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Lesung
Fontane begibt sich auf Spurensuche

Lässt Fontane ermitteln: Frank Goyke las am Freitagabend aus seinem Roman "Altweibersommer", einem von vier Krimis über den Schriftsteller, in der Neuruppiner Stadtbibliothek.
Lässt Fontane ermitteln: Frank Goyke las am Freitagabend aus seinem Roman "Altweibersommer", einem von vier Krimis über den Schriftsteller, in der Neuruppiner Stadtbibliothek. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 01.12.2019, 13:49 Uhr
Neuruppin Die ganz großen Momente des im Abklingen begriffenen Jubeljahrs "fontane.200" sind Vergangenheit. Es gibt kein außerordentlich bewegendes Musik- und Tanztheater mehr wie "Effi in der Unterwelt", das im August den Schulplatz zur riesigen Bühne werden ließ. Doch es bleibt noch Zeit für die kleineren, ebenfalls feinen Dinge, wie die Lesung mit Frank Goyke am Freitagabend in der Stadtbibliothek. Zwei Tage vor dem Ersten Advent fanden immerhin 25 Zuhörer den Weg zu dieser Veranstaltung.

Fontane ermittelt mit

Der 58-jährige Berliner Goyke stellte seinen Fontane-Krimi "Altweibersommer" vor. Anders als bei dem in der Gegenwart angesiedelten "Der Fall Fontane", aus dem Autor Johannes Wilkes vor wenigen Monaten in der Fontanebuchhandlung las, geht es bei Goyke um Fontanes Zeit. Der große Romancier ermittelt selbst nach Kräften mit. Neu ist Goykes Buch nicht. Es erschien im be.bra-Verlag schon 2008. Noch drei weitere Bücher mit Spürnase Fontane schrieb Goyke bis 2013. Zeitweilig waren sie recht weit oben in den Bestsellerlisten.

Start mit nächtlicher Bootsfahrt

Goyke las gut eine Stunde lang aus seinem Roman, der 1873 mit einer nächtlichen Bootsfahrt über den Ruppiner See beginnt. Die Schilderung ist atmosphärisch dicht. Die Zuhörer erfuhren von der Liebe der örtlichen Fischer zu Sagen und Legenden und davon, dass Fontane seinerzeit vor Ort Material für die dritte Auflage seines Reiseführers "Die Grafschaft Ruppin" sammelte. Mit im Boot des Fährmanns saß Fontanes Ehefrau Emilie. Plötzlich durchdrang ein Schuss die nächtliche Stille.

An ihrem Ziel, dem Wustrauer Schloss, bei Albert Graf von Zieten-Schwerin angekommen, erfuhren die Fontanes, dass vor wenigen Minuten ein Toter im Wald gefunden worden sei. Theodor will mit an den Tatort und erkennt in dem durch einen Schuss aus der Jagdpistole stark Entstellten einen alten Bekannten. Wie jener nun tote Georg-Friedrich Schwartz hatte Fontane vor zwei Jahrzehnten bei der Zentralpressestelle des preußischen Innenministers gearbeitet. Beide waren kleine Angestellte. Inzwischen wurde aus Schwartz ein Freiherr Schwartz von Blohm. Der Mann hatte auf Gut Gnewikow eingeheiratet. Sehr reich war er aber schon zuvor durch Immobiliengeschäfte geworden. Bis zum Ende der Lesung blieb unklar, ob Schwartz von Blohm sich selbst das Leben genommen hatte.

Dass Fontane nicht nur in Goykes Romanen, sondern auch historisch verbürgt ein Feinschmecker war, davon konnten sich die Besucher am kleinen und feinen Büfett des Neuruppiner Geschäfts "Herr Fontane" einen Eindruck verschaffen.

Gegen Ende der Veranstaltung beantwortete Goyke Fragen aus dem Publikum. Wie war er auf den Ermittler Fontane gekommen? Ein Zufall sei das gewesen. Ein anderer Autor, der bereits eine Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts ermitteln ließ, sei damals erkrankt. Doch die Bücher liefen gut. Der Verlag wollte etwas Ähnliches von Goyke. Weil er sich bei Fontane und als Wanderer in Brandenburg auskannte, habe sich das Thema angeboten. Nein, einen fünften Fontane-Krimi werde es nicht geben. Stattdessen schreibe er aktuell an einem in der Gegenwart angesiedelten Kriminalroman, sagte Goyke, ehe er sich ans Signieren seiner begehrten Bücher machte.

Der Schriftsteller Frank Goyke

Frank Goyke wurde 1961 in Rostock geboren. Bereits während seiner Armeezeit erschienen erste Texte von ihm. In Leipzig studierte Goyke Theaterwissenschaften.

Der heutige Berliner ist bekannt für seine Ostsee-, Hanse- und Fontane-Krimis sowie die Kriminalromane mit Dietrich Kölling und Martin Roth. Außerdem veröffentlichte Goyke Ratgeber, Dokumentationen und schwule Erotik.⇥ug

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