Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Alles Geld der Welt
Die Fratze des Geizes

Alles Geld der Welt
Alles Geld der Welt © Foto: Tobis
Stefan Klug / 04.07.2018, 13:00 Uhr - Aktualisiert 09.07.2018, 12:04
(MOZ) Unbezahlbar ist ein Begriff, den Paul Getty in seinem Wortschatz nicht führt. Schließlich ist er der reichste Mann der Welt, dessen Vermögen auf über eine Milliarde Dollar geschätzt wird. Einen Stück vom Kuchen möchte auch die kalabresische Mafia abhaben, die Enkel Paul III. entführt und 17 Millionen Dollar verlangt. Doch der Patriarch ist weder durch Drohungen noch durch das Weinen seiner Ex-Schwiegertochter zu erweichen. Schließlich habe er noch weitere Enkel, die dann auch entführt werden könnten. Gail Harris, die immer noch den Namen Getty trägt, gibt jedoch nicht auf. Mit dem Ex-Spion Fletcher Chace, der eigentlich der Sicherheitsberater des Opas ist, schmiedet sie ein ums andere Mal Pläne, wie sowohl die Kidnapper als auch der Alte überzeugt werden können, von ihrem Standpunkt abzurücken. Doch dann landet in einer Zeitungsredaktion das abgeschnittene Ohr des Jungen und die Sache nimmt eine dramatische Wendung.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt hielt die Getty-Entführung 1973 die Welt in Atem. Insofern gehört Mut dazu, eine fast umfassend bekannte Geschichte für Hollywood zu inszenieren. Doch Altmeister Ridley Scott geht das mit Bravour an. Mit einer, vom Laien nicht zu unterscheidenden Mischung aus Dichtung und Wahrheit, präsentiert der mittlerweile über 80-jährige einen Plot, der knackig und spannend ist. Dazu versteht es der Regisseur, dem Inhalt auch eine entsprechende Form zu geben. Denn das Bild erscheint fast ausschließlich in kühlen Farben, lässt so die Abwesenheit von Gefühlen beim Familienoberhaupt sehr plakativ wirken. Außerdem versteht es Scott, die Sache nicht zu gefühlsmäßig werden zu lassen. Denn beim Jungen ist der Zuschauer eher weniger, kann so kaum eine emotionale Ebene zu ihm aufbauen. Vielmehr leidet man mit der Mutter und lernt, Getty Sr. zu hassen. Getragen wird das Ganze nicht nur durch Bild und Handlung, sondern vor allem auch durch den Cast. Großartig. Christopher Plummer wurde kurzfristig für den geschassten Kevin Spacey eingesetzt und verkörpert den Geiz mit jeder Faser seiner Rolle, Michelle Williams als leidgeprüfte Mutter ist für die Abteilung Gefühle zuständig und Mark Wahlberg, der coole Ex-Agent, wird zum Gegenspieler des Fieslings aufgebaut. Mehr als zwei Stunden vergehen und keine Minute davon möchte man missen. Ganz großes Kino.

Genre: Thriller; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 132 Minuten; Verleih: Tobis; Regie: Ridley Scott; Michelle Williams, Mark Wahlberg, Christopher Plummer; USA 2017

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG