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Docteur Knock
Ein Dorf macht krank

Dr. Knock
Dr. Knock © Foto: Wild Bunch
Stefan Klug / 28.07.2018, 09:46 Uhr
(MOZ) Auf der Flucht vor Spielschulden gerät Knock eher per Zufall ins Medizinische. Einige Jahre später hat er seinen Doktor und geht daran, die Landpraxis eines älteren Kollegen zu übernehmen.

Wie es scheint, ein wenig lukrativer Job, denn sowohl Warteraum wie auch Apotheke nebenan sind die meiste Zeit verwaist. Der Docteur ist aber nicht nur Mediziner, sondern auch Experte darin, sich selbst zu vermarkten. Bei kostenlosen Sprechstunden macht er der erstaunten Bevölkerung klar, dass das gute Allgemeinbefinden wenig mit guter Gesundheit zu tun hat. Und plötzlich ist ein ganzes Dorf krank. Das Wartezimmer quillt über, der Apotheker kommt mit den Rezepten kaum noch nach und das Geld für beide sprudelt. Während die Einwohner dem Arzt dankbar für den realistischen Blick aufs Allgemeinbefinden sind, ist der Pfarrer der einzige, dem die Entwicklung nicht passt. Wenn die Leute mehr Vertrauen zum Arzt als zu Gott haben, ist was faul an der Sache. Und tatsächlich holt Knock eines Tages seine Vergangenheit ein.

Omar Sy hat die Rollen der schlitzohrigen Sympathieträger gebucht. Denn auch hier kommt er, trotz der unverschämten Geldmacherei als Docteur, nett rüber. Die Einwohner mögen ihn also nicht zu unrecht. Andererseits tut er natürlich auch Gutes, was das Wirtschaften in die eigene Tasche ein wenig verzeihlicher wirken lässt. Auch wenn Lorraine Lévy für seinen Film in die 50-er Jahre zurückgegangen ist, so wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, dass die ganze Angelegenheit durchaus als Seitenhieb auf heutige Zustände zu verstehen ist. Und wer genau hinschaut wird feststellen, dass das französische Jura-Dorf überall sein könnte. Mit der Wahl von Sy, der als Knock der einzige Farbige weit und breit ist, hat Lévy zudem einen weitere klugen Schachzug getan. Denn die Herkunft des Arztes spielt überhaupt keine Rolle, selbst dann nicht, als seine Vergangenheit bekannt wird. Für die Patienten zählt allein, was er leistet. Auch dies kann man als Sinnbild für heute verlorene Verhaltensweisen heranziehen. Darüber hinaus ist der Streifen eine Mischung aus Komödie und Drama, echte Schenkelklopfer wird man nicht finden. Immer aber bleibt die Darstellung nett anzuschauen, meist kurzweilig und unterhaltsam.

Genre: Komödie; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 110 Minuten; Verleih: Wild Bunch; Regie: Lorraine Lévy; Omar Sy, Alex Lutz, Ana Girardot; F 2017

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