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Erklärter Fan des Bilderbuchs: Oliver Spatz, künstlerischer Leiter des Festivals
Erklärter Fan des Bilderbuchs: Oliver Spatz, künstlerischer Leiter des Festivals © Foto: Antje Scherer
Antje Scherer / 06.09.2019, 08:00 Uhr
Müncheberg (MOZ) Das 7. Internationale Bilderbuchfestival versammelt in Müncheberg erneut Stars der Szene. Fürs kommende Jahr ist die Verleihung des ersten Brandenburgischen Bilderbuchpreises geplant.

Wussten Sie, dass in einer Kleinstadt in Brandenburg ein Hotspot der Bilderbuch-Szene liegt? Macht nichts; zumindest die Stars der Branche wissen das. Etwa Jutta Bauer, eine der bekanntesten deutschen Illustratorinnen ("Die Königin der Farben") – auf Facebook hat die vielfach ausgezeichnete Hamburgerin kürzlich eine Ankündigung zum Bilderbuchfestival in Müncheberg geteilt: "ohne Jutta" schreibt sie dazu traurig neben einem weinenden Smiley.

Zum siebten Mal startet heute in Märkisch-Oderland dieses internationale Festival rund ums Bilderbuch. Es bietet erneut Künstlern aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa ein Forum, lädt Schulen zum Mitmachen ein und bietet zahlreiche Veranstaltungen für die Öffentlichkeit: Man kann etwa unter Anleitung der Grafikprofessorin Grazka Lange aus Warschau selbst ein kleines Bilderbuch herstellen, es gibt Lesungen, einen Illustrations-Slam, bei dem die Gäste gegeneinander antreten (heute, 19 Uhr), und am Sonntag gleich mehrere offene Workshops. Zentraler Ort ist die Stadtpfarrkirche Müncheberg, Abstecher gibt es nach Buckow, Gorzów und Frankfurt (Oder).

Dieses Ausgabe steht unter dem Motto "Mitzeichnen!" und lädt ein, sich Themen der Zeit mit grafischen Mitteln zu stellen. Vorab gab es schon eine Veranstaltung zum Europatag, bei der Illustratoren (da war Juttta Bauer dabei) mit Schülern Sachen wie Umweltschutz illustriert haben.

Neu ist 2019 eine begleitende Ausstellung namens "Look! Polish Picturebook!". Die Wanderausstellung kommt aus Danzig und ist erstmals in Deutschland zu sehen. "Die Polen sind im Bilderbuch einfach die Größten; die trauen sich alles!", begeistert sich der Künstlerische Leiter, Oliver Spatz. Wer sich in die Schau, die einen Überblick von den 60er-Jahren bis heute bietet, vertieft, entdeckt tatsächlich eine Fülle an spannenden Themen, aufregender Typographie, ungewöhnlichen Techniken …

Sie bietet auch die seltene Gelegenheit, zu sehen, wie sich ein Stoff über Jahrzehnte entwickelt – etwa Adaptionen eines bekannten polnischen Kindergedichts über eine Lok von Julian Tuwim aus dem Jahr 1938; in der jüngsten Bearbeitung  (2014) von Malgorzata Gurowska geht es – grafisch und inhaltlich anspruchsvoll – um Waffenlieferungen oder Tiertransporte. Für Kleine gibt es Bücherkisten zum Stöbern und ein Buch als großes Bodenpuzzle; die wertvollen Exemplare liegen in Vitrinen.

Die Schau hängt schon seit Mitte August und Juliane Grützmacher von der Stadtpfarrkirche hat unterschiedliche Annäherungen beobachtet. Manche hätten wegen der Sprache Berührungsängste, andere blätterten gleich los. Zumindest die Buchtitel sind übersetzt und wer Englisch kann, kann auf einen dicken Katalog zurückgreifen. Alle Veranstaltungen werden gedolmetscht.

Neu ist dieses Jahr auch ein Schwerpunkt zu Comics aus Tschechien. Und spätestens dort wird klar: Bilderbuch ist keine harmlose Angelegenheit. Die Graphic Novel "Heilige Barbara" von Vojtech Mašek etwa beschäftigt sich mit einem Kriminalfall um ein misshandeltes Kind (Lesung 7.9., Buckow). Am Montag gibt der Autor einen Workshop in einer therapeutischen Einrichtung für Jugendliche.

Die Künstler sind zusammen in Buckow untergebracht und diese Gelegenheit zum Austausch mache für viele einen großen Reiz aus, berichtet Festivalmanagerin Barbara Bernsmeier. "Anfangs hieß es  noch:  ‚die Polen sind so gut, ich trau mich nicht‘, aber das hat sich gelegt", erzählt Oliver Spatz. Stolz ist man im kleinen Team auch, dass sich an der Oberschule der Stadt inzwischen ein Illustrationsklub gegründet hat.

Bislang musste sich das Festival jedes Jahr neu um die Finanzierung kümmern; ab der nächsten Ausgabe macht sich der Leiter aber Hoffnungen, dass das Land dauerhaft fördert. Und wenn alles klappt, kann 2020 auch erstmals  der Brandenburgische Bilderbuchpreis verliehen werden, um den schon eine Weile gerungen wird. Vielleicht wird Spatz‘ Vision von Müncheberg als der "Bilderbuch-Hauptstadt Europas" noch wahr.

Festival 6.–9.9., www.bilderbuchfestival.de; Eintritt frei; Schau noch bis 10.10.

Fünf Künstler,drei Länder

International: Die Gäste des Festivals kommen dieses Mal aus Tschechien (Michaela Kukovičová und Vojtěch Mašek), Deutschland (Hamed Eshrat und Marie Geissler) und Polen (Grazka Lange). Eröffnet wird das Festival heute um 16 Uhr in Müncheberg mit der Vorstellung der Graphic Novel von Hamed Eshrat: "Nieder mit Hitler!".

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