksal des französischen Jazzmusikers Django Reinhardt und von dessen Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris im Jahre 1943. Zahlreiche weitere Filme blicken zurück auf Kriege, Konflikte und ihre Folgen für die Gegenwart - sei es in Lateinamerika oder Europa.

Auffällig ist, dass Deutschland wieder stärker im Wettbewerb vertreten ist. Gleich drei Filme konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären. So stellt Volker Schlöndorff seine Max-Frisch-Hommage "Rückkehr nach Montauk" mit Nina Hoss und Stellan Skarsgård in den Hauptrollen vor. Mit dem Künstler Joseph Beuys beschäftigt sich Andres Veiels Dokumentarfilm "Beuys". Als Vater-Sohn-Roadmovie ist "Helle Nächte" angekündigt, mit dem der Regisseur Thomas Arslan zur Berlinale zurückkehrt.

Wer die Bären schließlich gewinnt, wird am 18. Februar bei der Abschlussgala des Festivals verkündet. Und neben Jury-Präsident Paul Verhoeven stehen jetzt auch die anderen Jury-Mitglieder fest. So konnten die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch ("Sophie Scholl - Die letzten Tage") und ihre US-amerikanische Kollegin Maggie Gyllenhaal ("Secretary", "The Dark Knight") ebenso für das Festival gewonnen werden wie der chinesische Regisseur Wang Quan'an, der mexikanische Schauspieler Diego Luna ("Rogue One"), der isländische Künstler Olafur Eliasson und die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha.

Bei allem Ernst soll in diesem Jahr allerdings auch der Glamour nicht zu kurz kommen. Und für den sorgen unter anderem die Schauspieler Penélope Cruz und Richard Gere, die in Berlin erwartet werden. Auch "Twilight"-Star Robert Pattinson und der australische Schauspieler Hugh Jackman werden über den roten Teppich schreiten - dieses Jahr allerdings unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

"Nicht alle, die am roten Teppich stehen, sind Berlinale-Fans", sagt Dieter Kosslick und verspricht: "Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Wir haben getan, was man in solchen Situationen tun kann." Dass das auf die Stimmung beim Festival durchschlägt, ist jedoch nicht zu erwarten: "Wir sind auch kein Flughafen." Wegen zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen bat er Besucher dennoch: "Bringen Sie nicht ihren ganzen Hausrat mit in den Berlinale-Palast."

Wer das beherzigt, kann sich erneut auf eine spannende Berlinale freuen. Der Vorverkauf beginnt am kommenden Montag um 10 Uhr morgens.

Mehr zum Thema: www.moz.de/berlinale und storytelling.moz.de/berlinale

In Zahlen


■ 399 Filme werden bei der 67. Berlinale gezeigt - das sind 34 weniger als im vergangenen Jahr. Auch die Zahl der Vorführungen ist etwas gesunken: Statt 981 gibt es diesmal nur 923 öffentliche Vorführungen.
■ Ein gutes Viertel der Filme kommt aus Deutschland - nämlich 104. Allein im Wettbewerb sind drei deutsche Filme zu sehen. Insgesamt sind 72 Produktionsländer bei der Berlinale vertreten. 2016 waren es 77.(MOZ)

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