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Skandalautorin Helene Hegemann stellt sich der Debatte

05.03.2010, 15:02 Uhr
München Es kam anders als gedacht: Als die Münchner Kammerspiele vor wenigen Monaten die damals noch 17-jährige Helene Hegemann einluden, wollten sie einer jungen unbekannten Autorin eine Plattform bieten. Inzwischen hat Hegemann mit ihrem Roman "Axolotl Roadkill" eine riesige Debatte zum Urheberrecht losgetreten und wurde zur medienbekannten Skandalautorin. Deshalb war das Neue Haus der Kammerspiele am Donnerstagabend restlos ausverkauft. Und Hegemann sprach weniger über ihr Buch als über Medienhetze und ihr neues Dasein im Rampenlicht.

Nach der Lesung aus "Axolotl Roadkill" durch die Kammerspiel-Schauspieler Katja Bürkle und Steven Scharf saß Hegemann neben Juno Meinecke auf dem Podium, mit der sie seit einigen Jahren befreundet ist. Die Töchter berühmter Väter - Carl Hegemann ist Dramaturg und Vordenker der Berliner Volksbühne, Thomas Meinecke Pop-Autor und DJ - sollten über die bevorstehende Revolte gegen die Welt der Erwachsenen sprechen. Soweit die Idee des Dramaturgen Matthias Günther, die die beiden jedoch nicht besonders ernst nehmen konnten. "Es geht eher um die Geste, dass hier zwei kleine Mädchen sitzen, die so tun, als wären sie pseudo-aufsässig", sagte Hegemann zu Beginn ihres Auftritts.

Viel lieber wollte sie über "die Debatte im Ausmaß einer Naturkatastrophe" sprechen, die in der Blogger- und Literaturszene seit Wochen um ihr Buch geführt werde. "Egal was ich sage, es wird gegen mich verwendet", sagte Hegemann. "Ich bin verwirrt und habe Angst, dass hier mindestens 20 Leute sitzen, nur um mich scheitern zu sehen." Die Lesung war einer der ersten öffentlichen Auftritte von Hegemann, nachdem sie sich im Februar dem Medienrummel um ihre Person zunächst entzogen hatte.

Grund waren die Plagiatsvorwürfe, die Anfang Februar gegen sie laut geworden waren. Tatsächlich ließ sich Hegemann von anderen Autoren mehr als nur inspirieren. Vor allem Teile des Romans "Strobo", der aus der Feder eines Bloggers mit dem Pseudonym Airen stammt, übernahm sie in ihr eigenes Buch. Das belegt der Berliner Ullstein-Verlag in der mittlerweile vierten Auflage von "Axolotl Roadkill" durch eine umfangreiche Quellendokumentation. Dennoch stünden die Reaktionen der Medien in keinem Verhältnis zu den übernommenen Stellen: "Alles zusammengenommen handelt es sich vielleicht um ein bis drei Seiten."

Besonders absurd findet es Hegemann, sofort in die Ecke der drogenabhängigen Pop-Poetin gedrängt zu werden: "Ich versuche ständig, mich darauf zu berufen, dass ich das alles nicht im Delirium geschrieben habe." In ihrem Roman folgt sie der Anti-Heldin Mifti in Endlossätzen und Assoziationsketten durch eine Welt des anonymem Sex, der Drogen und Selbstmordfantasien. "Dabei geht es gerade um Leute, die nicht nach gängigen Vorstellungen funktionieren", sagte Hegemann. "Aber der Rest der Welt denkt offensichtlich nur in Schubladen, sonst würde dieses Buch nicht so viel Hass auf sich ziehen."

Vom an diesem Abend sehr gemischten Publikum bekam Hegemann eher Zuspruch und Komplimente für ihr Werk. Und trotz aller "Wut und Demütigung" über die Zeitungsschlacht weiß sie den Werbeeffekt durchaus zu schätzen: "Natürlich ist es cool, gelesen zu werden und plötzlich eine Art Zugriff auf sein Land zu haben." Allerdings habe sie Schwierigkeiten, wieder etwas Neues zu schreiben, sagt sie: "Ich bin nicht mehr unbefangen, soviel ist sicher."

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