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Im grimmigen Superheldenfilm "Logan" schlüpft Hugh Jackman zum zehnten Mal in die Rolle von Wolverine

Wenn Mutanten alt werden

 Logan
Logan © Foto: Berlinale/Twentieth Century Fox
Simon Rayß / 18.02.2017, 23:30 Uhr
Berlin (MOZ) So standfest Superhelden in ihrem Einsatz fürs Gute auch sind: Ihre Besetzung wechselt im Kino gerne einmal. Im Sommer zwängt sich beispielsweise schon wieder ein neuer Darsteller ins Spider-Man-Kostüm - der dritte seit 2002. Bereits zwei Jahre länger gibt Hugh Jackman einen anderen Helden aus dem Universum der Marvel-Comics: Wolverine.

In zehn Filmen hat der Schauspieler den Mutanten, der zum Kreis der X-Men gehört, schon gespielt. Wolverine - oder Logan, wie er bürgerlich heißt - ist eine Kampfmaschine, von der Natur mit der Fähigkeit zur schnellen Heilung, von Wissenschaftlern mit einem unkaputtbaren Skelett und ausfahrbaren Klauen versehen. Darüber hinaus ist er ein einsilbiger Griesgram - in "Logan", der im Wettbewerb außer Konkurrenz läuft, sogar ein bisschen griesgrämiger als sonst. Aus gutem Grund.

In einer nahen Zukunft sind die Mutanten von der Menschheit dezimiert worden. Logan hat sich nach Mexiko zurückgezogen, um dort seinen Lehrmeister Charles Xavier (Patrick Stewart) zu behüten - vor der Außenwelt, aber auch vor sich selbst. Xavier, dieser Supermutant mit telepathischen Kräften, ist in die Jahre gekommen. Eine Krankheit hat sich seines Gehirns bemächtigt und es in den Augen der Behörden in eine unkontrollierbare Massenvernichtungswaffe verwandelt. Logan passt auf, dass Xavier brav seine Tabletten nimmt, um folgenschwere "Anfälle" zu vermeiden.

Zwischenzeitlich verdingt er sich als Limo-Fahrer und will möglichst wenig Aufsehen erregen - was ihm natürlich nicht gelingt. Eine Unbekannte macht ihn ausfindig und bittet ihn, ein wortkarges Mädchen vor sinistren Wissenschaftlern in Sicherheit zu bringen. Wortkarg? Wissenschaftler? Das klingt nicht ohne Grund nach Logan selbst: Das Mädchen (Dafne Keen) ist ebenfalls eine im Labor entstandene Kampfmaschine - gezüchtet aus Wolverines DNA.

"Logan" kommt also beinahe als Familiengeschichte daher. Tatsächlich lässt sich der Film Zeit, die Konflikte zwischen den Protagonisten durchzudeklinieren. Regisseur James Mangold ("Walk the Line") verengt den Fokus der düsteren Geschichte: kein Heer an Statisten, keine Welt, die es zu retten gilt. Stattdessen inszeniert er die Flucht angenehm geradlinig, ohne auf ausgedehnte, ungewöhnlich brutale Actionszenen zu verzichten.

Da sich der Film nicht der Logik der Überbietung beugen will, bleibt am Ende das große Effekte-Gewitter aus. Stattdessen folgt Nahkampf auf Nahkampf. Doch die Wege der beiden, muskulöse Bösewichter mit ihren Klauen ins Jenseits zu befördern, sind nun mal überschaubar. So stellen sich Ermüdungserscheinungen ein - sowohl beim Publikum als auch beim reifen Wolverine. "Logan" soll sein letzter Auftritt sein. Mal sehen, wie lange dieser Vorsatz hält.

Sonnabend, 15 und 21.30 Uhr, Friedrichstadt-Palast; Sonntag, 21.30 Uhr, Berlinale Palast

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/berlinale

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