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Der Hauptmann
Ein Kind des Krieges

Der Hauptmann
Der Hauptmann © Foto: weltkino
Stefan Klug / 08.09.2018, 16:30 Uhr
Im April 1945 hat Willi Herold beschlossen, dass für ihn der Krieg vorbei ist. Auf seiner Flucht vor den Feldgendarmen findet er in einem verlassenen Fahrzeug die Uniform eines Hauptmanns. Er tauscht sie gegen seine total verschlissene Kleidung und erfährt schon vom erstbesten Landser, der seinen Weg kreuzt, wie die Rangabzeichen Wirkung zeigen. Schnell merkt Herold, dass es auch im Niedergang des Reiches Dinge gibt, für die er als Offizier privilegiert ist. Und als es gilt, auch mit der Waffe voran gegen vermeintliche Verräter und Deserteure vorzugehen, zögert er nicht. Mit der Zeit wächst er in die Rolle des Hauptmanns, der angeblich im Auftrag des Führer sich ein Bild von der Lage machen soll. Herold legt schon bald alle Skrupel ab und wird schlimmer als die, vor denen er vor wenigen Stunden noch auf der Flucht war.

Willi Herold, den Henker vom Emsland, gab es wirklich. Kein Grund eigentlich, seine Taten filmisch zu würdigen. Wenn Robert Schwenke daran geht, diesen Verbrecher ins Rampenlicht zu rücken, dann in erster Linie, um zu zeigen, wie jemand, der in Kriegszeiten herangewachsen ist, bestimmte Mechanismen verinnerlicht hat. Aus einem jungen Mann, auf der Flucht, der sich mit allen Mitteln ans Leben klammert, wird in Sekundenbruchteilen eine Bestie, nur weil sich, dank der Uniform, die Gelegenheit dazu ergeben hat. Schwenke geht schonungslos mit dem Zuschauer um, der im Prinzip unvorbereitet mit der Situation konfrontiert wird. Der Regisseur nimmt die Farbe aus dem Spiel, um die Szenerie wohl etwas zu entschärfen, hält dafür aber - auch tricktechnisch - voll drauf, wenn etwa Gefangene mit Flak-Geschützen hingerichtet werden. Das ist nah an der Grenze zum Gore. Es ist aber wohl vor allem die Absicht, zu schockieren, wie Krieg aus Menschen Bestien machen und was Menschen im Krieg widerfahren kann.

Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 119 Minuten; Verleih: Weltkino; Regie: Robert Schwentke; Max Hubacher, Frederick Lau, Alexander Fehling; D 2018

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