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Neuauflage
DDR-Kinderbücher von Willi Meinck wieder im Druck

Amy Walker / 01.08.2020, 04:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wer hat Lust auf ein bisschen kulturelle Ostalgie? Für Liebhaber der DDR-Kinderliteratur – oder für diejenigen, die einfach in Kindheitserinnerungen eintauchen wollen – hat der Eulenspiegel Kinderbuchverlag eine Neuauflage von Willi Meincks "Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo" herausgebracht.

Der Klassiker von 1956 – bestehend aus zwei Bänden, die in ein Buch gefasst werden – erzählt die Geschichte des vaterlosen Jungen Marco Polo aus Venedig, der im 13. Jahrhundert in den fernen Osten ins heutige China aufbricht und unterwegs allerlei Gefahren erlebt. Es ist ein typischer Abenteuerroman für Jugendliche – es geht um Freundschaft, die Suche nach Familie und um eine gefährliche Reise.

Das Buch gehört jedoch auch zur Literatur, die trotz ihrer Popularität in der DDR in den Jahren direkt nach der Wende plötzlich aus den Bücherregalen verschwand. Das soll sich jetzt wieder ändern. Für die Neuauflage hat sich der Verlag an die drei Kinder Meincks gewendet.

"Leider hat er die Anerkennung für seine Geschichten nicht mehr erlebt. Das ist schade, das war ja sein Lebenswerk. Er wollte auch noch mehr schreiben", sagt Sabine Talaska, Tochter von Willi Meinck. Ihr Vater starb 1998 an einer Herzkrankheit, hat also die Wiederentdeckung von Literatur aus dem Osten nicht mehr erlebt. "Der neue Druck freut mich jetzt also umso mehr."

Die Tochter eines bekannten Schriftstellers zu sein, das hat Sabine Talaska als nicht einfach empfunden. In der Schule sei sie gemobbt worden. "In der zweiten oder dritten Klasse ist mir das bewusst geworden, dass die anderen Kinder und deren Eltern ein Problem mit mir hatten. Das war nicht einfach", sagt Sabine Talaksa, die heute in Frankfurt (Oder) als Ärztin arbeitet. Ihre beiden Brüder hätten ähnliche Erfahrungen gemacht. Die schönen Erinnerungen an die Geschichten ihres Vaters habe das aber nicht getrübt – die Bücher habe sie ihren beiden Kindern vorgelesen, ihrem Enkel will sie sie eines Tages auch zeigen. "Es ist schwer, gute Kinderliteratur zu finden. Es gibt einfach so viel. Aber es ist total wichtig, Kinder zum Lesen zu animieren."

Zu DDR-Zeiten lebte Willi Meinck mit seiner Familie in Zittau. Sabine Talaska erzählt, dass sie ihren Vater in jungen Jahren eigentlich gar nicht kannte. "Das war in der Generation so, die Eltern-Kind-Beziehung war nicht so eng. Und er war ein schweigsamer Mensch." Nach Meincks Tod hat die Familie unpublizierte Erinnerungen aus den 80er-Jahren gefunden. "Dadurch habe ich ihn kennengelernt und erfahren, dass er eigentlich noch viel mehr reisen wollte", so Sabine Talaska. Ein Leben lang in Zittau – das wäre nicht sein Wunsch gewesen.

Die Abenteuerlust von Marco Polo war inspiriert durch die große Reiselust des Autors, der viel unterwegs war: Vor allem in Sri Lanka sei er mehrmals gewesen, durch einen Schriftstelleraustausch hatte er dort Freundschaften. "Und das Erste, was ich nach der Wende gemacht habe, war, nach Sri Lanka zu fahren. Leider konnte mein Vater da nicht mehr mit", so Sabine Talaska.

Suche nach weiteren Schätzen

Die Wiederauflage von "Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo" ist Teil eines Versuches des Eulenspiegel Verlages, das kulturelle Erbe der DDR wieder aufblühen zu lassen. "Wir wollen die Seele der DDR-Bürger ein bisschen streicheln", sagt Verlagssprecherin Susanne Uthleb. Der Verlag sei ständig auf der Suche nach alter DDR-Literatur, insbesondere für Kinder. Sie recherchieren die Rechteinhaber in der Hoffnung darauf, alte und neue Schätze entdecken zu können. "Mit dabei sind gerade Kinderbücher von Nils Werner wie ,Teddy Brumm‘ und ,Alarm im Kasperletheater‘", berichtet SusanneUthleb. Meincks Familie aufzufinden, war also ein Glückstreffer.

Willi Meinck: "Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo", Eulenspiegel Kinderbuchverlag, 704 S., 19,99 Euro

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