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Red Sparrow
Heiße Front im kalten Krieg

Red Sparrow
Red Sparrow © Foto: 20th Century Fox HE
Stefan Klug / 28.07.2018, 11:17 Uhr
(MOZ) Die Karriere endet abrupt mit einem Beinbruch auf der Bühne. Als Ballerina wird Dominika nie wieder Geld verdienen können.

Doch die kranke Mutter muss versorgt werden. Und so willigt die junge Frau ein, einen Job für ihren Onkel, der beim Geheimdienst ist, zu erledigen. Dabei wird sie Zeugin eines Mordes und wiederum erpresst. Auf einer Spezialschule soll sie sich zu einem „Red Sparrow“ ausbilden lassen, jenen Agenten, die vor allem mit körperlichem Einsatz beim Klassenfeind Informationen besorgen. Dominika wird Jahrgangsbeste und darf gleich bei einem wichtigen Auftrag ran. In Budapest wartet ein CIA-Mann darauf, dass ein Maulwurf in höchsten russischen Kreisen wieder Kontakt aufnimmt. Den soll die junge Frau ans Messer liefern. Allerdings halten sich die eigenen Leute nicht an die Spielregeln und Dominika beschließt, dies auch nicht zu tun.

Zur Liebesagentin gezwungen ist es kein Wunder, dass die junge Frau den Job mit wenig Überzeugung und Lust angeht. Insofern ist nachzuvollziehen, dass der Gesichtsausdruck von Jennifer Lawrence über weite Strecken unbeteiligt wirkt. Sie geht zwar mutig und mit vollem Körpereinsatz zur Sache, steckt unheimlich viel ein, aber Spaß sieht definitiv anders aus. Regisseur Francis Lawrence musste also einen anderen Dreh finden, der den Zuschauer bei Laune hält. Stete Wendungen im Geschehen gehören dazu, so dass eine Vorhersage, wie es wohl weitergehen wird, fast unmöglich erscheint. Selbst der dann überraschende und zugleich am wenigsten geeignete Schluss gehört da zur Strategie. Neben viel Haut wartet „Red Sparrow“ aber auch mit ziemlich harter Action auf. Zart besaitet sollte man nicht sein. Und die Wut der bösen Jungs trifft Mann wie Frau gleichermaßen. Der ganze Aufwand indes erschließt sich nicht oder besser gesagt erst zum Ende hin, denn ob überhaupt und welche systemrelevanten Infos der Maulwurf verriet, haben die Macher für sich behalten. Darunter leidet mitunter die Spannung, denn fast zweieinhalb Stunden wollen vernünftig gefüllt sein. Trotzdem ist der Streifen mit einigen Einschränkungen gelungen. Und diese beziehen sich vor allem aufs Produktionsdesign. Dass ein Haus wie das Bolshoiso eine aberanzte Umkleide hat, scheint schon fraglich. Warum es in Budapest aber wie zu tiefsten Ost-Zeiten aussieht, der Film spielt ja im Heute, ist schleierhaft. Über die Wohnungseinrichtung der Ballerina decken wie den Mantel des Schweigens, nicht aber über die misslungene Synchro. Alle Russen sprechen mit Akzent, alle anderen aber nicht und selbst der Wiener parliert im astreinen Hochdeutsch.

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 139 Minuten; Verleih: 20th Century Fox HE; Regie: Francis Lawrence; Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Mary-Louise Parker;USA 2018

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