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Arslan bei der Berlinale - Quälend langsam durch den Nebel

Schweigen und streiten: Luis (Tristan Göbel, l.) und Vater (Georg Friedrich) haben sich nicht viel zu sagen.
Schweigen und streiten: Luis (Tristan Göbel, l.) und Vater (Georg Friedrich) haben sich nicht viel zu sagen. © Foto: Berlinale/Schramm Film / Marco Krüger
Gitta Dietrich / 13.02.2017, 19:45 Uhr - Aktualisiert 13.02.2017, 23:07
Berlin (MOZ) "Du siehst hässlich aus, wenn du dich aufregst", meint Michael trocken zu seiner Freundin und wendet sich ab von ihr. Der österreichische Bauingenieur (Georg Friedrich) ist alles andere als ein Menschenfreund, eher ein einsamer Wolf. Der Kontakt zu Sohn Luis (Tristan Göbel) ist so gut wie abgebrochen.

Dennoch machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Norwegen, um das Begräbnis von Michaels Vater zu organisieren - ein Mann von ähnlichem Schlag. Nach der Trauerfeier reisen die einander Fremden weiter in Richtung Norden. Es wird geschwiegen und gestritten. Die langen Tage der Sommersonnenwende lassen Michael nicht in den Schlaf finden, gleichzeitig gibt es für die beiden keinen Rückzugsort. Nach einem Zwischenfall nähern sie sich schließlich in der wilden Natur an.

Seit zehn Jahren unterrichtet Regisseur Thomas Arslan an der Universität der Künste Berlin, zählt mit seinen Autorenfilmen zur Berliner Schule. 2013 trat er erstmals mit dem Western "Gold" im Wettbewerb an. In "Helle Nächte" geht es "um das Suchen nach einer gemeinsamen Sprache", so Arslan selbst über sein neuestes Werk auf der Berlinale-Pressekonferenz.

Neben Friedrich und Göbel spielt eindeutig Norwegen die dritte Hauptrolle. Das Land bestimmt das Tempo der Reise. "Ich habe eine Landschaft gesucht, die möglichst wenig Ablenkung bietet, damit Vater und Sohn einander wirklich ausgeliefert sind und versuchen müssen, miteinander auszukommen", sagt Arslan.

"Helle Nächte" ist ein Roadmovie der anderen Art, was nicht unbedingt Gutes verheißt. Der Erzählrhythmus ist langsam, sehr langsam, viel zu langsam - minutenlang geht es über Schotterwege, durch den Nebel in die Berge. Dieses Tempo ist quälend für den Zuschauer, man muss es aushalten wollen.

Zwar ist es eine Freude, den ungeschönten, direkten Friedrich (der bereits in Josef Haders "Wilde Maus" zu sehen war) zu beobachten, aber viel mehr hat Arslans Film nicht zu bieten. Und so richtig viel Spaß hatte Tristan Göbel (bekannt aus "Tschick") bei den Dreharbeiten anscheinend ebenfalls nicht, wie er nach der ersten Vorführung verriet - in erster Linie sei es kalt gewesen.

Auch der zurückhaltende Applaus nach der Pressevorführung lässt vermuten, dass dieser deutsche Wettbewerbsbeitrag nur auf geringe Gegenliebe stoßen wird. Ein zähes Werk, aus dem ein wunderbarer Kurzfilm hätte werden können. Nur eingeschworene Norwegenfreunde werden über die vollen 86 Minuten auf ihre Kosten kommen.

Dienstag, 9,30 und 17.30 Uhr, Friedrichstadt-Palast; Sonntag, 21.45 Uhr, Friedrichstadt-Palast

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