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Auguste Rodin
Im Rausch der Formen

Auguste Rodin
Auguste Rodin © Foto: Wild Bunch
Stefan Klug / 12.05.2018, 11:06 Uhr - Aktualisiert 15.05.2018, 14:41
Frankfurt (Oder) (MOZ) Auguste Rodin ist trotz seiner erst 40 Jahre ein landesweit anerkannter Künstler. Und so erhält der Bildhauer 1880 seinen ersten Staatsauftrag. Dantes „Göttlicher Komödie“ soll als Bronzeportal den Eingang des neuen Kunstgewerbemuseums im Pariser Louvre schmücken. Sechs Meter hoch und vier Meter breit. Eine Lebensaufgabe. Rodin geht sie mit der ihm typischen Verbissenheit und steten Unzufriedenheit mit dem eigenen Werk an. Ihm zur Seite steht die 24 Jahre jüngere Camille Claudel. Ein ebenso freiheitsliebender Geist und fachlich Auguste dicht auf den Spuren. Die beiden werden künstlerisch und persönlich ein Paar, gehen den Weg zehn Jahre gemeinsam. Doch während er ruhmvoll in die Geschichte eingeht wird sie zur tragischen Figur.

Letzteres ist Jacques Doillon jedoch kaum eine Bemerkung wert. Anders als Kollegen von ihm, die dem Schicksal der jungen Frau ganze Filme gewidmet haben, ist Camille anfangs einfach da und später dann ebenso einfach weg. Doillon fokussiert sich ausschließlich auf den Blickwinkel Rodins und zeigt gewissermaßen so auch, wie das Genie mit solchen persönlichen Trennungen ziemlich teilnahmslos umzugehen scheint. So hat er zwar stets die fachlichen Fähigkeiten Claudels zu berücksichtigen gewusst, ihr aber nie einen ebenbürtigen Platz neben sich eingeräumt. Die vielen Affären waren da nur Ausdruck der nach außen hin gezeigten Geisteshaltung. Jacques Doillon inszeniert sein Biopic so, als stände der Zuschauer immer mit im Atelier, wird Zeuge von Kleinigkeiten, Aufregern und dem steten Zweifel des Künstlers. Aber dessen direkten Blick hat man natürlich nicht vor dem Bildschirm, weswegen mitunter der Grund für so manche Reaktion sich nicht erschließt. Zudem deckt der Film zwar viele Jahre ab, rast aber mitnichten durch die Handlung. Ein oft mürrischer Rauschebart in der Hauptrolle steigert da auch nicht die Spannung. So sollte man schon einen Faible für Bildhauerei oder noch besser für Rodin haben, wenn man sich dem zweistündigen Werk hingibt.

Genre: Biopic; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 119 Minuten; Verleih: Wild Bunch; Regie: Jacques Doillon; Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele; F 2017

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