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Regisseur Paul Verhoeven übernimmt Vorsitz der Wettbewerbs-Jury

Lust auf Skandal: Berlinale Jury-Präsident Paul Verhoeven

 Paul Verhoeven
Paul Verhoeven © Foto: dpa
Simon Rayß / 09.02.2017, 22:05 Uhr - Aktualisiert 09.02.2017, 23:19
Berlin (MOZ) Ein Wort drängt sich unweigerlich auf, wenn ein Filmliebhaber den Namen Paul Verhoeven hört: "Skandal". Manch anderer mag an "Gewalt", "Sex" und "Lust" denken. Oder auch gleich an: "Lust auf Skandal". Denn wie kaum ein anderer Regisseur hat Verhoeven im Laufe seiner 50-jährigen Karriere mit Freude die Grenzen des Zeigbaren ausgelotet, ohne sich aus dem Mainstream-Kino zu entfernen.

Da wäre natürlich der Millisekunden währende Blick unter den Rock von Sharon Stone in "Basic Instinct" (1992). Aber auch die grelle Gewalt von "Robocop" (1987) und "Total Recall" (1990) sowie die unverhohlen faschistoide Ästhetik, die er 1997 in "Starship Troopers" zitiert. Ein Jahr zuvor hat sich der Regisseur derart genüsslich im schlechten Geschmack gesuhlt, dass er für sein Las-Vegas-Opus "Showgirls" gleich sieben Goldene Himbeeren bekommt, diese Auszeichnung für den schlechtesten Film des Jahres. Doch Verhoeven hat den seltenen Schneid, alle sieben persönlich entgegenzunehmen.

Wie die erst geschmähten "Showgirls" inzwischen von Regie-Größen wie Quentin Tarantino geadelt worden sind, so genießt Paul Verhoeven in der Branche heute eine Hochachtung, die ihm auch den Job als Präsident der Berlinale-Jury eingebracht hat. "In der Bandbreite seines Filmschaffens spiegelt sich seine kreative, vielfältige Verwegenheit und sein Experimentierwillen", sagt Festivalleiter Dieter Kosslick.

Hilfreich bei der Wahl ins Gremium ist sicherlich auch der Erfolg seines aktuellen Films gewesen: Mit "Elle" hat er bereits den deutschen Beitrag "Toni Erdmann" bei den Golden Globes ausgestochen. Hauptdarstellerin Isabelle Huppert kann sich Ende Februar Hoffnungen auf einen Oscar machen.

Doch auch mit "Elle" eckt Verhoeven an. Darf ein Film, der von der Vergewaltigung einer Frau erzählt, derart unterhaltsam sein? Darf er auf jede moralische Wertung verzichten? Der Regisseur sagt: auf jeden Fall. "Es gibt einen Mangel an Filmen für Erwachsene", konstatiert er am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Berlinale-Jury. Wenn es nur noch darum gehe, einen möglichst großen Markt zu bedienen, sei das bedrohlich.

Paul Verhoeven ist mittlerweile 78 Jahre alt. Ein drahtiger Mann mit gebräunter Haut und so vollem wie grauem Haar, Doktor der Physik und Mathematik und Vater zweier Töchter. Seine Augen blitzen dunkel, wenn er erklärt, dass er sich auf kontroverse Wettbewerbsfilme freut. Mit Blick auf seine Jury-Kollegen fügt er hinzu: "Ich hoffe, wir werden hitzige Diskussionen haben." Das glaubt man ihm gern.

Mehr zum Thema: www.moz.de/berlinale

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