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Coco
Der Tod in seiner schönsten Form

Coco
Coco © Foto: Disney
Stefan Klug / 16.04.2018, 09:27 Uhr
(MOZ) Was ist das Leben ohne Musik? Normal, für Miguel. Denn in dessen Familie ist sie verpönt. Einst hatte der Vater seiner Großmutter Coco Mutter und Tochter verlassen. Seitdem finden sich keine Instrumente mehr im Haus. Außer auf dem Dachboden, denn der Junge ist ein leidenschaftlicher Gitarrenspieler - im Verborgenen, versteht sich. Am Día de los Muertos will er an einem Wettbewerb auf der Plaza teilnehmen, und „borgt“ sich dafür die Klampfe vom Grab des Ernesto de la Cruz, dem Star der Gegend. Unbewusst überschreitet der Zwölfjährige dabei aber die Grenze zum Reich der Toten und trifft prompt auf seine Vorfahren. Mit deren Segen kann er zwar ins Diesseits zurückkehren, doch das wäre mit der Bedingung verknüpft, nie wieder ein Lied zu spielen. Also begibt sich Miguel auf die Suche nach dem Vater von Coco. Der war schließlich Musiker und wird seinem Nachkommen ja wohl nicht die ureigenen Leidenschaft verbieten. Was Miguel in den folgenden Stunden erlebt, übersteigt seine kühnsten Vorstellungen...

...und die des Publikums auch. Zwar bereitet Disney die Zuschauer mit dem Zusatztitel „Lebendiger als das Leben“ schon ein wenig auf das vor, was dann folgt, aber so wirklich begreifen wird man es erst, wenn der Abspann läuft. Pixar, das Herstellerstudio, ist seit Jahren bekannt für ungewöhnliche Stoffe. Mit „Coco“ bedient man sich hier zwaran einer fast realistischen Geschichte. Aber was am Día de los Muertos in Mexiko abgeht, ist mit mitteleuropäischen Maßstäben von Totengedenken eh nicht vergleichbar. Denn eines ist klar, eine Trauerveranstaltung erleben wir nicht. Im Gegenteil. Bunt, vergnügt, auch nachdenklich, sehr emotional, aber immer positiv vorangehend präsentiert sich das Spektakel.

Man mag kleingeistig den Machern entgegen halten, dass sie bei allem originellen Setting ihre Geschichte dennoch an klassischen Mustern ausgerichtet haben. Aber man sollte andererseits das Publikum auch nicht überfordern. Denn natürlich bietet „Coco“ nicht wirklich inhaltliche Überraschungen, aber der Weg ist auch das Ziel. Und diesen beschreitet das Team um Lee Unkrich und Adrian Molina ideenreich und mit viel Gespür für etwas, was über das typisch mexikanische hinausgeht. Es ist vor allem die Erinnerung an die eigene Familie, an jene, die nicht mehr da sind und trotzdem Teil unseres Lebens bleiben sollten. Vor allem in einer immer technisierteren und schneller voranschreitenden Gesellschaft. Und „Coco“ nimmt auch die Angst vor dem Tod. Denn womöglich ist da ja noch etwas, wenn einer nicht mehr da ist.

Technisch spielt das Aninmationsabenteuer - wie schon von Pixar gewohnt - in der höchsten Liga. Feingezeichnete Texturen, lebendige Animationen und eine Farbenpracht, die vor allem durch das mexikanische Grundthema sehr zum tragen kommt. Wer die Möglichkeit hat, den Film 3-D auf einem 2-D 4K-TV abzuspielen, wird, auf Grund der höheren Datenmenge das beste Bild erzeugen. Hier entwickeln sich ungemein plastische Ansichten, werden auch feine Details sichtbar.

Genre: Animation; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 105 Minuten; Verleih: Disney/Pixar; USA 2017

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