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Dunkirk
Beängstigend realistisch

Dunkirk
Dunkirk © Foto: WHV
Stefan Klug / 08.01.2018, 10:46 Uhr
(MOZ) Vor ihnen der übermächtige Feind und im Rücken die unbarmherzige See. 400 000 englische und französische Soldaten sind Anfang Juni 1940 bei Dünkirchen gefangen. Sie harren am Strand aus in der Hoffnung auf Hilfe, während die Luftwaffe ein munteres Scheibenschießen veranstaltet. Noch halten die letzten Barrikaden. Danach wäre dann nur noch Massaker. Vereinzelt schaffen es einige Spitfire hinüber von der Insel und können das Schlachten kurz unterbrechen. Und auch so manches Schiff vermag den Abwehrriegel der deutschen U-Boote zu durchbrechen. Wirklich Entlastung bringt das aber nicht. Die erhofft sich der Generalstab aus der Mobilmachung hunderte privater Boote. Doch ehe die es über den Kanal geschafft haben vergehen viele Stunden. Stunden, in denen verzweifelte Soldaten jeden Strohhalm nutzen, am Leben zu bleiben.

Christopher Nolan widmet sich einem der großen Weltkriegsdramen auf seine Weise. Er greift sich wenig Stunden vor Beginn der gigantischen Rettungsaktion und lässt den Zuschauer wirklich von allen Seiten, bis auf der des Feindes, am Geschehen teilhaben. So erschafft er ein Puzzle auf Zeitebenen, Sichten und Achsen, die erst mit fortlaufender Spielzeit einen wirklichen Sinn ergeben. Dies um so mehr, als dass die Ordnung mitnichten immer chronologisch erfolgt. An Land, zu Wasser und in der Luft werden exemplarisch nur wenige Protagonisten ausgesucht, an denen das Geschehen festgemacht wird. Die Erzählstruktur ist ungewohnt, sorgt aber dafür, dass, obwohl relativ wenig passiert, immer etwas los ist auf der Bildfläche. Für diese hat Nolan im IMAX-Format gedreht und der Transfers zu 4-K ist einfach atemberaubend. Natürlich ist von der Farbenseite her das Spektrum beschränkt, die meisten Handelnden tragen dunkle Uniformen. Aber Plastizität und Bildschärfe, Kontrast und Tiefenwahrnehmung sind erste Güte. Sie garantieren ein Erleben vielleicht sogar über den gewollten Punkt hinaus. Wer will schon realistisch am Kriegsgeschehen teilhaben. Je größer der Bildschirm, desto beeindruckender wird das Erlebnis. Der Ton kann auf diesem absoluten Spitzenniveau vielleicht nicht ganz mithalten. Ohne Atmos fehlt etwas Fülle. Aber das ist eigentlich schon meckern auf ganz hoher Stufe.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 107 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Christopher Nolan; Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden; GB/USA/F 2017

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