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Alexander Kühne erzählt im Erinnerungsroman "Düsterbusch City Lights", wie er mit Musik die DDR verändern wollte

David Bowie in der Niederlausitz

Alexander Kühne, 2015
Alexander Kühne, 2015 © Foto: Erik Weiss
Boris Kruse / 18.03.2016, 20:13 Uhr
Lugau (MOZ) Von Lugau in der Niederlausitz nach London ist es ein weiter Weg. Alexander Kühne hat Anfang der 80er-Jahre viel unternommen, um den Weg zu verkürzen. Der Heranwachsende hat damals in einer heruntergekommenen Dorfkneipe Disco-Nächte und Konzerte mit Bands des DDR-Untergrunds veranstaltet. Immer am Rand der Legalität oder knapp jenseits davon.

Jetzt hat Kühne seine Erinnerungen zu einem Roman verdichtet. In "Düsterbusch City Lights" wird Lugau, 600 Einwohner damals, zu dem titelgebenden fiktiven Ort, einem Inbegriff des provinziellen Nirgendwo, in dem sich das Jungsein allerhöchstens in innerer Emigration aushalten lässt. Oder mit sehr viel Alkohol.

Da ist also Realitätsflucht angesagt. Und aufsässiger Trotz. Kühnes Alter Ego heißt Anton Kummer, ist Sohn einer Lehrerin, gerät aber früh in Konflikt mit dem sozialistischen Bildungs- und Erziehungssystem. Seine Leidenschaft gilt der Musik. Zunächst ist es noch der Rock der 70er-Jahre, den Anton und sein gutmütiger Freund Frank Sprenzel hören. Doch Anton spürt, dass Veränderung in der Luft liegt - wenn auch noch nicht auf seiner Seite des Eisernen Vorhanges. Es sind die Jahre, in denen David Bowie in Westberlin lebt, in denen von London und New York aus der Punk und der Wave die alten Zöpfe der Hippies abschneiden.

Der Held beschließt, nicht in die Hauptstadt der DDR umzuziehen wie alle anderen, die mehr vom Leben wollen. Sondern er versucht mit unerschütterlichem Optimismus, die Welt in sein Dorf zu holen. Einen erfolglosen Kneipenwirt überredet er, ihm seinen Saal zur Verfügung zu stellen. In der Folge erlebt der Leser zwei einander entgegengesetzte Entwicklungen. Während Anton Kummer immer weiter durch das soziale Netz rauscht und sich mit Malocher-Jobs durchschlagen muss, erlebt er einen Aufstieg als Veranstalter und DJ. Aus allen Richtungen und sogar aus dem Westen pilgern Jugendliche zu den Parties, um am DDR-Untergrund zu schnuppern. Weil all dies unter dem Deckmantel vermeintlicher FDJ-Abende geschieht, ist Ärger vorprogrammiert.

Alexander Kühne porträtiert eine proletarische Landjugend, die in den frühen 80er-Jahren innerlich längst mit der DDR abgeschlossen hat. Das ist kurzweilig, wenn auch manchmal etwas holprig und durchsetzt von zotigem, manchmal gar sexistischem Humor. Dem Erzähler fehlt hier die Distanz zu seinem Alter Ego, die dies als Teil einer realistischen Erzählweise kenntlich gemacht hätte.

Irgendwann hat es Alexander Kühne dann doch nicht mehr in seinem Dorf gehalten. 1990, im Jahr des Unterganges der DDR, zog er nach Berlin. Dort arbeitet er heute als Drehbuchautor.

Alexander Kühne: "Düsterbusch City Lights", Heyne Verlag, 384 Seiten, 14,99 Euro

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