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Call Me By Your Name
Heißer Sommer

Call My By Your Name
Call My By Your Name © Foto: Sony Pictures Entertainment
Stefan Klug / 21.08.2018, 09:59 Uhr
(MOZ) Die Abläufe gleichen sich. Wie jedes Jahr fährt Elio mit den Eltern auf die Sommerresidenz. Sechs Wochen lang wird er auf das Ende der Ferien warten, lesen, Musik schreiben und wieder mit der kleinen Französin flirten. Und er wird einen neuen Doktoranden kennenlernen, der seinen Vater, einen Professor, bei der Arbeit unterstützt. Doch kaum ist jener neue, Oliver, ein Amerikaner, eingetroffen, verändert sich die Situation. Blicke, Worte, dann auch Berührungen. Obwohl der 17-jährige bei seinem Sommerflirt Marzia so weit vorankommt wie noch nie, ist da ein neuer Reiz, etwas unbekanntes. Und der Teenager lässt es zu, so wie auch der ältere Oliver. Die beiden kommen sich näher, ganz nah und plötzlich, so scheint es, sollte der Sommer nie zuende gehen.

Lang sind sie her die großen Zeiten des italienischen Kinos. Doch Luca Guadagnino macht Hoffnung. Nicht nur, weil dessen „Call Me By Your Name“ als beste Buchadaption einen Oscar gewonnen hat, sondern weil auch die Leichtigkeit auf die Leinwand zurückgekehrt ist. Der Regisseur nimmt uns mit in einen Sommer des Jahres 1983, ein Sommer, wie wir ihn gerade erlebt haben, warm, sonnig, andauernd. Entsprechend relaxed geht der Italiener zu Sache, scheint alle Zeit der Welt zu haben, fällt nicht mit der Tür ins Haus sondern führt die Familie ein, den Amerikaner, die Freunde. Und er zelebriert das Spiel von Verlangen und Verweigerung, das die beiden Liebenden bis zur ersten Vereinigung treiben. 130 Minuten vergehen, ohne dass es auch nur ein einziges Mal hektisch oder angespannt wird und man wundert sich selbst, mit welcher Geduld man der aufs Wesentliche reduzierten Handlung folgt. Umschmeichelt von schönen Bildern und warmen Farben wird der Zuschauer Teil dessen, was er vor sich sieht. Er nimmt teil, erlebt die Höhen und Tiefen solch einer zeitlich begrenzten Beziehung und wird schließlich mit weisen Worten des Vaters sowie bitteren Tränen des Sohnes in den Abend entlassen.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 130 Minuten; Verleih: Sony Pictures Entertainment; Regie: Luca Guadagnino; Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg; I 2017

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